Das House of Lords hat sich dafür ausgesprochen, dass in Großbritannien Lootboxen neu reguliert werden. Nach Auffassung der Parlamentarier sollen die Lootboxen als Glücksspiel betrachtet werden und entsprechend anders reguliert werden als Videospiele. Die Folgen einer neuen Regulierung wären für die Videospiel-Industrie erheblich. Aber das House of Lords hat starke Argumente auf seiner Seite. Die entscheidende Erkenntnis: Nicht nur in Online Casinos gibt es Online-Glücksspiele.

Lootboxen sollen wie Glücksspiele behandelt werden

LootboxenIn den letzten Monaten hat es in vielen Ländern Diskussionen darüber gegeben, wie Lootboxen zu bewerten sind. Das britische House of Lords Gambling Committee hat sich ebenfalls mit dieser Frage ausführlich beschäftigt. Das Ergebnis ist eindeutig: Nach Auffassung der Parlamentarier handelt es sich bei Lootboxen um Glücksspiele, die nicht wie normale Videospiele reguliert werden können. Vielmehr müssten die Glücksspiel-Gesetze auf die Lootboxen angewendet werden. Was sind Lootboxen? In vielen Videospielen können die Spieler an bestimmten Stellen im Spiel eine Lootbox finden und dann gegen den Einsatz von Geld diese Box öffnen. Es ist jedoch unklar, was genau in dieser Box zu finden ist. An dieser Stelle tritt der Glücksfaktor ins Spiel. Es kann sein, dass der Spieler einen wichtigen Gegenstand findet oder andere Vorteile. Es kann aber auch sein, dass der Spieler leer ausgeht. Die Kombination aus einem Echtgeld-Einsatz und den Glücksfaktor sorgt dafür, dass die Lootboxen schon seit der Einführung stark umstritten sind. Es gibt viele unterschiedliche Varianten und nicht immer wird Echtgeld eingesetzt. Oft handelt es sich auch um Spielgeld, das allerdings auch mit Echtgeld gekauft werden kann bei manchen Spielen. Es gibt viele Aspekte, die berücksichtigt werden müssen bei Lootboxen, aber es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass der Glücksfaktor eine große Rolle spielt.

Nicht jedes Spiel, in dem der Glücksfaktor maßgeblich ist, ist nach dem Gesetz ein Glücksspiel. Grundsätzlich haben viele Videospiele einen Glücksfaktor, der in unterschiedlichen Varianten eingesetzt wird, um den Spielablauf unberechenbar für den Spieler zu machen. Aber es ist etwas völlig anderes, wenn der Glücksfaktor mit einer unmittelbaren finanziellen Absicht seitens des Spieleanbieters kombiniert wird. In diesem Fall ist der Unterschied zwischen Lootboxen und Spielautomaten dann kaum noch erkennbar. Das House of Lords Gambling Committee ist von der einfachen Erkenntnis gekommen, dass ein Spiel, das wie ein Glücksspiel aussieht, wie ein Glücksspiel funktioniert und sich wie ein Glücksspiel anfühlt, auch ein Glücksspiel sein muss. Das ist eine bemerkenswert pragmatische Definition, die wohl typisch britisch ist. In Deutschland ist es bislang keine Politiker gelungen, Lootboxen als Glücksspiele zu regulieren. Bislang haben sich immer die Juristen durchgesetzt, die Lootboxen nicht als Glücksspiele im Sinne der geltenden Gesetze sehen. Aber vielleicht wäre es sinnvoll, den gesunden Menschenverstand zu nutzen, um die Lootboxen korrekt zu bewerten. Es spricht einiges dafür, dass der Gesetzgeber sich an die Forderung des House of Lords halten wird und demnächst die Lootboxen neu regulieren wird. Ohnehin gibt es im Moment eine umfassende Debatte um die Glücksspiel-Regulierung. Deswegen wäre es wahrscheinlich eine einfache Sache, in einem Zug gleich auch noch die Lootboxen neu zu regulieren.

Videospiel-Hersteller eindeutig gegen Forderung

Für die Hersteller von Videospielen wäre es ein heftiger Schlag, wenn die Lootboxen als Glücksspiele betrachtet würden. In der Praxis würde das dann dazu führen, dass die Spiele, die Lootboxen enthalten, komplett unter die Glücksspiel-Regulierung fallen würden. Das hätte zur Folge, dass es wesentlich schwieriger wäre, diese Videospiele zu vermarkten. Die Glücksspiel-Regulierung ist nicht nur in Großbritannien wesentlich strenger als die Regulierung von Videospielen. Nicht zuletzt wäre der Imageschaden fatal, denn Videospiele haben bislang einen wesentlich besseren Ruf als Glücksspiele. Wenn aber plötzlich Videospiele als Glücksspiele verkauft werden müssten und auch entsprechend reguliert wären, könnte sich der eine oder andere potenzielle Kunde am Ende dann doch gegen diese Produkte entscheiden. Eine einfache Lösung bestünde darin, die Lootboxen aus den Videospielen zu entfernen, um die Regulierung als Glücksspiel zu vermeiden. Aber, auch wenn es keine offiziellen Zahlen zu dieser Thematik gibt, darf doch vermutet werden, dass die Lootboxen mittlerweile ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind. Es ist kein Zufall, dass die Lootboxen in den letzten Jahren enorm populär geworden sind im Videospiel-Bereich. Die Hersteller können durch diese Lootboxen zusätzliche Einnahmen generieren. Wer verzichtet schon gerne freiwillig auf zusätzliche Gewinne?

