Google verfügt über neue Einstellungen. Ab sofort können User des Online Video Portals YouTube Alkohol- und Glücksspiel-Werbung in einen nicht aktivierten Zustand versetzen. Dies gab Google soeben in einem Blog Post bekannt. Zunächst wurde die Einführung dieses neuen Steuerelements für Anzeigen auf YouTube im US-amerikanischen Markt gestartet. Weltweit soll es Anfang 2021 eingeführt werden und zwar für YouTube und Google Ads. Davon sind natürlich die Länder ausgenommen, in denen die Anzeigenschaltung für Alkohol und Glücksspiel ohnehin gesetzlichen Beschränkungen unterliegt.

Die einzelnen Branchen befürworten diese neue Option

Google Online CasinoDiesem Schritt der Deaktivierung ist ein Austausch vorangegangen, den Google mit Vertretern der betroffenen Märkte geführt hat. Ausgesprochen positiv äußerte sich beispielsweise der britische Unternehmer-Verband Betting and Gaming Council (BGC), der bei diesen Gesprächen die Interessen der britischen Glücksspielbranche vertrat. Ein Sprecher des BGC befürwortete diese neue Option und sagte: „Wir haben Google und andere Technologieplattformen zuvor aufgefordert, die Option bereitzustellen, keine Anzeigen für Glücksspiele mehr zu sehen. Wir begrüßen diesen Schritt in die richtige Richtung und hoffen, dass er bald in Großbritannien eingeführt wird.“ Google selbst verwies in seinem Blog Post darauf, dass es sich hierbei um eine Maßnahme handele, bei dem der Konzern auf das Feedback der Nutzer reagiert hätte. Wörtlich heißt es: „Wir haben Rückmeldungen erhalten, dass einige Leute es vorziehen würden, Anzeigen in bestimmten Kategorien wie Alkohol einzuschränken. Daher starten wir heute ein neues Steuerelement in den Anzeigeneinstellungen, mit dem die Nutzer weniger Alkohol-Anzeigen sehen können. Glücksspiel ist eine zusätzliche Option.“ Garantieren, dass diese Funktion Alkohol- und Glücksspielwerbung hundertprozentig herausfiltert, kann Google allerding nicht. Dennoch ist der Internet-Gigant zuversichtlich, „... dass ein Großteil der Anzeigen ausgeschlossen“ werde. Ein weiterer Kooperationspartner von Google ist International Alliance for Responsible Drinking (IARD) - eine erfolgreiche Organisation, die auch Spirituosen-, Wein- und Bierhersteller in ihren Mitglieder-Reihen hat. Henry Ashworth ist der CEO von IARD. Er ließ mitteilen, dass alle Mitglieder der Organisation wild entschlossen sind, „... den Menschen eine bessere Kontrolle darüber zu geben, ob sie Alkohol bezogenes Marketing sehen wollen“. Darüber hinaus betont er, dass es ein gehöriges Maß an Sensibilität fordert, kulturelle Unterschiede zu erkennen sowie persönliche Verlieben zu respektieren und dann entsprechend zu handeln. Henry Ashworth verleiht auch seiner Hoffnung Nachdruck, dass es sich hierbei um den Start einer größeren Bewegung handelt. Der Vorsitzende des IARD, Albert Baladi, der gleichzeitig auch CEO von Beam Suntory ist, ergänzt: „Als verantwortungsbewusster Produzent und als Mitglied von IARD sind wir fest entschlossen, neue und stabile Standards für die Marketing-Verantwortung festzulegen und auch zu liefern. Diese bedeutende neue Funktion ist eine  entscheidende Entwicklung für alle und wird Auswirkungen auf Menschen in der ganzen Welt haben, da sie auf Plattform Google eingeführt wird.“
In der Google-Mitteilung steht weiterhin geschrieben, dass aktuell noch nicht klar sei, wie sich dieser Schritt auswirken wird. Immerhin müssen die User erstmal darüber informiert werden, dass es grundsätzlich möglich ist, diese Funktionen zu aktivieren. Die dafür notwendigen Einstellungen müssen allerdings proaktiv vorgenommen werden. Alles in allem sei dies aber ein guter und wichtiger Schritt sowohl für die User, als auch für die Glücksspiel- und die Alkoholbranche.

Einstellung kann jederzeit rückgängig gemacht werden

In der jüngeren Vergangenheit hatte es häufiger Ärger wegen Glücksspiel- oder Alkohol-Anzeigen auf Google gegeben. Gegen Google Ireland Limited wurde beispielsweise von der italienischen Aufsichtsbehörde für das Kommunikationswesen (AGCOM) eine Geldstrafe verhängt, da der Internet-Konzern gegen das Werbeverbot für Online Glücksspiele verstoßen haben soll, das Italien gilt. Dieser Verstoß erfolgte über Google Ads, indem ein direkter Link zur Registrierung bei einem französischen Online Casino Anbieter führte, der für Italien keine Lizenz besitzt. Zwar ist es Google grundsätzlich erlaubt, als Suchmaschine auch Online Casinos zu hosten, allerdings nicht die Auflistung im Google Ads-Bereich. Da sich der Konzern dessen zweifellos bewusst gewesen soll, wurde diese Strafe verhängt. Wie hoch sie war, ist nicht bekannt. Unterschiedliche Quellen sprechen jedoch von 100.000,- Euro.

Für Google hatte die Erstellung von Tools, die Kontrolle und Transparenz bieten, von jeher eine hohe Priorität. Im Laufe der Jahre ermöglichte der Konzern den Usern mittels sogenannter Nutzerkontrollen, ihre Anzeigen selbst zu verwalten. Dafür wurden Informationen zu einzelnen Anzeigen geschaltet, in denen der Hintergrund dieser Anzeigenschaltung erläutert wird. Hinzu kamen Anzeigen-Einstellungen, mit denen User die Anzeigen-Personalisierung steuern, beziehungsweise deaktivieren können. Auch die selbsterklärende Funktion „Diese Anzeige stumm schalten“ existiert schon lange bei Google. Mit dieser neuen Einstellung wurde nun ein weiterer Schritt hinsichtlich Kundenfreundlichkeit unternommen. Indem der User die Anzeigen-Auswahl in den eigenen Händen hat, kann er auch steuern, ob er nun Werbung für Alkohol und Glücksspiel erhalten möchte, oder nicht. Die Entscheidung dafür oder dagegen ist nicht in Stein gemeißelt, da man sie jederzeit wieder rückgängig machen kann.

Das neue Steuerelement wird nun Schritt für Schritt in den Anzeigeneinstellungen eingeführt. Es beginnt mit den YouTube Anzeigen in den USA.