Glücksspiel gehört nun auch offiziell zu den Leit- und Prüfkriterien der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). In Zukunft werden bei der Alterseinstufung im Bereich Videospiel demnach auch Glücksspielelemente berücksichtigt. Einer soeben veröffentlichten Pressemeldung ist zu entnehmen, dass die USK dadurch „... auf eine sich ändernde Medienlandschaft, in der sich Glücksspiel ähnliche Elemente im Online Sektor und in Apps etabliert haben.“ Es ist wohl in erster Linie als ein deutliches Signal zu verstehen, dass die USK nun ihre Kriterien zur Alterseinstufung von Videospielen um Glücksspielelemente ergänzt. Abgeleitet werden die Leitkriterien aus dem Jugendschutz und stellen für die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle so etwas wie ein Regelwerk dar. Bisher gehörte das Glücksspiel in Videospielen nicht zu diesem Regelwerk - jedenfalls nicht ausdrücklich. Allerdings war es unter der Bezeichnung „Entwicklungsbeeinträchtigung“ möglich, es in die Alterseinstufung mit einzubeziehen. Ein komplizierter Umweg, der eher der Form halber existierte und künftig nicht mehr notwendig ist.

USK setzt deutliches Signal

USK GlücksspielDabei stehen natürlich die eventuellen Entwicklungsbeeinträchtigungen junger Menschen absolut im Vordergrund, denn „... es sollen Spielelemente berücksichtigt werden, die die Einstellung gegenüber Glücksspiel und die damit verbundene Persönlichkeitsentwicklung negativ beeinflussen könnten.“ Lorenzo von Petersdorff ist der stellvertretende Geschäftsführer der USK. In der Mitteilung schreibt er: „Gerade bei den sogenannten Casino Apps zeigt sich, dass Glücksspiel ähnliche Spielmechaniken Einzug in den Medienalltag von Kindern und Jugendlichen finden können. Hier geht es vor allem darum, Kinder vor Inhalten zu schützen, bei denen Glücksspielmechaniken klar im Fokus stehen“. Im weiteren Verlauf schreibt er von einem „Signal“, dass die USK durch die Aufnahme des Glücksspiels in die Prüf- und Leitkriterien setzen will. Denn gerade in den letzten Jahren war die USK häufiger in die Kritik geraten. Ihr Umgang mit Glücksspielelementen wurde mehrfach bemängelt. Meist handelte es sich dabei um die sogenannten Lootboxen, über die mehr oder weniger zufällige Inhalte zu Videospielen hinzugekauft werden können. Allerdings fließen diese Lootboxen auch in Zukunft nicht in die Bewertung ein. Sie fallen laut der USK in den Bereich der "nicht-inhaltsbezogenen Komponenten", daher können sie aus „rechtlichen Gründen kein Teil der Alterseinstufung sein“. Ganz anders sieht es hingegen bei den unmittelbaren Spielelementen aus. Von einer inhaltsbezogenen Komponente ist die Rede, wenn beispielsweise während des Spielgeschehens an Glücksspielautomaten gezockt wird. In einem solchen Fall kann das in der Alterseinstufung durch die USK berücksichtigt werden. Die Einschätzung, ob solche Elemente nun inhaltsbezogen oder nicht-inhaltsbezogen sind, ist nicht immer unkompliziert. Ganz besonders achtet die USK darauf, wie hoch der Anteil am gesamten Spiel ist und „... ob die Glücksspiel ähnlichen Mechanismen in ein "kinderaffines" Umfeld eingebettet sind.“ Dabei geht es dem Kontrollorgan primär um eine Verharmlosung des Glücksspiels. Außerdem sieht die USK vor, auch „...unrealistische Gewinnerwartungen und die Desensibilisierung gegenüber Verlusten“ zu bewerten. Dabei macht sie einen klaren Unterschied zwischen simuliertem und echtem Glücksspiel. Für Jugendliche ist das echte Glücksspiel in der BRD verboten. Das simulierte Glücksspiel ist hingegen erlaubt - jedenfalls grundsätzlich. Die USK sieht den Unterschied darin, dass bei einem sogenannten simulierten Glücksspiel die Gewinne keinen Geldwert haben. Und laut ihrer Einschätzung handelt es sich in den meisten Fällen um simuliertes Glücksspiel bei den Glücksspielelementen in Videospielen.

An die 40.000 Spiele geprüft

Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) wurde 1994 eingerichtet. In ihrer Verantwortung liegt die Altersfreigabe von Videospielen und den dazugehörigen Trailern. Auch in Österreich und der Schweiz findet man die Kennzeichnungen der USK, allerdings haben sie dort keine Gültigkeit. Der Grund hierfür liegt darin, dass für den deutschsprachigen Raum meist nur eine Spielversion produziert wird, die dann in drei Ländern zur Verfügung steht.

Seit dem Jahre 2008 ist die Freiwillige Selbstkontrolle Unterhaltungssoftware GmbH aus Berlin der Träger der USK. Game - Verband der deutschen Games Branche e.V. ist Gesellschafter der GmbH. Nach dem Prinzip einer halbstaatlichen Organisation wird von der USK die Organisation von Prüfungen gewährleistet. Sachverständige, die vom Beirat benannt werden, fällen gemeinsam mit einem Vertreter der Obersten Landesjugendbehörde die jeweiligen Altersentscheidungen. An die 50.000 Spieletitel hat die USK seit ihrer Gründung auf Kinder- und Jugendtauglichkeit hin überprüft. Zu Anfang handelte es sich noch um Empfehlungen, doch seit der Novellierung des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) gelten die Alterseinstufungen als verpflichtend. Daher muss auf der Verpackung des jeweiligen Spiels und auch auf dem Datenträger selbst die entsprechende Alterseinstufung deutlich gekennzeichnet sein. Gänzlich ausgeschlossen von den Einschränkungen sind Spiele die der Illustration, der Information oder Lehrzwecken dienen, sofern sie als solche gekennzeichnet sind.

Jeder Spielehersteller kann gegen eine Gebühr seine Spiele und Produkte bei der USK einstufen lassen. Allerdings kann das Prüfgremium gemäß JuSchG auch eine Kennzeichnung verweigern, wenn es beispielsweise zu der Auffassung gelangt, dass das entsprechende Spiel jugendgefährdend ist. Meist kommt dieses Spiel dann auf den Index der Bundesprüfstelle. Sofern ein Spiel allerdings einmal die Kennzeichnung der USK erhalten hat, kann es nicht mehr indiziert werden.  Als einer der Gründer von International Age Rating Coalation (IARC) vergibt die USK mit einer Reihe anderer offizieller internationale Institute auch Alterskennzeichnungen für Online Spiele und zahlreiche Apps. Diese Alterskennzeichnungen durch die USK werden bei Windows Store, Google Play Store und Firefox angezeigt.