Die Videospiel-Hersteller werden sich dagegen wehren, dass die Lootboxen in die Glücksspiel-Regulierung aufgenommen werden. Noch ist nichts endgültig entschieden und nur weil das House of Lords gute Argumente präsentiert, bedeutet das noch lange nicht, dass am Ende dann auch eine entsprechende gesetzliche Änderung stattfindet. Aber es lässt sich beobachten, dass die aktuelle Regierung in Großbritannien grundsätzlich gewillt ist, eine strengere Glücksspiel-Regulierung zu verabschieden. Deswegen gibt es eine realistische Chance, dass auch die Lootboxen in Zukunft anders betrachtet werden als bisher. Für die Videospiel-Fans kann es nur gut sein, wenn die Videospiel-Hersteller dazu gezwungen werden, etwas ehrlicher und fairer mit den Kunden umzugehen. Vielleicht würde eine strenge Regulierung auch schlicht und ergreifend dazu führen, dass viele Lootboxen aus den Spielen verschwinden würden. Die meisten Videospiel-Fans mögen die Lootboxen ohnehin nicht, sehen sich aber oft dazu genötigt, die Lootboxen zu nutzen, um im Spiel voranzukommen. Besonders heikel sind Lootboxen, die der Spieler nutzen muss, um überhaupt eine Chance zu haben, das Spielziel zu erreichen. Erstaunlicherweise sind die Lootboxen bislang in den meisten europäischen Ländern weder verboten noch als Glücksspiel klassifiziert. Aber wenn Großbritannien vorangeht und gute Erfahrungen mit einer neuen Regulierung machen sollte, könnte es gut sein, dass andere Länder nachziehen. Auch die deutschen Videospiel-Fans hätten sicher nichts dagegen, wenn die Lootboxen besser als bisher reguliert würden.

Nicht alle Vorschläge des House of Lords sinnvoll

Das House of Lords Gambling Committee hat einen großen Bericht vorgelegt zum Glücksspiel, in dem einige gute und einige weniger gute Vorschläge zu finden sind. Eine nicht so gute Idee scheint es zu sein, sämtliche Verkäufe in Videospielen als Glücksspiele zu betrachten. Es gibt viele Spiele, in dem es möglich ist, Erweiterungen im Spiel zu erwerben, bei denen der Spieler vorher ganz genau weiß, was der Gegenwert des Kaufs ist. Es gibt durchaus Kritiker dieser Praktik, aber es wäre etwas verfehlt, von einem Glücksspiel zu sprechen, wenn ein Spieler ein Produkt erwirbt. Allerdings könnte es eine gute Idee sein, diese Kaufangebote in Videospielen besser zu regulieren als bisher. Früher wurden zum Beispiel Erweiterungspacks für Spiele als zusätzliche Produkte verkauft, aber nicht direkt im Spiel. Viele Experten kritisieren, dass durch die Angebote in den Spielen der Eindruck erweckt wird, dass das volle Spielerlebnis nur durch einen zusätzlichen Kauf erreichbar wäre. Da es sehr viele junge Videospiel-Fans gibt, wäre es an dieser Stelle vielleicht sinnvoll, die Regeln etwas zu verändern oder die Verkäufe in Spielen komplett abzuschaffen. Aber auch an dieser Stelle würde sich die Videospiel-Industrie wahrscheinlich mit Händen und Füßen wehren.

Anders als bei Online Casinos gibt es bei den Videospielen nicht das Problem, dass Kunden abwandern würden, wenn plötzlich keine Lootboxen mehr in den Spielen verfügbar wären. Wenn zum Beispiel ein Videospiel-Fan gerne eine bestimmte Fußball-Simulation spielt, wird er dieses Spiel nicht aufgeben, nur weil plötzlich keine Lootboxen mehr angeboten werden. In Online Casinos ist die Situation ein bisschen anders. Wenn die Spiele durch eine Regulierung nicht mehr so attraktiv sind wie vorher, kann es gut sein, dass der Spieler sich ein anderes Casino außerhalb der Regulierung sucht, in dem die Attraktivität höher ist. Die Regulierung von Glücksspielen sollte immer mit viel Augenmaß gemacht werden. Aber gerade bei den Lootboxen wäre es sehr leicht, die Situation für die Kunden deutlich zu verbessern. Wir sind gespannt, ob die britische Regierung sich dazu durchringen wird, die Lootboxen als Glücksspiele zu definieren. Auch ein komplettes Verbot der Lootboxen scheint nicht völlig ausgeschlossen zu sein. Für die Videospiel-Fans in Großbritannien könnte sich in Zukunft somit einiges ändern, genauso wie für die Videospiel-Hersteller.