Die Saar-Uni hat sich dafür entschuldigt, dass auf der Webseite der Universität für Online Casinos geworben wurde. Nach einem Bericht des Spiegels hatte die Universität des Saarlandes die Werbung sofort entfernt. Nicht nur nach Ansicht der Spiegel-Journalisten hat Werbung für Online-Glücksspiele nichts auf der Webseite einer Universität verloren.

So ist die Glücksspiel-Werbung auf die Uni-Webseite gekommen

uni saarlandAuf den ersten Blick wirkt es reichliche bizarr, dass auf der Webseite der Saar-Uni zeitweise Werbung für Online-Glücksspiele zu finden war. Warum sollte gerade die Universität des Saarlandes Werbung machen für Online Casinos? Generell lässt sich beobachten, dass die Werbung für Online-Glücksspiele ein sensibles Thema ist. Deswegen ist es umso verwunderlicher, dass auf einer Uni-Webseite in Deutschland plötzlich Werbung für Online Casinos auftaucht. Aber es hat sich herausgestellt, dass die Universität nicht direkt dafür verantwortlich war, dass die Werbung online geschaltet wurde. Vielmehr sei eine Werbefirma verantwortlich, die für den Uni-Ratgeber regelmäßig Texte produziere. Diese Werbefirma habe aus unerfindlichen Gründen auch Werbung für Sportwetten und Glücksspiele in die Texte eingebaut. Inwieweit es eine konkrete Vorgabe seitens der Universität gab, derartige Inhalte zu vermeiden, ist unklar. Aber es scheint auf der Hand zu liegen, dass die Werbefirma davon ausgehen musste, dass die Universität des Saarlandes nicht für Glücksspiele werben möchte.

Erstaunlich ist allerdings, dass die Werbefirma jährlich einen Betrag in fünfstelliger Höhe kassiert, um Texte für den Uni-Ratgeber zu schreiben. Dabei gehe es ausdrücklich um suchmaschinenoptimierte Texte. Der Hintergrund ist ganz einfach: Die Saar-Uni möchte gerne möglichst weit oben in den Suchergebnissen bei Google erscheinen. Deswegen werden Texte produziert, die dafür sorgen, dass die Suchmaschinen entsprechend attraktive Treffer finden. Allerdings ist es doch recht zweifelhaft, ob eine Universität eine Werbefirma beauftragen sollte, die Texte produziert, die für Suchmaschinen optimiert sind. Man würde doch eher vermuten, dass die Universität des Saarlandes an hochwertigen Inhalten interessiert ist. Immerhin ist die Universität kein Unternehmen, das irgendwelche Produkte verkaufen möchte. Wie in dieses Bild suchmaschinenoptimierte Werbetexte passen, sollte vielleicht einmal unabhängig von dem aktuellen Skandal um die Casino-Werbung genauer untersucht werden. Aber vermutlich wird es dazu nicht kommen, denn der Vertrag mit der Werbefirma ist bereits gekündigt worden und damit hat sich das Thema wahrscheinlich für die Verantwortlichen bereits erledigt.

Saar-Uni macht keine gute Figur

Für die Saar-Uni ist der Casino-Skandal eine peinliche Nummer. Besonders unangenehm ist, dass „Link-Vermarktung“ als Begründung für die versehentliche Werbung für Online-Glücksspiele genannt wird. Spätestens an dieser Stelle sollte sich jeder Steuerzahler die Frage stellen, ob die Uni-Gelder sinnvoll genutzt werden. Warum muss eine Uni „Link-Vermarktung“ betreiben, um die Webseite populärer zu machen? Ist es wirklich nötig, über seichte Inhalte zusätzliche Einnahmen zu generieren? Bei der öffentlichen Entschuldigung der Universität des Saarlandes wurde zwar darauf hingewiesen, dass die Studierenden normalerweise überhaupt nicht auf die jeweiligen Inhalte zugreifen würden. Aber das ist eine laue Entschuldigung, denn natürlich waren die Texte mit der Werbung für Online-Glücksspiele auf der Uni-Webseite vorhanden und jeder Studierende konnten ohne großen Aufwand diese Inhalte finden.

