Ein wichtiger Glücksspielverband in Schweden beklagt, dass die neue Regulierung des Online-Glücksspiels für Chaos sorge. In den letzten Monaten hat die schwedische Regierung die Glücksspiel-Regulierung deutlich verschärft. Die Leidtragenden sind nicht nur die Betreiber der Online Casinos, sondern vor allem auch die zahlreichen schwedischen Casino-Kunden.

Glücksspielverband beklagt unklare Regulierung

Casino SchwedenDer Branschföreningen för Onlinespel (BOS) ist der größte schwedische Glücksspielverband für Online-Anbieter. Der junge Verband hat sich zu Wort gemeldet in der Diskussion um die neue schwedische Glücksspiel-Regulierung. In den letzten Monaten sind die Regeln für Online Casinos deutlich verschärft worden. Laut BOS ist die neue Regulierung allerdings nicht durchdacht umgesetzt worden, sodass ein großes Chaos entstanden sei. Bei den neuen Regeln handelt es sich um Übergangsregeln, die vorerst nur bis zum Ende des Jahres gelten sollen. Eine der wichtigsten Regeln ist das neue wöchentliche Einzahlungslimit in Höhe von 5.000 Kronen. Das ist ein Betrag, der umgerechnet deutlich unter 500 Euro liegt. Seit dem 2. Juli dürfen schwedische Online Casinos keine höheren Einzahlungen mehr zulassen. An diesem neuen Limit lässt sich exemplarisch zeigen, dass die neuen Regeln nicht optimal umgesetzt worden sind. Anfänglich ging es darum, alle Glücksspielanbieter im Netz mit diesem Limit zu beschränken. Doch kurz vor der Einführung des Limits hat sich die schwedische Regierung dann dazu entschieden, nur die Online Casinos mit dem neuen Einzahlungslimit auszustatten. Allerdings ist dieser Meinungsumschwung nicht optimal kommuniziert worden, sodass zeitweise auch Sportwettenanbieter das Limit umgesetzt haben. Für die zahlreichen Glücksspielanbieter mit schwedischer Lizenz war es zudem eine große Herausforderung, innerhalb weniger Wochen ein neues Einzahlungslimit technisch umzusetzen. Zudem beklagt nicht nur der BOS, dass es überhaupt keine Diskussion mit den Glücksspielanbietern über die neue Regulierung gegeben habe.

Viele Glücksspielexperten kritisieren die neuen Regeln für Online Casinos. Die Kritik bezieht sich vor allem darauf, dass es keine wissenschaftliche Basis für die neuen Einschränkungen gebe. Es ist völlig unklar, warum das Einzahlungslimit bei 5.000 Kronen pro Woche angesetzt worden ist. Warum genau diese Summe optimal sein soll für besseren Spielerschutz, erschließt sich auch dem Branschföreningen för Onlinespel nicht. Der schwedische Glücksspielverband kritisiert, dass die neue Regulierung nicht auf der Basis von Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen erfolgt sei, sondern lediglich auf der Basis von Ideologie und Bauchgefühl. Es ist schwer für die Glücksspielbranche, mit Argumenten aus diesen Kategorien umzugehen, denn nüchterne Fakten helfen als Gegenargumente nicht. Die Glücksspielbranche hat aber auch in Schweden keine andere Möglichkeit, als sich mit den bestehenden Gesetzen und Verordnungen sowie den aktuellen Vorgaben der Regierung auseinanderzusetzen. Allerdings bezweifelt der BOS, dass der Spielerschutz durch die neue Regulierung verbessert worden ist. Vielmehr gibt es ernsthafte Befürchtungen bei vielen Glücksspielexperten, dass die strengere Regulierung zwar auf dem Papier gut aussieht, in der Praxis aber dazu führt, dass viele Glücksspiel-Fans in Online Casinos wechseln, die sich nicht an die schwedische Regulierung halten. Das ist ein grundsätzliches Problem bei jeder Regulierung von Online-Glücksspielen. In Schweden lässt sich sehr gut sehen, wie eine schlecht durchdachte Regulierung dazu führt, dass viele Glücksspiel-Fans abwandern. Für den Spielerschutz ist das fatal.

