Holland Casinos, der staatliche niederländische Glücksspielanbieter, muss wieder einmal die Tore für Besucher schließen. Schon mehrmals musste das Unternehmen, das in Staatsbesitz ist, aufgrund der Gesundheitskrise auf Einnahmen und Umsätze verzichten. Nicht nur in den Niederlanden hofft man nun, dass die aktuelle Schließung sich nicht noch einmal wiederholt.

Glücksspielanbieter in den Niederlanden leiden

Spielbank und Casinos GeschlossenBis zum 19. Januar muss Holland Casinos sämtliche Angebote schließen. Das bedeutet konkret, dass 14 Spielbanken geschlossen werden. Für Holland Casinos ist die Situation nicht neu, denn in diesem Jahr gab es bereits staatlich angeordnete Schließungen. Schon zum dritten Mal muss der Anbieter den Mitarbeitern und den Kunden sagen, dass es keine Möglichkeit gibt, das Geschäft für den angekündigten Zeitraum zu betreiben. Es ist durchaus denkbar, dass die Frist noch verlängert wird, denn im Moment weiß niemand so ganz genau, ob die aktuellen Maßnahmen ausreichen, um die Gesundheitskrise einzudämmen. Fakt ist aber auch, dass Holland Casinos am Ende gut durch die Krise kommen wird, nicht zuletzt durch die Absicherung durch den niederländischen Staat. Im Moment deutet auch nichts darauf hin, dass Mitarbeiter bei Holland Casinos entlassen werden. Bei vielen privaten Glücksspielanbietern dürfte die Situation deutlich schwieriger sein. Ein großes Problem für die Glücksspiel-Fans in den Niederlanden ist aber, dass die neue Glücksspielregulierung anders als ursprünglich geplant war noch nicht eingeführt worden ist. Das bedeutet, es gibt derzeit keine legalen Online Casinos in den Niederlanden Und somit auch keine Möglichkeit für die Glücksspiel-Fans, auf Online-Anbieter auszuweichen. Das betrifft bei Lichte betrachtet aber nur die legalen Anbieter. Auch in den Niederlanden sind Glücksspielanbieter online verfügbar, die sich nicht an die Regeln halten.

Der niederländische Staat verliert gerade viel Geld, weil die Glücksspielbranche keine Einnahmen erzielt. Keine Einnahmen, das bedeutet auch, dass keine Steuern gezahlt werden. In anderen Ländern, die eine vernünftige Glücksspielregulierung haben, ist die Situation anders. In Großbritannien haben die Glücksspiel-Fans zum Beispiel die Möglichkeit, auf die Online-Spielbanken auszuweichen. Davon profitiert dann letztlich auch der Staat, der auch bei den lizenzierten Glücksspielanbieter im Internet in Großbritannien kräftig mitkassiert. In Deutschland ist die Situation besser als in den Niederlanden, da es eine Übergangsregelung bis zur neuen Glücksspielregulierung gibt. Aber im Moment verdient der deutsche Staat auch nichts an den Einnahmen, die mit Online-Glücksspiel verdient werden. Das wird sich erst Mitte 2021 ändern, wenn die neue Glücksspielregulierung offiziell in Kraft tritt. Dann wird es Online-Spielbanken mit einer deutschen Lizenz geben. Die Niederlande lassen sich sehr viel Zeit damit, eine Glücksspielregulierung für Online-Glücksspielanbieter zu beschließen. In der aktuellen Krise rächt sich, dass die Niederlande nicht in den letzten Jahren aufs Tempo gedrückt haben, um die Glücksspielregulierung voranzubringen. Die Chance, schon im letzten Jahr die entsprechenden rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, war definitiv vorhanden.

Glücksspielanbieter in ganz Europa im Stresstest

Zum Jahreswechsel gibt es in vielen europäischen Ländern noch einmal Schließungen von Spielhallen und Spielbanken. Die Niederlande sind keine Ausnahme. Auch in Deutschland sind die Spielhallen und Spielbanken wieder geschlossen worden. Es spricht einiges dafür, dass die aktuellen Schließungen sich nicht noch einmal wiederholen, aber eine Garantie gibt es nicht. Für die gesamte Glücksspielbranche in Europa ist die aktuelle Situation ein echter Stresstest. Eine Ausnahme gibt es vielleicht: Malta. Malta hat zwar auch stationäres Glücksspiel, aber Malta hat auch die wichtigste Glücksspielbehörde des letzten Jahrzehnts für Online-Spielbanken. Deswegen konnte Malta zuletzt davon profitieren, dass das Online-Glücksspiel ohne Einschränkungen in allen Phasen der Krise fortgeführt werden konnte. Malta hat allerdings andere Probleme, die im Jahr 2021 deutlich hervortreten werden. Insbesondere wird es in Zukunft deutlich mehr Länder als früher geben, die eine eigene Glücksspielregulierung für Online-Anbieter haben. Nicht nur den Niederlanden und in Deutschland sind Glücksspielregulierungen für Online-Anbieter geplant. Auch weitere Länder sind dabei, entsprechende Gesetze zu schaffen oder zu beschließen. Insofern könnte die Krise für Malta vielleicht gerade noch zum richtigen Zeitpunkt gekommen sein, auch wenn das vielleicht ein bisschen zynisch klingen mag.

Eine Sache ist klar: Die Glücksspielanbieter, die gestärkt aus der aktuellen Krise hervorgehen werden, dürften auch in den nächsten Jahren den Markt dominieren. Trotzdem sollte niemand im stationären Glücksspielgeschäft die Konkurrenz der Online-Glücksspielanbieter unterschätzen. In der Gesundheitskrise 2020 haben viele Glücksspiel-Fans zum ersten Mal erlebt, dass es auch online möglich ist, Spaß zu haben mit Glücksspielen. Ob alle Glücksspiel-Fans, die diese Erfahrung gemacht haben, demnächst wieder in Spielhallen und Spielbanken unterwegs sein werden, ist eine offene Frage. Experten gehen davon aus, dass der Glücksspielmarkt in Europa im nächsten Jahrzehnt durchschnittlich um sieben Prozent pro Jahr wachsen wird. Aber es ist nicht klar, wie sich dieses Wachstum zwischen den Online- und Offline-Anbietern verteilen wird. Es ist durchaus denkbar, dass das Online-Glücksspiel schneller wachsen wird, nicht nur den Niederlanden. Im Jahr 2020 hatten die Online-Glücksspielanbieter definitiv einen Vorteil, der durch die Schließungen zahlreicher Spielhallen und Spielbanken nun noch einmal verstärkt zum Jahreswechsel sichtbar wird.

Hier mehr über die staatlich angeordneten Schließungen von Holland Casinos lesen (auf Englisch).