Erst vor wenigen Wochen hatte der spanische Gesetzgeber angekündigt, für den Spitzensport auf der Iberischen Halbinsel ein Verbot von Werbung für Glücksspiel zu verhängen. Dies betrifft in erster Linie natürlich die Fußball-Ligen in Spanien, für die diese Entscheidung ausgesprochen bitter ist. Schließlich sind die meisten Vereine und Clubs auf die Werbeeinnahmen aus der Sportwetten- und Glücksspiel-Branche angewiesen. Den Briten droht nun ein ähnliches Schicksal. Auch die Regierung Großbritanniens will ein solches Verbot auf den Weg bringen – und zwar schon ziemlich bald. Dabei sind in der Premier League mehr als die Hälfte der Trikots mit Sponsorenwerbung von Sportwetten-Anbietern geziert - bei manchen Clubs nur als Ärmel-, bei anderen als Hauptsponsor auf Brust und Rücken.  

Viele Fragen bleiben offen

UK Gambling CommissionInsgesamt kassieren die Clubs der britischen Premier League knapp 70 Millionen Pfund durch die Werbung auf ihren Trikots. Umgerechnet ist das ein Betrag von 76,8 Millionen Euro. Aber nicht nur die Top-Vereine verdienen gutes Geld mit der Werbung für Sportwetten und Online Casinos, sondern auch in den unteren Ligen wird von der Wett-Branche ganz ordentlich profitiert. Hier sprechen wir von 40 Millionen Pfund – umgerechnet rund 43 Millionen Euro – die die diversen Unternehmen an die zweite, dritte und vierte Liga ausschütten. Und jetzt das! Hintergrund ist die Tatsache, dass die britische Regierung derzeit mit einer umfassenden Überprüfung des aktuellen Glücksspielgesetzes beschäftigt ist. Eingeleitet wurde diese Überprüfung vom Ministerium für Digitales, Kultur, Medien und Sport (DCMS). Ganz oben auf der Liste steht der Vorschlag, das Sportsponsoring durch Glücksspiel-Unternehmer einzudämmen, wenn nicht sogar zu verbieten. Das beinhaltet auch die Werbung auf den Trikots. Am stärksten könnte möglicherweise die English Football League (EFL) betroffen sein. Sie überwacht die drei Profi-Ligen, die direkt unter den beiden höchsten Spielklassen stehen. Und dabei hatte die EFL erst im Oktober eine Erklärung veröffentlicht, aus der hervorgeht, wie wichtig gerade die Einnahmen aus den Bereichen Sportwetten und Glücksspiel sind. Sie sind insbesondere in diesem Jahr wichtiger als jemals zuvor, und für manche Clubs sogar überlebenswichtig geworden, da aufgrund der anhaltenden weltweiten Gesundheitskrise zahlreiche bedeutende nationale wie internationale Sport Events ausgefallen sind. Auch wenn mittlerweile wieder sportliche Wettkämpfe stattfinden dürfen, sind Zuschauer nach wie vor nicht zugelassen. Und ein Ende ist derzeit noch nicht abgesehen.
Das heißt: Woche für Woche gehen die hohen Einnahmen durch den Ticketverkauf verloren. Einem Bericht des renommierten „Guardian“ zufolge, beinhalten die anderen Bereiche, die dem Ministerium zur Überprüfung vorliegen, auch „... Beschränkungen für Online Einsätze, Preise und Spin-Geschwindigkeiten“. On Top steht auch noch eine zusätzliche Abgabe im Raum, die der Finanzierung von Suchtbehandlung dienen soll. Über einen Zeitrahmen, in dem diese Überprüfung durchgeführt und abgeschlossen sein könnte, gibt es aktuell keine Auskünfte. Unbeantwortet bleiben auch Fragen danach, wann ein solches neues Gesetz in Kraft treten würde.  

Will Boris Johnson liberale Gesetze der Blair-Ära kippen?

Weite Teile des Gambling Act 2005, der noch in der Blair-Ära initiiert wurde, könnten nun rückgängig gemacht werden. Boris Johnson scheint großes Interesse daran zu haben, die Gesetzgebung der Blair-Ära, die u.a. die moderne britische Glücksspielindustrie hervorgebracht hat, zurückzurufen. Ihm schließt sich eine Reihe von Hardlinern an, die für Großbritannien eine strengere Regulierung fordern. Sie sind besorgt über die wachsende Rolle des Glücksspiels in der Gesellschaft und treten neben den limitierten Online-Einsätzen, Preisen und Spiel-Geschwindigkeiten sowie einem grundsätzlichen Verbot für Sportsponsoring noch für andere Änderungen ein. Darunter fällt auch die Idee einer Art „Test-Kommission“ für neue Produkte und deren Hersteller. Bisher unterstützen mehr als 50 Abgeordnete dieses breite Spektrum einer strengeren Regulierung, das von Insidern als „Reformer’s Shopping List“ bezeichnet wird. Ein wichtiger Bereich, der im Fokus des prüfenden Ministeriums steht, ist die Regulierung von Online Casinos und elektronischen Spielautomaten. Derzeit können Spieler noch online zocken, obwohl sich einige Online Games, wie beispielsweise Roulette, nicht von denen unterscheiden, die auf Wettterminals mit festen Quoten zur Verfügung standen. Hier wurde bereits der Maximal-Einsatz von 100,- britischen Pfund auf 2,- britische Pfund gesenkt. Hinzu kommt, dass zukünftig auch noch Preise eingeschränkt und die Spielgeschwindigkeit begrenzt werden könnten. Die Prüfungskommission wird sich auch damit beschäftigen, ob Glücksspiel Unternehmen gezwungen werden sollten, die monatlichen Verluste ihrer Nutzer zu begrenzen und strengere Liquiditäts-Kontrollen durchzuführen. Dies soll sicherstellen, dass die User auch wirklich im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten spielen. Und natürlich wird auch die Verpflichtung einer „Single Customer View“-Richtlinie diskutiert werden, bei der verschiedene Unternehmen Informationen über potenziell gefährdete Spieler bündeln. Außerdem im Fokus stehen die sogenannten „White Label“-Operationen, bei denen ausländische Unternehmen über eine lokale Firma Zugang zum britischen Markt erhalten können. Der Betting and Gaming Council (BGC), der Verband der britischen Glücksspielbranche, fürchtet, dass weitgehende Verschärfungen und Vorschriften zu „parallelen Marktwetten“ führen könnten. Ein BGC-Sprecher sagt: „Es ist wichtig, dass die Überprüfung evidenzbasiert ist und das richtige Gleichgewicht zwischen dem Schutz der schutzbedürftigen Person herstellt, ohne die Freude der geschätzt 30 Millionen Menschen zu beeinträchtigen, die mindestens einmal pro Monat eine Wette abgeben – die überwiegende Mehrheit von denen tut dies vollkommen sicher – und treiben sie in die Arme des unregulierten Online Schwarzmarkts“: