Die Spielerschutz-Organisation GambleAware hat sich dafür ausgesprochen, in Großbritannien Standards und Regeln für das sogenannte Financial Blocking zu schaffen. Nicht nur in Deutschland hat es in den vergangenen Jahren diverse Versuche gegeben, Zahlungsanbieter davon abzuhalten, Transaktionen für Online Casinos abzuwickeln. Für die Casino-Betreiber, die Zahlungsanbieter und auch für die Casino-Kunden ist es aber ein Problem, dass nicht klar ist, welche Regeln genau gelten. Der neue Vorschlag von GambleAware bezieht sich nicht darauf, dass Behörden oder Ministerien bestimmte Zahlungsmethoden in Online Casinos blocken. Vielmehr möchte GambleAware erreichen, dass in Großbritannien jeder Bankkunde die Möglichkeit hat, Zahlungen an Glücksspielanbieter zu verbieten. Das ist eine Forderung, die auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen seltsam wirkt, aber zum großen Thema Spielerschutz gehört.

Jeder Kunde soll selbst blockieren können

Gamble AwareEs kann zum Beispiel Situationen geben, in denen ein Ehepaar ein Konto gemeinsam führt. Wenn es möglich ist, Zahlungen an Glücksspielanbieter komplett zu blockieren, könnte ein Ehepartner dafür sorgen, dass der andere Ehepartner kein Geld vom Konto abzieht für Glücksspiele. Gerade bei den sogenannten Problemspielern könnte das im einen oder anderen Fall ein sehr hilfreicher Faktor sein. Allerdings sollte niemand die Wirksamkeit dieses Vorschlags überschätzen, denn alle Erfahrungen zeigen, dass die meisten Problemspieler Mittel und Wege finden, Einzahlungen zu machen. Trotzdem wäre es auch im Sinne der Glücksspielindustrie, wenn ein zusätzlicher Spielerschutz in diesem Bereich entstehen würde. Letztlich hat kein Glücksspielanbieter etwas davon, wenn das Image ruiniert wird durch Kunden, die sich selbst schädigen. Diese Erkenntnis ist mittlerweile zumindest bei den großen Glücksspielkonzernen in Großbritannien und anderen Ländern angekommen. In Großbritannien gibt es ohnehin derzeit die Tendenz, die Glücksspiel-Regulierung zu verschärfen, sodass die Anbieter gut beraten sind, derartige Maßnahmen zum Spielerschutz zu unterstützen.

Ein wichtiger Faktor beim Spielerschutz ist der Eigenschutz. Wenn sich Problemspieler selbst schützen möchten, müssen dafür verschiedene Werkzeuge verfügbar sein. Besonders wichtig ist, dass es möglich ist, eigene Sperren einzurichten. Wer sich vom Geschäft eines Online Casinos ausschließen möchte, kann das jetzt schon machen, nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Deutschland. Alle seriösen Online Casinos bieten ihren Kunden die Möglichkeit, einen Selbstausschluss vorzunehmen. Noch wirksamer wäre es allerdings, wenn sich Problemspieler auf einer zentralen Liste für den Selbstausschluss registrieren können, die dann von allen Casino-Betreibern online und offline beachtet werden müsste. Eine derartige zentrale Sperrliste gibt es derzeit nicht in Großbritannien und auch nicht in Deutschland. In Deutschland gibt es auch keine verbindliche Option, Zahlungen an Online Casinos zu blockieren. Es ist nicht völlig klar, wie wirksam das Financial Blocking in Eigeninitiative ist. Aber falls Großbritannien diesen Weg einschlagen sollte, wäre es mit Sicherheit möglich, von den Erkenntnissen Großbritannien künftig auch in Deutschland zu profitieren. Letztlich muss immer auch untersucht werden, ob die Wirksamkeit in einem vernünftigen Verhältnis zum Aufwand steht. Zudem dürfte es für die Banken auch nicht ganz einfach sein zu entscheiden, ob ein Adressat einer Überweisung ein Glücksspielanbieter ist oder nicht. Am Firmennamen lässt sich das jedenfalls nicht ablesen. Gegebenenfalls müssten dann wahrscheinlich die zuständigen Behörden entsprechende Datenbanken liefern. Ob es möglich ist, derartige Datenbanken ständig aktuell zu halten, ist eine Frage, die sich aufdrängt.

Bedarf nach privatem Financial Blocking in UK vorhanden

Viele Banken bieten in Großbritannien schon jetzt ihren Kunden die Möglichkeit, bestimmte Unternehmen zu blockieren für Überweisungen. Dieses Angebot nutzen nach Auskunft von GambleAware derzeit bereits über 500.000 Kunden. Angeblich werden damit über 500.000 Transaktionen pro Monat verhindert. Es dürfte sehr schwer sein zu ermitteln, wie viele Transaktionen pro Monat wirklich verhindert werden, denn zum einen gibt es die blockierten Versuche und dann gibt es auch noch die Versuche, die gar nicht stattfinden, weil der jeweilige Bankkunde schon weiß, dass Financial Blocking eingerichtet ist. In jedem Fall ist das private Financial Blocking eine interessante Option, um den Spielerschutz individuell zu verbessern. Viele Glücksspielexperten plädieren dafür, den individuellen Spielerschutz, der in Eigeninitiative umgesetzt wird, eventuell auch mit der Hilfe von Familienmitgliedern, zu stärken. Glücksspielbehörden tendieren dazu, umfassende Maßnahmen zu beschließen, die für alle Kunden gelten. Aber nur sehr wenige Kunden in Online Casinos haben das Potenzial, zu Problemspielern zu werden bzw. sind bereits Problemspieler. Dem Spielerschutz wäre wahrscheinlich am besten Genüge getan, wenn sich die behördlichen Maßnahmen genau auf diese Klientel fokussieren würde. Viele Maßnahmen, die derzeit in Großbritannien, aber auch in Deutschland umgesetzt werden, dienen vor allem dazu, dass Glücksspiel weniger attraktiv zu machen. Das hält aber die typischen Problemspieler nicht davon ab, ihrer Leidenschaft nachzugehen. Deswegen ist es bedenkenswert, dass GambleAware sich öffentlich für privates Financial Blocking einsetzt.