Schlecht umgesetzte Regulierung nervt Casino-Betreiber

Unabhängig davon, wie die neue schwedische Regulierung für Online Casinos bewertet wird, lässt sich doch feststellen, dass die Umsetzung amateurhaft gewesen ist. Mittlerweile haben sich auch einige Rechtsanwälte, die Online Casinos vertreten, zu Wort gemeldet. Nach Auffassung dieser Rechtsanwälte sind schon die Formulierungen der neuen Verordnungen nicht auf einem hohen Niveau. Deswegen bleibt viel Raum für Interpretationen. Genau das sollte aber nicht passieren, wenn es um die Regulierung von Glücksspiel geht. Wenn die Regeln unklar sind, haben die Glücksspielanbieter das Problem, dass sie nicht ganz genau wissen, was sie wirklich machen müssen. Die Schwierigkeit, die dadurch entsteht, ist offensichtlich: Wenn die Glücksspielanbieter die für sie günstigste Interpretation nutzen, kann es später zu rechtlichen und finanziellen Schwierigkeiten kommen, wenn die Gerichte anders entscheiden. Halten sich die Glücksspielanbieter hingegen an die ungünstigste Interpretation, entsteht eventuell ein Nachteil im Vergleich zu anderen Anbietern, die sich für die optimistische Interpretation entschieden haben. Genau so etwas sollte auf keinen Fall passieren, nicht nur wenn es um Glücksspiele geht. Klare und faire Regeln sind enorm wichtig, wenn es um Unternehmen in einer Marktwirtschaft geht. Doch aus irgendeinem Grund ist man in der schwedischen Regierung zu der Überzeugung gekommen, dass es wichtig sei, die Online Casinos möglichst hart anzupacken in der Krise. Dass dabei handwerkliche Fehler gemacht worden sind, ist nicht nur ein bisschen peinlich.

Schon im letzten Jahr hat es verschiedene Situationen gegeben, in denen die Glücksspielanbieter in Schwierigkeiten geraten sind, weil die Regulierung unklar war. Diverse Unternehmen mussten sogar Geldbußen bezahlen, weil aus Sicht der schwedischen Glücksspielbehörde Verstöße stattgefunden haben. Man mag an dieser Stelle der schwedischen Glücksspielbehörde und dem schwedischen Gesetzgeber zugute halten, dass die Regulierung von Online-Glücksspiel völlig neu ist für das skandinavische Land. Aber mittlerweile hat das Land genügend Erfahrung, um eine vernünftige Regulierung umzusetzen. Bis zur aktuellen Gesundheitskrise sah es auch so aus, als ob Schweden ein sinnvolles Modell für die Regulierung von Online Casinos und Online-Buchmacher gefunden hätte. Doch mit der Krise sind die zuständigen Abteilungen in der schwedischen Regierung in einen Panikmodus verfallen. Grundsätzlich ist es nachvollziehbar, dass Schweden in der Krise dafür sorgen wollte, dass nicht plötzlich viele Schweden ihre zusätzliche Freizeit in Online Casinos verbringen. Aber auch bei einer strengen Regulierung ist es wichtig, vernünftig und verhältnismäßig zu arbeiten. Mit einigem Abstand sollten sich Wissenschaftler anschauen, wie die schwedische Reaktion auf die Gesundheitskrise gewirkt hat. Es spricht einiges dafür, dass der Spielerschutz eher schlechter als besser geworden ist. Beispielsweise lässt sich in den Google Trends der letzten Monate ablesen, dass immer mehr schwedischen Glücksspiel-Fans ganz gezielt nach Anbietern ohne schwedische Lizenz suchen. Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass die Regulierung zu streng ausgefallen ist.

