Autos, Maschinenbau, Innovationen, Export und Mittelstand. Die sind die wesentlichen Schlagwörter, wenn man an die deutsche Wirtschaft denkt. Made in Germany ist zu einer international anerkannten Wertebezeichnung geworden, und Mittelstand, das ist der Zweig der Industrie, der die deutsche Wirtschaft trägt. Selten macht man sich darüber Gedanken, welche Branchen oder Industrien on top zum Wohlstand beitragen. Vielleicht fallen einem noch Versicherungen oder Dienstleistungen ein, aber Glücksspiel? Nein, darauf kommt man wahrscheinlich eher nicht. Dabei ist diese Branche in einem stetigen Wachstum begriffen und trägt einiges zum Bruttoinlandsprodukt bei. Egal, um welche Form des Glücksspiels es sich auch handelt, der Staat verdient mit und somit wird die Branche zu keinem unerheblichen Wirtschaftsfaktor. Die Zahlen sprechen für sich.

Glücksspiel in Zahlen

Glücksspiel OnlineGlücksspiel ist mannigfaltig. Da gibt es das staatliche Lotto-Toto, es gibt Spielbanken, Casinos und Spielhallen, Sportwetten und Online Casinos. Sie alle tragen in einer unterschiedlichen Gewichtung zur Gesamtbilanz bei. 46,3 Milliarden Euro Umsätze wurden in 2018 durch die Glücksspielbranche generiert, davon flossen 54 Milliarden an den deutschen Staat. Hierbei entfielen auf die klassischen Spielbanken, wie z.B. Spielbank Baden-Baden, Spielbank Dortmund-Hohensyburg oder die Spielbank Wiesbaden 900 Millionen Euro und stellen damit den kleinsten Posten dar. Den größten Umsatz erzielten Geldspielautomaten in Gaststätten und Spielhallen mit einem Umsatz von 29,69 Milliarden Euro. Ganze 7,6 Milliarden Euro kamen durch Lotto und Toto Einnahmen zusammen. Und immer wichtiger werden Online Casinos, die in 2018 immerhin 2 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften konnten. Tendenz steigend. Aber was verdient der Staat eigentlich an einem einzelnen Spiel? Schauen wir uns dies einmal genauer an.

Bei einem Einsatz von 1,- Euro im Lotto gehen 50 Cent an die Gewinner der Lotterie. 23 Cent gehen an das jeweilige Bundesland, in dem gespielt wird. Dieses Geld ist zweckgebunden für Projekte im Umweltschutz, Sport, der Kultur, dem Denkmalschutz und Soziales. 16,67 Cent bis 20 Cent geht an das Bundesland für unbestimmte Zwecke und 12 Cent sind Provision, meist für den Vertrieb, d.h. die örtliche Spielstätte.  Besonders häufig werden sportliche Projekte unterstützt. Für 2019 rechnete der Deutsche Olympische Sportbund z.B. mit einem Ertrag von 11 Millionen Euro, finanziert allein durch Einnahmen der Lotterie Glücksspirale und Sieger-Chance. In Nordrhein-Westfalen (NRW ), dem Land mit den meisten Lotto-Millionären, sind 2018 652,2 Millionen Euro Steuern an das Land abgeführt worden. Rund 28,5 Millionen Euro hat der Landessportbund NRW allein in 2017 erhalten durch die Einnahmen aus dem Glücksspiel. Ein bestimmter Teil dieses Geldes geht außerdem in die Prävention von Glücksspielsucht.

Bei Sportwetten gehen 5 Cent an das hessische Landesministerium, egal in welchem Land die Sportwette getätigt wurde. Dabei ist das Landesministerium aber nur eine Art zentrale Sammelstelle. Abhängig von einem bestimmten Schlüssel wird das Geld dann auf die anderen Bundesländer verteilt. Dabei handelt es sich um mehrere Hundert Millionen Euro. Eigentlich sind Sportwetten eine Monopolbranche, die in Deutschland nur über Oddset abgewickelt werden darf. Aber nichtstaatliche Anbieter wie Mr. Green, Betfair, Betway oder Tipico bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone, da bis dato die Vergabe von Lizenzen nicht eindeutig geklärt ist. Dies soll im nächsten Jahr durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag geschehen.

Bei Spielbanken und Casinos richtet sich die Spielbankabgabe danach, was die Unternehmen jeweils pro Jahr an Gewinn machen:

Bis einschließlich 500.000 Euro sind das (bei einem Euro) 25 Cent 

Ab 500.000 bis zwei Millionen Euro: 30 Cent

Von 2 Millionen bis 3 Millionen Euro: 40 Cent 

Von 3 Millionen bis 10 Millionen Euro: 60 Cent

Bei mehr als 10 Millionen Euro: 80 Cent

15 Cent von jedem Euro gehen außerdem an die Gemeinde, in der gespielt wird.

Dabei zahlen Casinos keine Unternehmenssteuer.

Bei Spielautomaten in Spielhallen und Gaststätten gehen 20 Cent an die Gemeinde in der gespielt wird. Für Spielautomaten müssen Betreiber in Deutschland Vergnügungssteuer zahlen. Häufig, wie etwa in Hamburg, gilt hier: Versteuert wird alles, was nach Abzug des Wettgewinns übrig bleibt.

Online Casinos sind ja eigentlich in Deutschland verboten, mit der Ausnahme von Schleswig-Holstein, das Lizenzen vergeben hatte, mit der Auflage, dass nur Spielerinnen und Spieler mit festen Wohnsitz oder dauerhaftem Aufenthalt in Schleswig-Holstein daran teilnehmen dürfen. So gehen in diesem Fall 20 Cent an das Bundesland. Ansonsten geht der deutsche Staat leer aus. 0,5 Cent gehen an das Land, in welchem das Online Casino registriert ist, oftmals Malta oder Gibraltar. 

Das ist nicht das Ende der Fahnenstange

Dies sind alles sogenannte Primärumsätze durch die Glücksspielindustrie. Aber es gibt ja auch Umsätze, die zwar im Zusammenhang mit dem Glücksspiel stehen, aber nicht direkt dazu gezählt werden können. Dabei macht das Marketing sprich Werbung bzw. Sponsoring bestimmt den Löwenanteil aus. Viele Glücksspielanbieter, insbesondere im Bereich der Sportwetten, treten als Sponsoren von Sportvereinen auf, schalten Bandenwerbung oder auch im verstärkten Maße Fernseh-, Rundfunk- und Social Media-Werbung. Wenn man bedenkt, dass z.B. dass ein 20-Sekunden-Werbespot zur besten Prime-Time Sendezeit je nach Sender zwischen 20.000,- und 30.000,- Euro kostet, dann kann man sich das Volumen ungefähr vorstellen. Oftmals werden auch Prominente als Testimonial eingesetzt, und die arbeiten natürlich auch nicht umsonst. Hohe Werbebudgets lohnen sich aber nur, wenn man auch den entsprechenden Gewinn vermutet.

Also, die Glücksspielbranche hat sich zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor für die Bundesrepublik Deutschland entwickelt, auch wenn man natürlich nicht an die Zahlen der Autoindustrie herankommt. Aber bei den Berechnungen und Statistiken zu vernachlässigen ist dieser Sektor schon lange nicht mehr.