Schaut man sich den Uni-Ratgeber der Universität des Saarlandes etwas näher an, findet man viele Texte, die nicht mehr als Marketing-Blabla enthalten. Eigentlich soll die Saar-Uni Exzellenz verkörpern. Anstatt irgendwelche suchmaschinenoptimierten Texte zu kaufen, sollte die Uni-Leitung eher daran interessiert sein, erstklassige Forschung zu betreiben, um mit akademischen Themen für Aufmerksamkeit zu sorgen. Es gibt viele gute Möglichkeiten, eine Universität zu bewerben. Aber suchmaschinenoptimierte Uni-Ratgeber gehören ganz sicher nicht zu diesen guten Möglichkeiten. Generell sollten staatliche Universitäten ohnehin darauf verzichten, in irgendeiner Form Werbung zu machen. Ganz unabhängig davon, ob für Online-Glücksspiele geworben wird, stellt sich doch immer die Frage, ob der gute Ruf der Universität durch seltsame Werbetexte nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Ohnehin dürfte der Effekt der suchmaschinenoptimierten Texte überschaubar sein. Mit einem fünfstelligen Budget lässt sich in der heutigen Zeit nicht mehr viel bewegen, wenn es darum geht, eine Webseite in den Suchergebnissen von Google nach oben zu schieben. Insgesamt bleiben beim aktuellen Casino-Skandal viele Fragen offen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die zuständigen Politiker im Saarland diesen Skandal nicht einfach abhaken werden. Immerhin geht es um den Ruf der wichtigsten akademischen Institution des Saarlandes.

Demnächst strenge Regeln für Glücksspiel-Werbung?

Es spricht einiges dafür, dass es demnächst in Deutschland sehr strenge Regeln für Glücksspiel-Werbung geben wird. Auch jetzt gibt es schon diverse Vorschriften und Gesetze, aber vor allem die Online Casinos sind in Deutschland nach wie vor nicht optimal reguliert. Doch das soll sich Mitte 2021 ändern. Die deutschen Bundesländer planen eine Novelle der Glücksspiel-Regulierung. Zu den neuen Regeln wird auch eine umfassende Regulierung der Werbung für Online-Glücksspiele und Online-Sportwette gehören. Derzeit ist eine sehr strikte Regulierung geplant. Aber es wird diverse Anhörungen und Debatten geben, sodass sich noch einiges ändern kann. Doch mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es in Zukunft deutlich schwieriger werden, in Deutschland für Online-Glücksspiele zu werben. Dieses Thema sollte eigentlich nicht für Universitäten relevant sein, denn niemand möchte auf der Webseite einer Universität Werbung für Online Casinos oder Sportwetten erleben. Online-Glücksspiele und Sportwetten dienen der Freizeitunterhaltung und haben nichts in einem akademischen Betrieb zu suchen. Das sollte sich eigentlich von selbst verstehen.

Gleichwohl muss einmal grundsätzlich geklärt werden, in welcher Form Werbung für Glücksspiele in Deutschland stattfinden darf. Dabei muss der Gesetzgeber allerdings nicht nur die theoretisch wünschenswerte Optimierung der Glücksspiel-Werbung berücksichtigen, sondern auch die praktische Umsetzung. Durch die sozialen Medien ist es im Internet zum Beispiel extrem schwierig, Glücksspiel-Werbung einfach zu verbieten. In den großen sozialen Netzwerken werden Inhalte nicht in der traditionellen Weise medial weitergegeben, sodass der Staat nur wenig Einfluss hat. Deswegen plädieren Experten dafür, Glücksspiel-Werbung zuzulassen, allerdings unter strengen inhaltlichen Voraussetzungen. Insbesondere sollte die Werbung so ausgelegt sein, dass ein vernünftiger Spielerschutz kommuniziert wird. Es gibt viele andere Produkte, die umstritten sind, zum Beispiel Alkohol und Zigaretten, die aber trotzdem keinem Werbeverbot unterliegen. Deswegen wäre es wahrscheinlich auch juristisch nicht ganz einfach, Glücksspiel-Werbung komplett oder zum größten Teil zu verbieten.