GambleAware schlägt vor, dass alle Zahlungsanbieter dazu verpflichtet werden, die Option Financial Blocking anzubieten. Das wäre nur konsequent, denn wenn nur die klassischen Banken das Financial Blocking anbieten, gibt es viele andere Optionen, über die Einzahlungen und Auszahlungen in Online Casinos abgewickelt werden könnten. Ein wirksamer Schutz würde am Ende nur funktionieren, wenn tatsächlich alle verfügbaren Zahlungsmethoden berücksichtigt würden. Doch auch an dieser Stelle gibt es Grenzen, die auch in Großbritannien wohl kaum zu überwinden sind. Wer möchte zum Beispiel ausprobieren, ob es möglich ist, Financial Blocking bei Kryptowährungen wie Bitcoin durchzusetzen? Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass Financial Blocking kein Wundermittel ist. Zwar ist es möglich, Bankkonten zu schützen. Aber bei vielen modernen Zahlungsmethoden dürfte es sehr viel schwieriger sein, die Nutzung zu blockieren. Das bedeutet nicht unbedingt, dass das Financial Blocking am Ende nicht für viele Problemspieler nützlich wäre. Aber niemand sollte sich erhoffen, dass es ausschließlich mit Financial Blocking möglich ist, alle Problemspieler vor sich selbst zu schützen. Letztlich gibt es nur eine Methode, das grundlegende Problem zu lösen: Die Spieler, die sich nicht selbst unter Kontrolle haben, müssen sich fachliche Hilfe suchen und an die Wurzeln des Problems gehen. Ohne eine umfassende Therapie kann niemand, der ein Problem mit Glücksspiel, eine dauerhaft wirksame Lösung finden. Das zeigen alle Erfahrungen der letzten Jahrzehnte.

Kreditkarten in britischen Casinos schon verboten

Schon seit einer Weile ist es nicht mehr möglich, in britischen Casinos Kreditkarten zu nutzen. Wenn von Kreditkarten die Rede ist, sind damit echte Kreditkarten gemeint. Bei diesen Zahlungsdaten ist es möglich, über das tatsächlich vorhandene Vermögen hinaus Transaktionen zu machen. Generell stellt sich die Frage, ob es überhaupt eine gute Idee ist, Privatpersonen Kreditkarten zu geben, nicht nur wenn es um Glücksspiel geht. Deswegen hat es auch keinen großen Aufschrei in der britischen Glücksspielindustrie gegeben, als Kreditkarten verboten wurden. Letztlich möchten auch die Casino-Betreiber sich nicht mit den Problemen auseinandersetzen, die durch verantwortungslose Spieler entstehen. Aber es hat sich auch gezeigt, dass das Verbot von Kreditkarten keineswegs ausreicht, um das grundsätzliche Problem zu lösen. Auch wenn der eine oder andere Problemspieler wahrscheinlich durch das Kreditkarten-Verbot vor sich selbst geschützt wird, gibt es doch Mittel und Wege, trotzdem Unsinn anzurichten. Nur weil eine Methode nicht mehr funktioniert, bedeutet das noch lange nicht, dass in Zukunft alles besser wird. Es sind viele Maßnahmen nötig, um die gefährdeten Spieler vor sich selbst zu schützen. Einige Glücksspielexperten, die gegen das Kreditkarten-Verbot waren, haben zudem argumentiert, dass damit gerade die Glücksspiel-Fans eingeschränkt werden, die nie ein Problem hatten und nie ein Problem haben werden. Auch das ist ein Aspekt, der Berücksichtigung verdient.

Financial Blocking auch in Deutschland sinnvoll?

Der Vorschlag von Financial Blocking könnte auch in Deutschland hilfreich sein. Doch die diversen Probleme, die im Detail entstehen können, sind nicht nur in Großbritannien relevant. Auch in Deutschland wäre Financial Blocking mit einigen Schwierigkeiten behaftet. Großbritannien hat an dieser Stelle vielleicht den Vorteil, dass demnächst die EU-Gesetze an dieser Stelle nicht mehr beachtet werden müssen. Aber in Deutschland muss immer auch EU-Recht beachtet werden. Es könnte zum Beispiel sein, dass der eine oder andere Zahlungsanbieter sich ungerecht behandelt fühlt durch die Verpflichtung, privates Financial Blocking für Glücksspielanbieter umzusetzen. Ob sich die Glücksspielanbieter für oder gegen privates Financial Blocking aussprechen würden, bliebe abzuwarten. Im Moment geht es in Deutschland beim Thema GambleAware vor allem darum, dass der Staat versucht, bestimmte Zahlungsmethoden in Online Casinos zu sperren. Dieses Thema wird zum Teil auch vor Gerichten diskutiert mittlerweile, da in Deutschland ab Mitte 2021 durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag seriöse Online Casinos legal werden. Deswegen ist es einigermaßen erstaunlich, dass Deutschland kurz vor der neuen Glücksspiel-Regulierung versucht, gegen Zahlungsanbieter vorzugehen, die Transaktion an Online Casinos, die demnächst eine deutsche Lizenz haben werden, zu verhindern. Das Thema Financial Blocking wird uns in der einen oder anderen Form in den nächsten Monaten und vielleicht sogar in den nächsten Jahren noch begleiten, auch in Deutschland.