GVC Holdings hat im ersten Halbjahr 2020 einen Umsatzeinbruch von 11,2 Prozent erlitten. Das ist auf der einen Seite keine gute Nachricht, denn für kein Unternehmen ist es gut, wenn der Umsatz nach unten geht. Aber auf der anderen Seite hat GVC Holdings in der großen Krise im Vergleich zu vielen anderen Konzernen aber eine gute Figur gemacht. Eine wichtige Rolle haben dabei die Online Casinos gespielt. Ein Blick auf die aktuelle Halbjahresbilanz von GVC Holdings zeigt, dass der Konzern wahrscheinlich mit einem blauen Auge durch die Krise gekommen ist. Ein Umsatzrückgang von 11,2 Prozent ist unschön. Aber es hätte deutlich schlimmer kommen können. In Großbritannien und in Deutschland sind beispielsweise viele Unternehmen, die ausschließlich landbasierte Wettbüros haben, komplett unter die Räder gekommen. Dahingegen hat GVC Holdings im ersten Halbjahr 2020 erheblich davon profitiert, dass das Portfolio sehr breit aufgestellt ist.

Schwieriges erstes Halbjahr 2020 für GVC Holdings

GVC HoldingsDie Verluste hat GVC Holdings vor allem im Retail-Geschäft eingefahren, wobei auch die Online-Sportwetten längst nicht so gut gelaufen sind wie in den letzten Jahren. Aber die Online Casinos haben zum Teil deutlich höhere Umsätze gebracht als im Vorjahr. Der Nettoumsatz von GVC Holdings lag im ersten Halbjahr bei 1,62 Milliarden Pfund. Davon wurden 1,21 Milliarden Pfund online erwirtschaftet. An diesen beiden Zahlen wird schon deutlich, warum der Umsatzrückgang bei GVC Holdings im erträglichen Rahmen geblieben ist. Im Vergleich zu vielen Konkurrenten setzt GVC Holdings schon seit Jahren nur noch in begrenztem Umfang auf klassische Wettbüros und Spielhallen. Der größte Teil des Umsatzes wird online erwirtschaftet. Die Online-Anbieter sind insgesamt viel besser durch die Krise gekommen als die landbasierten Anbieter. Selbst die Online-Sportwetten sind nie vollkommen eingebrochen. Auch bei den Buchmachern, die zum Konzern GVC Holdings gehören, gab es sogar auf dem Höhepunkt der Krise immer noch einige Sportwetten im Portfolio. Die echten Sportwetten-Enthusiasten haben zum Beispiel im Mai und im April auf Fußball in Weißrussland getippt.

Auch beim Bingo und beim Poker konnte GVC Holdings keinen Einbruch feststellen. Ganz im Gegenteil: Bingo und Poker sind im ersten Halbjahr so gut gelaufen wie lange nicht mehr. Auch das lässt sich gut erklären. Da die landbasierten Casinos in nahezu allen Ländern, die von GVC Holdings bedient werden, komplett geschlossen waren, gab es einen großen Bedarf für Online-Glücksspiel in unterschiedlichen Varianten. Bingo ist zum Beispiel in Spanien sehr beliebt. Dahingegen bevorzugen die deutschen Glücksspiel-Fans im Zweifel eher Poker. Auch einige Sportwetten-Fans, die sich nicht für Amateurfußball in Schweden oder ähnliche Events begeistern konnten, sind wahrscheinlich in die Online Casinos oder auch zum Bingo und zum Poker gewechselt. Der Aufschwung beim reinen Online-Glücksspiel ist wohl teilweise ein temporärer Effekt. Niemand rechnet beispielsweise ernsthaft damit, dass Online-Poker noch einmal zu einer ganz großen Sache wird. Aber die vielen Pokerspieler, die lieber in echten Spielbanken unterwegs sind, brauchten eine Alternative. Deswegen sind die Umsätze beim Online-Poker in den letzten Monaten nach oben gegangen. Aber schon zuletzt hat sich eine Normalisierung der Umsätze angedeutet, denn die meisten Spielbanken in Europa dürfen wieder Kunden empfangen. Die Online Casinos von GVC Holdings konnten auch höhere Umsätze verzeichnen, jedenfalls in den meisten Ländern. Die wichtigste Nachricht ist aber vielleicht: Die Online-Glücksspiele sind insgesamt viel besser durch die Krise gekommen als alle anderen Angebote von GVC Holdings. Das ist kein besonderer Effekt bei GVC Holdings, sondern diese einfache Erkenntnis lässt sich für die gesamte Branche ermitteln.

