Der Mehrwertsteuer-Rabatt in Großbritannien, der als Reaktion auf die Krise vielen Unternehmen zugesprochen worden ist, wirkt sich auch positiv in der Glücksspielbranche aus. Renommierte Unternehmen wie Inspired Entertainment können durch das Förderprogramm ihre Verluste reduzieren.

Mehrwertsteuer-Rabatt zahlt sich aus

Inspired entertainmentAm Beispiel von Inspired Entertainment lässt sich sehr schön zeigen, wie wertvoll der Mehrwertsteuer-Rabatt für Glücksspielanbieter in Großbritannien aktuell ist. Im dritten Quartal konnte Inspired Entertainment einen finanziellen Vorteil von 7,9 Millionen Euro Nutzen durch das Regierungsprogramm, mit dem Unternehmen entlastet werden sollen, realisieren. Ein interessanter Fakt ist allerdings, dass längst nicht alle Unternehmen der Glücksspielbranche hart getroffen werden von der aktuellen Krise. Inspired Entertainment verdient vor allem Geld mit virtuellen Sportarten, die in vielen Online Casinos angeboten werden. Diese speziellen Angebote sind in diesem Jahr stärker gefragt denn je. Deswegen kann es nicht überraschen, dass der Umsatz von Inspired Entertainment im dritten Quartal 2020 um 125.9 Prozent höher lag als im gleichen Quartal des Vorjahres. Warum bekommt Inspired Entertainment trotzdem den Mehrwertsteuer-Rabatt? Das Programm ist so ausgelegt, dass fast alle Unternehmen profitieren können. Es gibt keine Einzelfallprüfung. Das ist grundsätzlich auch richtig, denn der organisatorische Aufwand wäre immens. Zudem ist es letztlich auch im Interesse der Regierung, dass die gesamte Glücksspielbranche profitiert. Wenn alle Unternehmen, auch die gesunden, den Mehrwertsteuer-Rabatt nutzen können, kommt das der gesamten Industrie am Ende zugute. Gegebenenfalls hat Inspired Entertainment dann durch die gute finanzielle Situation nach der Krise die Möglichkeit, den einen oder anderen kleinen Wettbewerber aufzukaufen.

In vielen Ländern gibt es aktuell Programme, mit denen Unternehmen unterstützt werden, die unter Druck geraten sind durch die Krise. Nicht nur in der Glücksspielbranche gilt, dass zahlreiche Unternehmen ohne Eigenverschulden in der Krise sind. Das gilt jedenfalls für die Firmen, die vor der Krise in einer guten wirtschaftlichen Situation waren. Das Problem bei Förderprogrammen, die nicht als Mehrwertsteuer-Rabatt oder Steuerabzug in anderer Form gewährt werden, ist, dass auch Unternehmen, die auch ohne Krise nicht mehr überlebensfähig gewesen wären, durchgeschleppt werden. Eine perfekte Lösung gäbe es nur bei einer Einzelfallprüfung. Aber der Aufwand wäre nicht zu leisten, vor allem nicht schnell und unbürokratisch. Das Mehrwertsteuer-Programm der britischen Regierung ist hingegen sehr gut geeignet, um den Unternehmen flott und einfach Hilfe zukommen zu lassen. In Großbritannien läuft die Mehrwertsteuer-Zahlung ähnlich wie in Deutschland: Die Unternehmen müssen im dreimonatigen Rhythmus eine Vorauszahlung leisten. Diese Vorauszahlung kann durch den neuen Mehrwertsteuer-Rabatt gekürzt werden, sodass ein umgehender Vorteil entsteht. Abgerechnet wird dann am Ende des Jahres, aber den Unternehmen kann dadurch kein Nachteil entstehen. Es wird spannend sein zu sehen, wie lange der Mehrwertsteuer-Rabatt noch gelten wird. Allgemein wird erwartet, dass sich die Krise im Laufe des nächsten Jahres auflösen wird. Aber für viele Unternehmen bleibt die Situation wahrscheinlich noch eine ganze Weile lang schwierig.

Wie gut kommt die Glücksspielbranche durch Krise?

Angesichts der guten Zahlen von Inspired Entertainment im dritten Quartal 2020 könnte man allzu leicht auf die Idee kommen, dass die Glücksspielbranche insgesamt gut durch die Krise kommt. Es lohnt sich jedoch, die Glücksspielindustrie differenziert zu betrachten. Auf der einen Seite gibt es die Unternehmen, die in erster Linie mit Online-Glücksspielen Geld verdienen. Diese Unternehmen kommen gut und zum Teil sogar herausragend durch die Krise. Einige Firmen konnten ihr Ergebnis sogar deutlich erhöhen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Beispielsweise konnten die Online-Spielbanken in vielen Ländern vor allem im ersten Halbjahr deutlich höhere Umsätze erzielen als im Vorjahr. Auf der anderen Seite gibt es aber auch noch die Online-Buchmacher, die im ersten Halbjahr durch die Absage von zahlreichen Sportveranstaltungen heftig beeinträchtigt waren. Die wenigsten Anbieter haben nur Glücksspiele im Programm. Viel häufiger ist zu sehen, dass Firmen, die online aktiv sind, Sportwetten und Glücksspiele in unterschiedlichen Varianten anbieten. Deswegen ist in diesem Jahr fast jeder Online-Glücksspielanbieter in irgendeiner Form von der Krise getroffen worden.

Es stimmt allerdings, dass einige Glücksspielanbieter im Online-Geschäft die Verluste aus den Sportwetten gut kompensieren konnten. Deutlich schwieriger ist die Situation insgesamt für alle Firmen, die vor allem auf das stationäre Geschäft setzen. Spielhallen, Spielbanken und Wettbüros sind erheblich beeinträchtigt worden. In vielen Ländern spielt auch das Slots-Geschäft in Gaststätten eine wichtige Rolle. Da viele Gaststätten aber in diesem Jahr nur begrenzt oder gar nicht betrieben werden können, fehlen die entsprechenden Einnahmen. Die großen Glücksspielkonzerne kommen trotzdem recht gut durch die Krise, auch wenn der eine oder andere bekannte Anbieter viel Geld verlieren dürfte. Da aber das finanzielle Polster bei den großen Firmen und Konzernen in den letzten Jahren gewachsen ist, sollte das kein größeres Problem sein, jedenfalls langfristig. Aber viele kleine Anbieter im stationären Glücksspiel- und Sportwetten-Geschäft mussten bereits aufgeben. Je länger die Krise dauert, desto größer ist die Chance, dass mit oder ohne Mehrwertsteuer-Rabatt noch mehr Firmen die Pleite nicht vermeiden können.

Hier mehr über den Mehrwertsteuer-Rabatt in Großbritannien lesen (auf Englisch).