In Großbritannien laufen die Rennverbände Sturm gegen die Sport Finanzchecks, die aktuell im Rahmen der Reform des Glücksspielgesetzes diskutiert werden. Für die Veranstalter von Pferderennen wären Finanzchecks bei jedem Kunden auch nach Einschätzung vieler Experten höchst problematisch. Pferdewetten sind in Großbritannien seit Jahrzehnten enorm beliebt. Deswegen ist es nachvollziehbar, dass die Racecourse Association, die Horsemen’s Group und die British Horseracing Authority sich gemeinsam dagegen wehren, dass in Zukunft jeder Kunde, der hohe Einsätze platzieren möchte, einen Finanzcheck durchlaufen muss. Die UK Gambling Commission hat diverse Vorschläge zur Reform des Glücksspielgesetzes geliefert. Der umstrittenste Vorschlag betrifft ein Einzahlungslimit. Demnach sollen in Zukunft die Kunden bei Buchmachern in Großbritannien maximal 100 Euro einzahlen können pro Monat. Wenn dieses Limit überschritten werden soll, ist ein individueller Finanzcheck erforderlich. Aus verständlichen Gründen finden das die Rennverbände in Großbritannien alles andere als großartig.

Finanzchecks großes Problem für Rennverbände

Pferderennen Sport

Die große Gefahr ist, dass viele Sportwetten-Fans aufgrund des Finanzchecks entweder auf Wetten verzichten oder aber, was deutlich wahrscheinlicher ist, bei Buchmachern ohne britische Lizenz ihre Pferdewetten platzieren. Die Veranstalter von Pferderennen sind in Großbritannien in den letzten zwölf Monaten bereits heftig unter die Räder gekommen aufgrund der Gesundheitskrise. Wenn nun auch noch ein obligatorischer Finanzcheck für Sportwetten-Fans geschlossen würde, könnte das zum Aus vieler Rennstrecken führen. Zum Hintergrund: Nicht nur in Großbritannien werden Pferderennen zu einem großen Teil durch die Einnahmen aus den Pferdewetten finanziert. Wenn die Einnahmen, die über Buchmacher und direkt an der Rennstrecke über Wetten generiert werden, nach unten gehen, könnte das dramatische Auswirkungen für den Pferdesport in Großbritannien haben.

Wäre es wirklich sinnvoll, ein sehr niedriges Einzahlungslimit zu beschließen und höhere Einzahlungen an individuelle Kontrollen zu binden? Niemand weiß ganz genau, ob ein derartiges Limit zu einem besseren Spielerschutz führen würde. Bedauerlicherweise fehlt eine wissenschaftliche Basis, um eine derartige Maßnahme zu rechtfertigen. Das ist eine der wichtigsten Kritikpunkte der britischen Rennverbände. Auch bei Glücksspielgesetzen darf es nicht nur darum gehen, nach Gefühl zu entscheiden. Für einen Glücksspielgegner ist die Sache wahrscheinlich ganz einfach: Wenn das Limit niedriger ist, werden weniger Wetten abgeschlossen und dann gibt es auch weniger Probleme für Spieler, die sich nicht unter Kontrolle haben. Doch in der Praxis könnte die Sache ganz anders aussehen. Es ist sogar wahrscheinlich, dass der Spielerschutz unter dem Strich verschlechtert würde durch ein niedriges Einzahlungslimit. Gerade die Problemspieler würden dann nicht mehr bei den Buchmachern aktiv werden, die einen Finanzcheck machen wollen. Stattdessen würden diese Spieler sich den Sportwettenanbietern zuwenden, die sich ohnehin nicht an Regeln in Großbritannien halten. Der Spielerschutz wäre unter dem Strich somit deutlich schlechter. Bislang ist es keinem Befürworter strenger Glücksspielregulierungen in Europa gelungen, diesen Widerspruch aufzulösen. Das große Problem, das bislang nirgendwo in Europa gelöst worden ist, wird aktuell auch in Großbritannien heftig diskutiert: Wie groß wird der Schwarzmarkt, wenn Finanzchecks eingeführt werden? Und wie kann es gelingen, den Schwarzmarkt wirkungsvoll zu bekämpfen?

Finanzchecks und Schwarzmarkt passen nicht zusammen

Bevor eine Verschärfung der Glücksspielregulierung durchgeführt wird, sollte eigentlich eine umfangreiche Strategie zur Bekämpfung des Schwarzmarkts entwickelt werden. Wenn die Glücksspielregulierung zu streng ist, wandern die Spieler auf den Schwarzmarkt ab. In der Praxis führt das dann nicht nur Großbritannien dazu, dass die Politiker sich damit brüsten, dass die Umsätze in der legalen Glücksspielindustrie stagnieren oder nach unten gehen. Gleichzeitig wächst aber der Umsatz auf dem Schwarzmarkt. Der immer wieder vorgeschobene Spielerschutz wird durch eine Verschärfung der Regulierung oftmals verschlechtert. Das ist ein einfacher Zusammenhang, der trotzdem von vielen Politikern und Glücksspielgegnern vehement bestritten wird. Deswegen wäre es wichtig, umfangreiche Studien zu machen, um die Wirkung einer Glücksspielregulierung objektiv zu erfassen. Eine Sache sollte aber klar sein: Wenn Großbritannien es nicht schafft, die zahlreichen Online Casinos und Online-Buchmacher ohne britische Lizenz außen vor zu halten, wird es nicht gelingen, den Spielerschutz mit Finanzchecks zu verbessern.

Viele Glücksspiel- und Sportwetten-Fans haben längst die Erfahrung gemacht, dass es sehr einfach ist, attraktive Anbieter im Internet zu finden. Die Frage nach der Lizenz stellen dabei längst nicht alle potenziellen Kunden. In einer optimal regulierten Glücksspielwelt gäbe es nur den legalen Markt. Aber solange weder in Großbritannien noch in Deutschland alles optimal reguliert ist, muss der Schwarzmarkt bei jeder Regulierung berücksichtigt werden. In den letzten zehn Jahren hat es in Europa einen gut funktionierenden Online-Glücksspielmarkt gegeben auf der Basis von EU-Lizenzen. Im Detail könnte der Spielerschutz mit Sicherheit besser werden. Aber die Idee, dass nun jedes Land in Europa eine eigene Regulierung schafft und darauf hofft, dass die Glücksspiel- und Sportwetten-Fans sich an diese Regulierung halten werden, scheint doch reichlich optimistisch zu sein. In Großbritannien und in Deutschland wird man sehr schnell feststellen, ob es wirklich eine gute Idee ist, eine strenge Glücksspielregulierung umzusetzen. Ob in Großbritannien auch Finanzchecks zur neuen Regulierung gehören werden, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.