Für die Polizei in einer Gemeinde im Sauerland stellte sich vor wenigen Tagen eine spannende Frage: Handelt es sich um illegales Glücksspiel oder eine kuriose Selbsthilfegruppe? Die Antwort ist einfach, aber die Ausrede der Spieler war genial bescheuert. Es kommt immer wieder einmal vor, dass die Polizei illegales Glücksspiel aufdeckt. Meist bekommt die Polizei einen Tipp und schlägt dann zu. In einer Gaststätte in einer sauerländischen Gemeinde konnte die Polizei kürzlich einen großen Erfolg feiern. Immerhin wurden 28 Personen entdeckt, als sie diverse Spielautomaten, Poker und Blackjack zockten. Ein unbedarfter Beobachter käme nun nicht auf die Idee, dass etwas anderes als illegales Glücksspiel vorliegen könnte. Die Polizei weiß selbstverständlich, wo die konzessionierten Spielhallen und Spielbanken sind.

Illegales Glücksspiel von seltsamer Selbsthilfegruppe

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In Gaststätten ist es zwar möglich, Spielgeräte zu betreiben. Aber die Auflagen sind streng. Definitiv ist es nicht möglich, Poker und Blackjack in einer Gaststätte anzubieten. Kurzum: Für die Polizei war die Sache sofort klar. Es handelte sich um illegales Glücksspiel und dementsprechend wurden Anzeigen geschrieben. Doch für den Bruder des Veranstalters war die Sache nicht so klar, wie sie auf den ersten Blick schien. Vielmehr verstieg sich der Mann bei der Vernehmung durch die Polizei darauf, dass es sich nicht um illegales Glücksspiel handle. Vielmehr habe sich eine Selbsthilfegruppe getroffen, um Probleme mit dem Glücksspiel in den Griff zu bekommen. Wenn es einen Oscar für die kreativste Ausrede des Jahres gäbe, hätte dieser Mann eine echte Chance auf den Gewinn. Eine Selbsthilfegruppe für Problemspieler wäre sicher eine großartige Sache. Selbstverständlich gibt es auch derartige Selbsthilfegruppen. Aber es gibt keine Selbsthilfegruppe, die in einer geschlossenen Gaststätte an Spielautomaten zockt und nebenbei noch Poker und Blackjack genießt. Die Ausrede sorgte allerdings für so viel Erheiterung bei der Polizei, dass sie in den offiziellen Polizeibericht, der an die Presse weitergeleitet wird, aufgenommen wurde.

Es ist wohl ausgeschlossen, dass sich irgendein Polizist oder gar ein Richter von dieser Argumentation beeindrucken lassen würde. In jedem Fall ist es erstaunlich, dass ein illegaler Glücksspielanbieter dazu in der Lage ist, eine Veranstaltung mit 28 Personen aufzuziehen. Normalerweise sollte man doch davon ausgehen, dass so etwas auffallen muss. Wenn keiner der Anwesenden der Polizei einen Tipp gegeben hat, könnten es Nachbarn gewesen sein, die sich über die Lautstärke beschwert haben. Auch Verwandte oder Freunde der Spieler könnten mitbekommen haben, dass etwas Unschönes stattfindet. Die Veranstalter und auch die Teilnehmer müssen jedenfalls mit unangenehmen Strafen rechnen. Illegales Glücksspiel darf und soll sich in Deutschland nicht lohnen.

Großer Bedarf nach Glücksspiel hilft Kriminellen

Es ist eine alte Geschichte: Der Bedarf nach Glücksspiel ist riesig. Deswegen werden Lücken beim legalen Angebot sehr schnell von Anbietern geschlossen, die keine Konzession haben. Das führt in den meisten Ländern, unter anderem auch in Deutschland, dazu, dass es sehr viele legale Glücksspielangebote gibt. Die Anzahl der Spielhallen in Deutschland ist in den letzten Jahren zwar leicht gesunken und soll auch in den kommenden Jahren noch weiter gesenkt werden. Aber nach wie vor gibt es unglaublich viele Spielhallen. Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe von Spielbanken und Spielautomaten in Gaststätten. Nimmt man noch die zahlreichen Online Casinos hinzu, die in Deutschland verfügbar sind, stellt sich die Frage, warum es überhaupt noch Bedarf für ein illegales Glücksspielangebot geben kann. Ein Teil der Antwort ist wohl, dass durch die besonderen Rahmenbedingungen in den letzten Monaten ein großer Teil des legalen stationären Glücksspiels nicht verfügbar war. Nicht für jeden Glücksspiel-Fan ist es eine Alternative, in den seriösen Online Casinos aktiv zu werden. Vielleicht ändert sich das ein Stück weit, wenn es demnächst Online Casinos mit deutscher Lizenz gibt. Interessanterweise könnten diese Online Casinos dann dazu beitragen, dass es für die Kriminellen im stationären Glücksspielgeschäft schwieriger wird, Kunden zu finden.

Die Polizei kann zwar immer wieder einmal Erfolge feiern im Kampf gegen das illegale Glücksspiel. Aber letztlich ist man sich unter Glücksspielexperten einig, dass es ohne ein gutes legales Glücksspielangebot nicht möglich ist, die Kontrolle zu behalten. Wenn es überhaupt keine Spielhallen und Spielbanken gäbe, würde das illegale Glücksspiel noch auf ganz andere Weise florieren als aktuell. Auch beim Online-Glücksspiel gilt, dass eine vernünftige Kanalisierung, also eine Lenkung des vorhandenen Bedarfs zu lizenzierten Anbietern, enorm wichtig ist. Die neue Glücksspielregulierung, die in Deutschland mit dem nächsten Glücksspielstaatsvertrag am 1. Juli 2021 in Kraft tritt, soll genau das leisten. Allerdings wird der neue Glücksspielstaatsvertrag auch in Zukunft nicht verhindern können, dass es Glücksjäger wie den Gaststättenbetreiber im Sauerland gibt. Vielleicht sollte der nächste Betreiber eines illegalen Casinos sich aber eine bessere Ausrede einfallen lassen. Eine Selbsthilfegruppe kann eine großartige Sache für Problemspieler sein. Wenn der Veranstalter aber Geld verdient mit Spielgeräten, Pokertischen und Blackjack-Tischen, ist der Nutzen für die Problemspieler vielleicht dann doch etwas eingeschränkt.