Gibt es demnächst Sportwetten bei Google Play? Der Google-Store ist jedem Android-Nutzer bekannt, denn die Apps für Smartphones und Tablets mit Android-Betriebssystem werden über Google Play vertrieben. Nun hat Google mit einer spannenden Personalie für Aufsehen gesorgt. Ein erfahrener Sportwetten-Spezialist soll Google Play für Sportwetten-Apps vorbereiten. Sportwetten und Glücksspiele sind ein heikles Thema für Anbieter wie Google. Deswegen ist es in der Vergangenheit nicht immer einfach gewesen, Apps mit diesen Themen im Google-Store unterzubringen. Vor allem in den USA war es bislang kaum möglich, Glücksspiel-Apps in irgendeiner Form über Google Play zu vertreiben. Doch das soll sich nun ändern. Google reagiert auf die Öffnung des Sportwetten-Marktes mit einer eigenen Abteilung für das Echtgeld-Glücksspiel. Niall MacKenzie, der in den letzten Jahren für die Glücksspielwerbung im Google-Konzern zuständig war, ist damit beauftragt worden, die Voraussetzungen für den Einstieg in das Sportwetten-Geschäft in den USA zu schaffen.

Sportwetten mit Echtgeld bei Google Play?

Google PlayWas ist damit genau gemeint? In Zukunft möchte Google Sportwettenanbietern die Möglichkeit geben, ihre Apps über Google Play zu vermarkten. Die sogenannten RMG-Apps (Real Money Gaming) müssen aber speziell in den USA mit zahlreichen gesetzlichen Vorgaben in Einklang gebracht werden. Dass das nicht einfach ist, wird daran deutlich, dass Google einen Zeitraum von zwölf Monaten angesetzt hat, um den Einstieg in das Geschäft mit Echtgeld-Glücksspiel vorzubereiten. Wenn von Glücksspiel die Rede ist, dann ist an dieser Stelle wahrscheinlich zunächst einmal nur das Sportwetten-Geschäft gemeint. Im Englischen geht es immer um „Gambling“, also das Spiel mit echtem Geld. Es ist davon auszugehen, dass Google irgendwann auch Casino-Apps in den USA zulassen wird, wenn die Sportwetten-Apps gut funktionieren. Für die zahlreichen Sportwettenanbieter in den USA ist es eine gute Nachricht, dass Google sich für dieses Marktsegment öffnet.

Für Google könnte das Sportwetten-Geschäft eine lukrative Sache werden. Auch mit Online Casinos lässt sich im Google-Store wahrscheinlich viel Geld verdienen. Das setzt allerdings voraus, dass Sportwetten und Glücksspiele im Internet in den USA in den nächsten Jahren eine richtig große Sache werden. Die Chancen stehen gut, denn viele Bundesstaaten haben mittlerweile die rechtlichen Rahmenbedingungen so angepasst, dass ähnlich wie in Deutschland Buchmacher und Casinos im Internet aktiv werden können. Es wird spannend sein zu sehen, in welcher Form Google mitverdienen möchte. Normalerweise kassiert Google von kostenpflichtigen Apps einen prozentualen Anteil des Kaufpreises. Aber das wäre vermutlich bei Sportwetten und Casino-Spielen keine lukrative Sache, da die Apps in der Regel kostenlos sind. Vielleicht schafft es Google tatsächlich, die Buchmachern Casino-Betreiber davon zu überzeugen, einen Teil der Gewinne abzuliefern. Das setzt allerdings voraus, dass die Sportwetten- und Casino-Apps, die demnächst wahrscheinlich bei Google Play verfügbar sein werden, attraktive Umsätze produzieren. Doch ganz so sicher, wie dies im ersten Moment scheint, ist das gar nicht. In den letzten Jahren hat sich das Sportwetten-Geschäft im Internet zumindest in Europa erheblich verändert. Speziell bei den mobilen Angeboten gibt es einen eindeutigen Trend weg von den nativen Apps.

Responsive Webseiten besser als Apps bei Google Play?

Die meisten Buchmacher-Kunden, die ein Smartphone oder ein Tablet nutzen, um ihre Sportwetten zu platzieren, installieren keine App. Wie kann das sein? Ganz einfach: Die Browsertechnologie ist mittlerweile so fortgeschritten, dass es problemlos möglich ist, auch ein riesiges Sportwetten-Portfolio direkt im mobilen Browser zur Verfügung zu stellen. Moderne Webseiten sind responsiv, das heißt sie passen sich automatisch an das jeweilige Endgerät an. Das ist für Buchmacher sehr hilfreich, denn dadurch ist es nicht nötig, eine aufwendige Sportwetten-App zu warten. Stattdessen reicht es aus, eine Webseite mit Daten zu füllen. Die Daten werden dann auf allen Endgeräten für die Sportwetten genutzt. Vielleicht ist Google ein bisschen spät zur Party gekommen. Allerdings kann es durchaus sein, dass sich die mobilen Sportwetten in den USA anders entwickeln werden als in Europa. Vielleicht werden viele Buchmacher in den USA ganz gezielt native Apps einsetzen, um den verwöhnten amerikanischen Internetnutzern den Einstieg zu erleichtern. Aber aus Sicht der Buchmacher und Casino-Betreiber kann es eigentlich keine bessere Lösung geben, als eine eigene Webseite zu betreiben, die auch auf Smartphones und Tablets optimal funktioniert. Warum ist das die beste Lösung? Ganz unabhängig davon, welches Geschäftsmodell Google am Ende etablieren wird: Klar ist, dass Google auf jeden Fall mitverdienen möchte.