Ohne landbasierte Angebote Umsatzverlust unvermeidbar

Auch wenn GVC Holdings den größten Teil des Umsatzes online erwirtschaftet, führt doch kein Weg daran vorbei, dass auch die landbasierten Anbieter wichtig sind für das Gesamtergebnis. Deswegen kann es niemanden überraschen, dass GVC Holdings im ersten Halbjahr ein deutlich schlechteres Ergebnis als im Vorjahr eingefahren hat. Um auch nur annähernd so gute Umsatzzahlen wie im letzten Jahr zu erreichen, hätten die landbasierten Angebote nicht über einen langen Zeitraum ausfallen dürfen. In Großbritannien sind erst kürzlich wieder die Spielhallen geöffnet worden. Die Buchmacher sind zwar schon länger wieder im Geschäft. Aber insgesamt ist GVC Holdings doch heftig getroffen worden von der Schließung aller landbasierten Glücksspielangebote. Immerhin hatten die Kunden von GVC Holdings aber die Möglichkeit, auf Alternativen im Internet auszuweichen. Es wäre interessant zu ermitteln, ob die Kunden von GVC Holdings auch im Internet zum größten Teil die Marken des Unternehmens bevorzugen. In manchen Fällen gibt es eine direkte Verbindung, so wie dies auch in Deutschland der Fall ist. Wer in Deutschland zum Beispiel in einer Buchmacher-Kette als Kunde registriert ist, kann in der Regel auch die Online-Sportwetten nutzen. Aber bei GVC Holdings ist das nicht durchweg der Fall. Beispielsweise betreibt GVC Holdings auch Bingohallen, aber es gibt keine gemeinsame Kundenbasis mit dem Online-Bingo. Vielleicht wäre eine stärkere Vernetzung von online und offline für die Zukunft eine gute Basis, um den Kunden in einer ähnlichen Krise eine unmittelbare Alternative zu präsentieren.

Als Beispiel für den Aufschwung beim Poker seien nur die Zahlen von PartyPoker, der wichtigsten Poker-Marke von GVC Holdings genannt: Bei PartyPoker ist der Umsatz im ersten Halbjahr um 60 Prozent gestiegen. Das ist ein Aufschwung, den es in ähnlicher Form schon lange nicht mehr gegeben hatte. Der große Pokerboom, der etwa vor zwei Jahrzehnten stattgefunden hat, lässt sich nicht reproduzieren. Aber es ist bemerkenswert, dass Online-Poker vielleicht doch nicht ganz so uninteressant für Glücksspiel-Fans ist, wie Experten oft behaupten. Die ganz große Renaissance beim Online-Poker wird es wohl nicht geben. Aber die aktuelle Krise zeigt, dass es durchaus Potenzial gibt für höhere Umsätze. Es wird spannend sein zu sehen, ob GVC Holdings und andere Konzerne versuchen, von den aktuellen Erkenntnissen zu profitieren. Vielleicht wird GVC Holdings in Zukunft doch mehr investieren in Online-Poker und Online-Bingo. Bei der wichtigsten Bingo-Marke von GVC Holdings, Gala Bingo, lag der Umsatzanstieg immerhin bei 40 Prozent im ersten Halbjahr. Poker und Bingo haben in der landbasierten Variante einige Vorteile, die sich online nur schwer kompensieren lassen. Vor allem der soziale Aspekt bei diesen beiden Spielen ist für viele Glücksspiel-Fans wichtig. Aber vielleicht ist es möglich, die Umsätze in diesen beiden Glücksspiel-Sparten noch deutlich über dem Niveau der letzten Jahre zu halten. Wahrscheinlich hat es in den letzten Monaten viele neue Kunden in diesen beiden Bereichen gegeben und es liegt nun an GVC Holdings dafür zu sorgen, dass zumindest ein Teil dieser Kunden dauerhaft die Online-Angebote nutzt. Schon im zweiten Halbjahr wird wahrscheinlich zu sehen sein, ob GVC Holdings auf diesem Weg erfolgreich ist.

