Das sind keine erfreulichen Nachrichten für alle Gaming-Fans. Die Veranstalter der Gamescom haben soeben bekanntgegeben, dass die weltweit größte Spielemesse auch in diesem Jahr, wie bereits 2020, ausschließlich digital stattfinden wird. Der Gedanke, im Sommer eine Hybrid-Messe zu veranstalten, scheint damit in den Hintergrund gerückt zu sein. Noch im März teilten der Branchenverband game und die Koelnmesse in einer gemeinsamen Presseerklärung folgendes mit: „Die Gamescom 2021 wird hybrid!“ Offensichtlich haben sie es sich mittlerweile anders überlegt. Soeben erreichte uns die Meldung, dass die größte Spielemesse der Welt, die normalerweise auf dem Kölner Messegelände stattfindet, ausschließlich digital veranstaltet wird. Damit folgen die Organisatoren wieder dem Konzept vom vergangenen Jahr und präsentieren vorwiegend Videostreams.

Gamescom: Nun doch digital statt hybrid

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In der Begründung heißt es, dass man damit „... der aktuellen Lage Rechnung tragen“ wolle, in der „... viele Unternehmen wegen der angespannten Lage nicht an Veranstaltungen vor Ort teilnehmen möchten.“ Diese Videostreams gehörten ohnehin zum Hybrid-Konzept, sollten allerdings durch die vor Ort-Veranstaltungen ergänzt werden. So sah es zumindest der ursprüngliche Plan vor. Oliver Frese, der Geschäftsführer der Koelnmesse sagt dazu: „Wir haben alles gegeben, den Fans und der Branche eine hybride Gamescom 2021 zu ermöglichen. Doch auch, wenn das hybride Konzept bei den Partnern sehr gut ankam, mussten wir doch erkennen, dass die Gamescom aufgrund der benötigten Planungssicherheit für viele Unternehmen der Branche noch zu früh kommt". Für die Besucherinnen und Besucher der Kölner Spielemesse hatten game und Koelnmesse ein umfassendes Sicherheitskonzept entwickelt, das auch vorsah, allen nationalen und internationalen Gästen Hands-On Erfahrungen zu ermöglichen. „Diese Anspiel-Möglichkeiten gehören zur Identität der Besuchermesse, die sich im Gegensatz zur E3 in Los Angeles als Gaming-Festival für Spiele-Fans positioniert.“ Allerdings gehen Stärken wie diese bei einer reinen Digital-Veranstaltung verloren. Demnach fällt auch in diesem Jahr flach, was die Besucherinnen und Besucher am meisten an dieser Messe lieben: Der gegenseitige Austausch, das Ausprobieren von neuen Spielen und die vielen abendlichen Partys in der Feier-Hochburg am Rhein. Die Gamescom 2021 wird – wie schon im letzten Jahr – wieder mit einem Eröffnungs-Live-Stream von der Opening Night Live starten, bei dem es in erster Linie um die Präsentation diverser Trailer und Ankündigungen neuer Spiele gehen wird.

Im weiteren Verlauf der digitalen Messe, die vom  25. bis zum 27. August stattfindet, sollen weitere Shows und auch Events im Stream zu sehen sein, die ... „kostenlos auf dem Portal Gamescom Now gebündelt werden“. Trotz der Entscheidung für eine reine Online Veranstaltung in diesem Jahr, haben die Verantwortlichen nicht vor, ihre hart erarbeiteten Lösungsansätze und kreativen Ideen für eine sogenannte Kombi-Messe komplett zu verwerfen, bei denen es vorrangig darum geht, die „Messehallen und digitale Elemente“ zu vereinen. Der Geschäftsführer des Branchenverbands game, Felix Falk, sagt dazu: „Viele der neuen Konzepte für die hybride Gamescom, etwa das digitale Warteschlangenmanagement, werden wir im kommenden Jahr umsetzen können“. Mit ihrer Entscheidung stehen die Macher nicht allein da. Auch die Veranstalter der konkurrierende Messe E3 haben setzen in diesem Jahr auf eine reine Digital-Veranstaltung. Das ist immerhin etwas! Im letzten Jahr war die E3 aufgrund der weltweiten Gesundheitskrise komplett ausgefallen.

Laut Veranstalter war die digitale Gamescom 2020 ein voller Erfolg

Viele Fans fragten sich schon im letzten Jahr, was die größte Spielemesse der Welt noch Wert sei, ohne überfüllte Messehallen und die endlos langen Schlangen vor den einzelnen Messeständen. Trotz vieler Mängel, wie beispielsweise das Fehlen von Anspielstationen, ein Livestream, der häufig stotterte und das mangelnde Party-Feeling zogen die Veranstalter dennoch ein positives Fazit von der Gamescom 2020. Aufgrund der digitalen Ausrichtung wäre die Messe noch internationaler geworden, hieß es in einer Presseerklärung. Online Besucher aus 180 Ländern konnten verzeichnet werden. Der Höhepunkt der Messe war der „Opening Night Live“ Livestream, den weltweit mehr als zwei Millionen Zuschauer zu Hause an ihren Displays verfolgten. Neben dem Eröffnungs-Event wurden „tagesfüllende Shows“ von Webedia und IGn produziert, bei denen vorrangig Entwickler zu Wort kamen und Spielmaterial präsentiert wurde. Insgesamt verfolgten diese Shows mehr als 10 Millionen Zuschauer. Als „wegweisend“ bezeichnete das Gamescom-Team diese digitale Darbietungsform, mit der sie inhaltliche und konzeptionelle Maßstäbe gesetzt hätten.

Allerdings stockte der Eröffnungs-Livestream immer wieder und glich eher einer Dia-Show. Und trotzdem schreiben die Macher, dass „... die Show zum meistgesehenen Digital-Event der Messewirtschaft avanciert“ sei. Andere Spiele-Streams, die außerhalb des Rahmens der Messe stattfanden, sind hier nicht eingerechnet. Laut den Gamescom-Machern soll die „Opening Night Live unter den Top 3“ aller Gaming Streams des Jahres 2020 gelegen haben. Gerald Böse von der Koelnmesse sagte damals: „Mit der Gamescom 2020 haben wir ein vollwertiges, globales Event geschaffen, das die Games-Branche zusammengebracht hat. Wir haben versprochen, dass in den vier Tagen niemand an uns vorbei kommt – und wir haben geliefert.“ Allerdings blieben die ganz großen Spiele-Ankündigungen aus, da die Branchen-Giganten Sony und Microsoft den Start ihrer neuen Konsolen vorbereiteten, die für Ende 2020 geplant waren. Und die Konsolen-Bauer entscheiden nun mal maßgeblich mit, welche Spiele überhaupt und vor allen Dingen wann gezeigt werden. Dabei schaute die Gamescom weitestgehend in die Röhre.