Bei allen Sportwetten und Casino-Spielen, die über die eigene Webseite der Anbieter vermarktet werden, gibt es keinen Zwischenhändler, der ein paar Prozente abkassieren möchte. Das ist der Hauptgrund dafür, dass es einige Analysten gibt, die es durchaus skeptisch sehen, dass Google viel Aufwand betreibt, um Sportwetten und Casino-Spiele im Google-Store zu ermöglichen. Nicht jedes neue Projekt, das Google mit viel Energie und Geld vorantreibt, wird am Ende zu einem Erfolg. Man denke nur an Google Plus! Zudem gibt es Skeptiker, die davon ausgehen, dass es deutlich mehr als zwölf Monate dauern wird, die nötigen Voraussetzungen für den US-Markt zu schaffen. In Großbritannien hat Google bereits vor einer Weile Echtgeld-Apps aus dem Glücksspielbereich zugelassen. Allerdings hat es von der ersten Idee bis zur Aufnahme der ersten App in Großbritannien etwa fünf Jahre gedauert. Der große Unterschied: Großbritannien hatte damals schon einen komplett regulierten Markt für Online-Glücksspiele. Abgesehen von wenigen Bundesstaaten wie New Jersey gilt das für die USA noch nicht. Je komplexer die juristischen Voraussetzungen sind, desto schwieriger ist es, eine solide Lösung für Google Play zu schaffen. Wenn Google auch in den USA fünf Jahre brauchen wollte, bis die ersten RMG-Apps verfügbar sind, hat sich das Thema wahrscheinlich längst erledigt. Aber vielleicht hat Google dieses Mal auch Glück. Im Idealfall wäre es so, dass die meisten Buchmacher und Glücksspielanbieter, die gerade in den USA den Markt erobern, demnächst ihre Apps bei Google anbieten. Google könnte dann, ein entsprechendes Geschäftsmodell vorausgesetzt, bei allen Glücksspielaktivitäten mitverdienen.

Für jeden Bundesstaat eine eigene App?

Ein grundsätzliches Problem in den USA könnten die großen Unterschiede zwischen den Bundesstaaten bei der Glücksspiel-Regulierung werden. Es geht dabei nicht um die Frage, ob Online-Glücksspiel zugelassen ist oder nicht. Schon jetzt wird sichtbar, dass sich die Regulierung von Bundesstaat zu Bundesstaat zum Teil erheblich unterscheiden wird. Das würde auch bedeuten, dass jede App individuell angepasst werden müsste. Dieses grundsätzliche Problem hat Google bei der aktuellen Ankündigung nicht thematisiert. Aber es ist völlig offensichtlich, dass es nicht möglich sein wird, einfach eine App zu installieren, die dann in allen Bundesstaaten die gleichen Inhalte präsentieren wird. Zudem wird es auf absehbare Zeit Bundesstaaten geben, die das Online-Glücksspiel in keiner Form zulassen. Wird die App dann inaktiv, wenn der Kunde die Staatsgrenze überschreitet? Es gibt viele ungeklärte Fragen, mit denen sich Google beschäftigen muss, um die RMG-Apps für Sportwetten und Glücksspiele rechtlicher umzusetzen. Wahrscheinlich lauern jetzt schon viele Anwälte auf mögliche Ansatzpunkte für Klagen. Google hat zwar die nötigen finanziellen Ressourcen, um auch große Klagewellen abzuwehren. Aber das Ziel sollte es trotzdem sein, möglichst von Anfang an eine nicht anfechtbare Lösung zu haben, die dann vielleicht auch noch attraktiv und funktional ist. Ob das gelingen wird, steht im Moment noch in den Sternen.

Unterschiedliche Apps auch demnächst in Deutschland?

Aufmerksame Beobachter des deutschen Glücksspielmarktes werden vor allem beim letzten Absatz die Parallelen zur geplanten deutschen Glücksspiel-Regulierung bereits erkannt haben. In Deutschland regulieren die Bundesländer das Glücksspiel. Der neue Glücksspielstaatsvertrag ist ausgehandelt, muss aber noch von den Bundesländern ratifiziert werden. Genau 13 Bundesländer müssen mindestens zustimmen, damit der Glücksspielstaatsvertrag ratifiziert wird. Doch was passiert in den Bundesländern, die nicht zustimmen? Diese Bundesländer müssen dann eigene Regelungen schaffen oder vielleicht auch komplette Verbote für das Online-Glücksspiel erlassen. In jedem Fall ist davon auszugehen, dass die Bundesländer, die dem Glücksspielstaatsvertrag nicht zustimmen, andere Regeln haben werden als die Bundesländer, die den Glücksspielstaatsvertrag ratifizieren. Gerade bei den Apps für Sportwetten und Casinos könnte es dann sehr lustig werden, denn eventuell müssen die Apps dann abgeschaltet bzw. deaktiviert werden, wenn die Landesgrenze überschritten wird. Ob das wirklich so wäre, oder ob am Ende vielleicht der Wohnsitz des Kunden maßgeblich ist, könnte noch eine spannende Frage für Juristen werden. Es ist völlig unklar, ob alle Bundesländer dem ausgehandelten Kompromiss zustimmen werden. Im Moment ist nicht einmal sicher, ob sich überhaupt 13 Bundesländer finden, die den neuen Glücksspielstaatsvertrag in der geplanten Form haben möchten. In jedem Fall gilt: In den USA und auch in Deutschland bleibt es spannend, nicht nur wenn es um RMG-Apps bei Google Play geht.