Pferderennen wichtig für Online-Buchmacher

Das Sportwetten-Geschäft in Großbritannien hat in der großen Krise davon profitiert, dass es in Großbritannien sehr viele Pferdewetten-Fans gibt. Die Pferdewetten konnten im Großen und Ganzen ohne große Einschränkungen auch während der Krise durchgeführt werden. Deswegen konnten die Buchmacher in Großbritannien schon vor dem Start der Bundesliga attraktive Umsätze erzielen. Besonders gilt dies natürlich für die Online-Buchmacher, die ohne Pause verfügbar waren. Entsprechend sind die Umsätze bei den Online-Sportwetten nicht komplett in den Keller gegangen bei GVC Holdings. Auch das hat dazu beigetragen, dass der Gesamtumsatz am Ende dann doch nicht so gelitten hat, wie die von vielen Experten zu Beginn der Krise vorhergesagt worden ist. Die Wettbüros mussten allerdings in Großbritannien erhebliche Einbußen erleiden. Im ersten Halbjahr ist der Umsatz von GVC Holdings im landbasierten Sportwetten-Geschäft um 52,6 Prozent gesunken. Das ist einer der größten Verluste in der Bilanz. Wenn es das landbasierten Sportwetten-Geschäft nicht im Portfolio gäbe, hätte GVC Holdings wahrscheinlich sogar ein Plus in der Bilanz. Es gibt viele gute Argumente dafür, nicht nur Online-Sportwetten anzubieten. Aber angesichts der Erfahrungen mit der aktuellen Gesundheitskrise wird auch GVC Holdings noch einmal genau prüfen, ob es sinnvoll ist, auch weiterhin Wettbüros in klassischen Ladengeschäften zu betreiben. Der große Konkurrent William Hill hat zuletzt angekündigt, 119 Wettbüros zu schließen. Vielleicht wird sich auch GVC Holdings in Zukunft zunehmend aus dem klassischen Sportwetten-Geschäft zurückziehen, um für künftige Krisen besser gerüstet zu sein.

Unter dem Strich landet GVC Holdings im ersten Halbjahr bei einem Gewinn von 2,1 Millionen Pfund. Das ist nicht viel für einen Konzern, der einen Milliardenumsatz macht. Aber angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen ist es bemerkenswert, dass GVC Holdings überhaupt dazu in der Lage war, im ersten Halbjahr einen Gewinn zu erreichen. Die wichtigste Nachricht ist somit, dass GVC Holdings zwar Federn lassen musste, aber nach wie vor in einer starken Position ist. Der Konzern musste keinen Kredit aufnehmen, um irgendwelche Verluste auszugleichen. Bei vielen Konkurrenten war das anders. GVC Holdings ist ein gesunder Glücksspielkonzern, der eine der schwierigsten Phasen der Glücksspielbranche in den letzten Jahrzehnten gut überstanden hat. Wenn sich die Lage nicht noch einmal erheblich verschärfen sollte im zweiten Halbjahr 2020, könnte GVC Holdings sogar zu den Gewinnern gehören. Generell sind die großen Konzerne bislang deutlich besser durch die Krise gekommen als die kleinen Casino-Betreiber. Deswegen mutmaßen einige Experten, dass nach 2020 der Marktanteil von Konzernen wie GVC Holdings größer sein wird als vorher. Ob es dazu wirklich kommen, bleibt abzuwarten. Aber sicher ist nach den aktuellen Zahlen, dass GVC Holdings im Gegensatz zu vielen Konkurrenten auf einem starken Niveau geblieben ist. Die Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2020 deuten sogar darauf hin, dass GVC Holdings im zweiten Halbjahr ein Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr erzielen könnte. Das wäre eine bärenstarke Leistung. Aber es bleiben noch einige Monate im Jahr 2020 und angesichts der letzten Monate wäre es wohl eine schlechte Idee, allzu optimistische Prognosen zu machen.