Für die Universität des Saarlandes ging es nochmal gut aus. Die illegale Glücksspielwerbung auf ihrer Homepage wird keine rechtlichen Folgen nach sich ziehen. Das haben soeben die Staatskanzlei, die als Rechtsaufsicht für die Saar-Uni zuständig ist und die Landesmedienanstalt, die als Aufsichtsbehörde verantwortlich zeichnet, über die Pressestelle der Universität mitteilen lassen. Nach Angaben der beiden Behörden hat die Universität mittlerweile glaubhaft dargestellt, wie sie solche Verstöße gegen das Gesetz zukünftig vermeiden wird. Im Text der Landesmedienanstalt heißt es wörtlich: „Weitere Sanktionen bedurfte es mit Blick auf die Erstmaligkeit des Vorganges, die Anerkennung des Verstoßes und die Schritte zur Eindämmung einer Wiederholungsgefahr nicht“. Gegenüber den Aufsichtsbehörden hatte die Uni des Saarlandes eingeräumt, dass sie in der Zeit von Mai 2016 bis Februar 2020 illegal auf der Ratgeberseite für Studierende ihrer Website für ein Online Casino geworben hat. In diesem Bereich hatte die Universität mit einer externen Vermarktungsagentur kooperiert und ca. 120.000,- Euro für diese Werbung erhalten. Darüber hinaus räumt die Uni ein, dass es ihrerseits zu einer „... lückenhafte Qualitätskontrolle der Texte“ gekommen sei. Inzwischen hätte man die Zusammenarbeit mit der externen Vermarktungsagentur beendet.

Universität des Saarlandes generierte Einnahmen durch Glücksspielwerbung

Casino WerbungAuf ihrer offiziellen Internetseite hatte die Universität des Saarlandes für ein in Deutschland illegales Online Casino und auch für andere fragwürdige Websites geworben und dafür 6-stellige Beträge kassiert. Der sogenannte „Uni Ratgeber“, der ursprünglich als Infoseite für Studenten konzipiert war, lockte die Nutzer zu dubiosen Kredit Angeboten, Bitcoin Spekulationen, Sportwetten und Glücksspielseiten. Dieses Angebot umfasste insgesamt 118 Medienberichte eines externen Kooperationspartners, bei denen es sich in erster Linie um Texte handelte, die suchmaschinenoptimiert waren und größtenteils über Inhalte verfügten, die im Zusammenhang mit einer staatlichen Universität als äußerst bedenklich eingestuft werden mussten. Nachdem „Bento“, das Jugendmagazin des renommierten „Spiegel“ im Februar dieses Jahres bei Recherchen auf diesen Uni Ratgeber stieß und die Ergebnisse veröffentlicht hatte, bestätigte die Saar Uni die Richtigkeit des Berichts, und der gesamte Vorgang landete bei der Staatskanzlei sowie der Landesmedienanstalt zur Prüfung. Der Ratgeber wurde daraufhin sofort komplett von der Website entfernt. Eine Sprecherin der Universität des Saarlandes drückte im Auftrag der gesamten Uni ihr Bedauern über die Glücksspielwerbung auf der hauseigenen Internetseite aus. In diesem Zusammenhang betonte sie, dass es von Seiten der Universität zu einer „... lückenhaften Qualitätskontrolle bei der Zusammenarbeit mit einem externen Werbepartner“ gekommen sei und wies darauf hin, dass diese „... Werbeangebote nicht über die Navigation auf den für Studierende relevanten Seiten angeklickt wurden, sondern nur über sehr spezifische Suchbegriffe auffindbar waren“. Nach eigener Auskunft nutzte die Uni Saar sowohl konventionelle, als auch Online Werbung „in moderatem Umfang“ für die Generierung zusätzlicher Einnahmen, wie beispielsweise bei Veranstaltungen. Auch Anfragen von Firmen, die Interesse an einer Kooperation mit den Studenten der Uni hatten, wurden im „Uni Ratgeber“ kommuniziert. Mehr als zehn Jahre hatte die Universität an diesem Punkt mit einer externen Agentur zusammengearbeitet und vertraglich explizit ausgeschlossen, dass auf ihrer Website Werbung für Glücksspiel, politische Parteien, Tabak, Alkohol sowie Inhalte mit sexistischem, rassistischem und religiösem Hintergrund stattfindet. Die damaligen Angaben über die Einnahmen aus der Online Werbung bewegten sich „... im mittleren 5-stelligen Bereich“ und wurden für Projekte des Studienmarketings und für zusätzliches Personal eingesetzt. Inzwischen ist klar, dass sich die Universität bei diesen Angaben „vertan“ hatte, denn die Einnahmen waren deutlich höher, wie bereits eingangs erwähnt.

Die Kuh ist vom Eis

„Der gesamte Vorgang erzeugt bei mir Kopfschütteln", ließ Jürgen Renner wissen. Er ist Abgeordneter der SPD Fraktion im saarländischen Landtag. „Werbung der Universität des Saarlandes für Zockerbuden im Netz widerspricht jeglichen Bemühungen der Landesregierung zur Prävention und Früherkennung von Spielsucht." Er wandte sich an den Wissenschaftsausschuss mit der Frage, ob denn derartige Werbepraktiken gesetzlich überhaupt zugelassen sind und ob es zu rechtlichen Konsequenzen für die Uni Saar kommen könnte. „Im Zweifelsfall braucht es hier eine Klarstellung im saarländischen Hochschulgesetz, um dies zu unterbinden", so Renner weiter. Die CDU blies in das gleiche Horn. Deren Landtagsabgeordnete Jutta Schmidt-Lang verkündete, dass der Jugendschutz gerade auf einer Seite wie dem „Uni Ratgeber“ absolute Priorität haben. „Im Bereich Glücksspiel sind Verlockung und Suchtpotential besonders groß, illegale Werbung dafür in vielen Bereichen ein großes Problem.“ Sie forderte schnelle Klarheit an diesem Punkt. Die Staatskanzlei, die für die Wissenschaft zuständig zeichnet, ließ daraufhin durch einen Sprecher mitteilen, dass man „... die Vorgänge sehr ernst“ nehme, auch wenn die Gestaltung der einzelnen Webseiten ausschließlich in der Verantwortung der Universität liege. „Sollte es allerdings tatsächlich zu Rechtsverstößen, insbesondere aufgrund von illegaler Glücksspielwerbung gekommen sein, werden wir die erforderlichen Maßnahmen im Rahmen unserer Rechtsaufsicht vornehmen", so der Sprecher weiter. Er bestätigte, dass die Universität „... ausführliche Informationen über die Hintergründe" zugesagt hätte. Nach monatelangem Ringen ist die Kuh nun endlich vom Eis und die Universität des Saarlandes kann endlich wieder aufatmen.