GVC Holdings befürchtet, dass der Gewinn um 43 Millionen Pfund sinken wird. Durch die aktuellen Maßnahmen zur Bewältigung der Gesundheitskrise in Großbritannien und dem Rest von Europa sind die Einnahmen des Glücksspielanbieters vor allem Sportwetten-Bereich deutlich eingebrochen.

GVC Holdings geht von deutlichem Gewinnrückgang aus

GVC HoldingsFür den Glücksspielanbieter GVC Holdings könnte das letzte Quartal 2020 äußerst unangenehm werden. Eine aktuelle Gewinnwarnung zeigt, dass GVC Holdings davon ausgeht, dass ein Rückgang des Gewinns um 43 Millionen Pfund wahrscheinlich ist. Warum ist ein derart starker Rückgang zu verzeichnen? Durch die Verschärfung der Gesundheitskrise in zahlreichen europäischen Ländern im November mussten viele stationäre Glücksspielanbieter und Wettanbieter schließen. Allein durch die Schließung der Geschäfte von Ladbrokes und Coral rechnet GVC Holdings mit einem Gewinnrückgang von 34 Millionen Pfund. Die restlichen 9 Millionen Pfund Verlust werden ebenfalls im Retail-Geschäft entstehen, allerdings in den Ländern außerhalb Großbritanniens. Die Situation in Großbritannien ist für alle Glücksspielanbieter, die stark im stationären Geschäft verhaftet sind, äußerst problematisch. Auch ein großer Konzern wie GVC Holdings ist nicht dazu in der Lage, die Verluste aus dem stationären Geschäft über das Online-Glücksspiel zu kompensieren. Besonders hart sind allerdings die Anbieter betroffen, die überhaupt kein Online-Glücksspiel im Portfolio haben. Das sind zum Beispiel die vielen kleinen Wettanbieter, die es speziell in Großbritannien gibt. Die Sportwetten-Branche funktioniert insgesamt noch recht gut, da die Online-Sportwetten auf breiter Front verfügbar sind. Solange nicht wieder wie im Frühjahr Sportveranstaltungen im großen Stil abgesagt werden, wird es nicht zu einem kompletten Einbruch kommen.

Für GVC Holdings geht es im Moment darum, die Krise möglichst gut zu überstehen. An erster Stelle, darauf weist der Glücksspielanbieter in einer aktuellen Verlautbarung ausdrücklich hin, steht die Gesundheit der Mitarbeiter. Deswegen unterstützt GVC Holdings grundsätzlich Maßnahmen zum Gesundheitsschutz. Allerdings ist es nachvollziehbar, dass viele Glücksspielanbieter mittlerweile nervös werden, denn auch wenn ein Ende der Gesundheitskrise in Sicht ist, wird das Jahr 2020 doch heftige Spuren hinterlassen. Es wird noch einige Monate dauern, bis sich die Situation komplett entspannt. Schon jetzt scheint aber klar zu sein, dass sich speziell der Sportwetten-Markt in Großbritannien verändern wird. Einige kleine und mittlere Anbieter werden wahrscheinlich nach der Krise vom Markt verschwunden sein. Vielleicht ist es sogar langfristig für Konzerne wie GVC Holdings ein Vorteil, dass die Marktanteile neu sortiert werden. Allerdings lässt sich das zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös abschätzen, denn niemand weiß wirklich, wie viele Unternehmen der Glücksspielbranche die Krise nicht überstehen werden. Aber grundsätzlich sind Konzerne wie GVC Holdings deutlich besser geeignet für das Krisenmanagement als kleine Unternehmen, die auf Einnahmen aus wenigen Wettbüros angewiesen sind.

Wettbüros bereiten Glücksspielanbietern Probleme

Viele Jahre lang galt, dass die stationären Wettbüros für die meisten Glücksspielanbieter sichere Einnahmequellen waren. Im Einzelfall mag es auch einmal ein Wettbüro gegeben haben, das nicht besonders lukrativ war. Aber die überwiegende Mehrheit der 3.000 Wettbüros, die GVC Holdings in Großbritannien betreibt, waren gut funktionierende Geschäfte. Das hat sich komplett geändert im Jahr 2020. Im Sommer gab es eine kurzfristige Erholung, da zum einen alle Wettbüros wieder öffnen konnten und zusätzlich wieder viele Sportveranstaltungen stattfinden durften. Die Sportveranstaltungen sind geblieben, aber die Wettbüros sind wieder geschlossen. Das wird sich frühestens im Dezember ändern. Es kann aber auch sein, dass die Schließung der Wettbüros verlängert wird. Die Wettbüros werden nicht nur in Großbritannien als Geschäfte gesehen, die nicht wichtig sind. Deswegen tendieren Politiker dazu, die Wettbüros erst sehr spät wieder zu öffnen. Schon im Frühjahr musste die gesamte Sportwetten-Branche erleben, dass die Wettbüros keine hohe Priorität im politischen Raum haben. Auch nach der Wiedereröffnung vieler Wettbüros lief das Geschäft nicht herausragend, da die neuen Hygienevorschriften viele Menschen davon abgehalten haben, Wettbüros zu besuchen. Zudem gibt es auch in Großbritannien zahlreiche Online-Buchmacher, die als Alternativen bestens geeignet sind.

GVC Holdings profitiert im Moment davon, dass es auch diverse Marken im Bereich der Online-Sportwetten gibt. Aber das klassische Retail-Geschäft lässt sich durch die Online-Sportwetten nicht komplett ersetzen. Der November ist in jedem Fall ein harter Monat für GVC Holdings. Aber vielleicht wird der Dezember sogar noch härter. Es ist nicht einmal sicher, dass sich die Situation im Januar oder im Februar verbessern wird. Schon jetzt arbeiten die Strategen bei GVC Holdings und vielen anderen Konzernen und Unternehmen der Glücksspielbranche daran, die künftige Ausrichtung zu verändern. Eines ist nach den Erfahrungen im Jahr 2020 klar: Die Online-Glücksspiele und die Online-Sportwetten werden noch wichtiger werden für die großen Anbieter. Das stationäre Sportwetten-Geschäft wird hingegen aller Voraussicht nach schrumpfen. Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund: Sollte es noch einmal zu einer Krise wie im Jahr 2020 kommen, möchte GVC Holdings mit weniger Ballast unterwegs sein.

Hier mehr über die Gewinnwarnung von GVC Holdings lesen (auf Englisch).