Jede neue Regulierung sollte eingehend geprüft werden

Der Branschföreningen för Onlinespel weist in seinem aktuellen Statement darauf hin, dass die Einführung einer neuen Regulierung beim Glücksspiel sehr schnell mehr Schaden als Nutzen bringen kann. Das hat die schwedische Regierung nicht davon abgehalten, die Regeln massiv zu verschärfen. Aber viel sinnvoller wäre es, vor der Einführung von neuen Regeln zu evaluieren, welche Auswirkungen die neuen Regeln haben werden. Bedauerlicherweise hat das in Schweden nicht stattgefunden. Auch in Deutschland und vielen anderen Ländern scheinen Politiker weitgehend beratungsresistent zu sein, wenn es um das Glücksspiel geht. Dabei ist die Sache eigentlich ganz einfach: Es gibt eine riesige Nachfrage nach Glücksspiel. Man mag das beklagen oder begrüßen. Aber an diesem Fakt lässt sich nichts ändern. Diese Erkenntnis ist auch nicht neu und hat in Deutschland unter anderem dazu geführt, dass schon seit Jahrzehnten zahlreiche Spielhallen und Spielbanken verfügbar sind. Ein wichtiges Argument für die Spielhallen und Spielbanken ist seit jeher, dass mit diesen stark kontrollierten Angeboten das Glücksspiel kanalisiert wird. Wenn das Glücksspiel zu stark beschnitten wird, entstehen illegale Angebote, die keiner Kontrolle unterliegen. Das gilt für die Spielhallen und Spielbanken, aber noch in viel stärkerem Maße auch für die Online Casinos. Mit viel Aufwand ist es immerhin möglich, illegale Hinterzimmer-Casinos zu bekämpfen. Aber es ist ungleich schwerer, im Internet Glücksspielanbieter zu bekämpfen, die sich überhaupt nicht innerhalb der EU-Jurisdiktion befinden.

Die Regulierung des Glücksspiels bewegt sich immer im Spannungsfeld zwischen Spielerschutz und Kanalisierung. Ein optimaler Spielerschutz besteht nach Auffassung vieler Glücksspielgegner darin, überhaupt kein Glücksspiel zuzulassen. Das ist aber eine praxisferne Vorstellung, die nicht umsetzbar wäre. Auf der anderen Seite gibt es die Befürworter des Glücksspiels, die ein freizügiges Angebot mit zahlreichen Online Casinos ohne große Regulierung bevorzugen. Das wäre allerdings im Sinne des Spielerschutzes nicht optimal. Es gibt viele kleine und große Maßnahmen zum Spielerschutz, die dazu führen, dass die berüchtigten Problemspieler geschützt werden, ohne dass gleichzeitig das Angebot deutlich unattraktiver wird. Genau das ist die Schwierigkeit bei einer vernünftigen Glücksspiel-Regulierung: Wenn das Angebot zu unattraktiv wird, weichen die Spieler auf die Anbieter ohne Lizenz aus. Im Internet lässt sich das praktisch nicht verhindern. Schweden hat sich diesen einfachen Erkenntnissen bei der aktuellen Regulierung komplett verweigert und zusätzlich auch noch mit handwerklichen Fehlern für Chaos gesorgt. Doch Schadenfreude es an dieser Stelle völlig fehl am Platze, den die deutschen Glücksspiel-Fans werden wahrscheinlich ab Mitte 2021, wenn der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft tritt, eine noch viel heftigere Erfahrung machen. Deutschland hat sich für eine sehr strenge Regulierung entschieden. Viele Experten befürchten, dass mit dieser strengen Regulierung die Kanalisierung des Online-Glücksspiels nicht gelingen wird. Es ist nicht auszuschließen, dass die neue Glücksspiel-Regulierung in Deutschland zu einem großen Chaos führen wird.