In der Fußball Bundesliga ist ganz schön etwas los. Damit sind nicht die kürzlich wieder angelaufenen Spiele der 1. und 2. Liga gemeint, sondern vielmehr Ereignisse, die sich eher hinter den Kulissen abspielen. Es stehen Betrugswarnungen im Raum, ein Korruptionsskandal droht, und in der 3. Liga ist mit Klagen zu rechnen.  Für den deutschen Fußball Bund liegt schon wieder ein Skandal in der Luft. Es geht um „Unregelmäßigkeiten“, deren Spuren zu unseren Schweizer Nachbarn führen. „Dem DFB liegen Erkenntnisse vor, dass es zu möglichen Auffälligkeiten gekommen ist, die in Zusammenarbeit mit externen Wirtschaftsprüfern untersucht werden," bestätigt ein Verbandssprecher. Derzeit will der DFB noch auf die Ergebnisse dieser Prüfung warten und sich aus diesem Grund aktuell nicht detailliert äußern.

Neuer Korruptionsskandal für den DFB?

SportwettenLaut Informationen der Bild-Zeitung geht es um sogenannte Unregelmäßigkeiten bei der Bandenwerbung, die bei deutschen Länderspielen in den Stadien eingesetzt wurde. Die Schweizer Agentur für Sportmarketing Infront hatte die Vermarktungsrechte hierfür im Jahre 2018 vom DFB gekauft. Soeben teilte Infront mit, dass das Unternehmen „...einen leitenden Angestellten entlassen habe, gegen den die Staatsanwaltschaft Thurgau wegen Untreue ein Strafverfahren eingeleitet habe.“ Infront-Boss ist Philippe Blatter. Und ja, der Name kommt einem bekannt vor. Er ist der Neffe von Sepp Blatter, dem ehemaligen FIFA-Präsidenten. Er erklärt in einer Mitteilung: „Wir sind zutiefst schockiert. Wir erwarten von unseren Mitarbeitern, dass sie sich strikt an die strengen ethischen Standards halten. Unsere internen Untersuchungen laufen noch." Die Bild-Informationen gehen aber noch weiter. Angeblich hat der mittlerweile entlassene Angestellte seine Werbekunden in einem recht großem Stil über den Tisch gezogen. Laut Infront haben die Kunden weniger Werbezeit erhalten, als vertraglich vereinbart war. Nun kündigte das Unternehmen an, den Betroffenen Entschädigungen zu zahlen.

Betrugswarnung ausgesprochen 

Transparency International Deutschland e.V. ist ein Ableger des weltweit agierenden gleichnamigen Dachverbands. Der gemeinnützige Verein verfolgt den Zweck Korruption einzudämmen, zu bekämpfen und das öffentliche Bewusstsein für die „... schädlichen Folgen von Korruption zu schärfen. Sie kann nur nachhaltig bekämpft werden, wenn Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten.“ 

Diese Organisation hat nun vor den Randerscheinungen gewarnt, die der Neustart in den Ligen mit sich bringen könnte. In erster Linie geht es darum, dass Manipulatoren und Wettbetrüger es auf den deutschen Fußball abgesehen haben. Laut Transparency Deutschland müssen deutlich stärkere Maßnahmen gegen Spielmanipulation her und auch auf der Suchtgefahr bei Sportwetten sollte ein größeres Augenmerk liegen. Silvia Schenk ist die Leiterin der Sport-Arbeitsgruppe von Transparency Deutschland. Sie sagt dazu: „Fans zuhause vor dem Fernseher statt im Stadion könnten für Wettanbieter eine leichte Beute sein. Glücksspiel sollte nicht als Kick und Ersatz für das Stadionerlebnis dienen." Sie warnte insbesondere davor, dass sich derzeit die Glücksspieler und Wettanbieter voll und ganz auf den deutschen Markt konzentrieren, „... weil hier wieder Fußball stattfindet“. Unter ihnen befände sich aber auch eine ganze Reihe von Wettbetrügern. 

Darüber hinaus wird eine Warnung vor möglichen Spielmanipulationen ausgesprochen. Aufgrund der sehr viel geringeren Gehälter für Spieler sei insbesondere die 3. Liga anfällig für Korruption. In einer Mitteilung heißt es, dass von der Deutschen Fußballliga (DFL) und dem DFB (Deutscher Fußball Bund) ein umfängliches Konzept erwartet wird. Dieses soll dem Schutz der Spieler und Fans, den Schiedsrichtern und den Teams dienen.

Allerdings ist der DFL gar nicht für die 3. Liga zuständig.

In der 3. Liga drohen Klagen

Auch der DFB hat einen Bundestag, und dieser hat soeben den Weg für die Fortsetzung der 3. Liga freigemacht. Damit wurde deutlich, dass den Anträgen auf Abbruch, die von den beiden Bundesländern Sachsen und Sachsen-Anhalt gestellt wurden, kein Gehör geschenkt wird. Keine leichte Entscheidung! Dem Präsidenten des Deutschen Fußballbunds, Fritz Keller, war seine Nervosität anzumerken. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als der Neustart der Drittliga-Saison endlich auf den Weg gebracht worden war. Das Voting war eindeutig. Von den 253 Stimmberechtigten sprachen sich knapp 95 Prozent für eine Wiederaufnahme der Spielzeit aus. Damit wurde der geforderten Neugestaltung der Liga und auch dem Abbruch der Saison in Folge der aktuellen Krisenzeiten eine klare Absage erteilt. Der Machtkampf war nach drei Stunden beendet - zumindest vorerst. Denn nun droht eine Klagewelle.„Ich rufe alle dazu auf, die Kompromisse als Demokraten mitzutragen und zu respektieren", sagte Verbandschef Keller beim ersten Online Bundestag. Er hofft auf Einsicht und fügte hinzu. „Das klare Votum zeigt, dass nicht immer die Lautesten Recht bekommen."

Erst vor kurzem hatte der DFB beschlossen, die Drittligasaison, die schon seit Mitte März unterbrochen ist, wieder anzupfeifen. Daraufhin hagelte es heftigen Widerstand von einzelnen Vereinen, den Verbänden und auch von Landesregierungen. Klubchefs und Politiker mahnten an, dass die Voraussetzungen für einen Neustart noch nicht gegeben seien und drohten mit Klagen. Schaut man sich diesen Streit einmal aus der Nähe an, dann lässt er sich ganz leicht erklären: Einerseits beklagen die Vereine, dass sie nicht wieder spielen können und führen dafür unterschiedliche Gründe an. Andererseits unterstellt der DFB, dass die betroffenen Clubs gar nicht weiterspielen wollen, weil sie ganz andere Interessen verfolgen.

Klare Ansagen von Rainer Koch 

„Dieses unwürdige Schauspiel ist nicht länger hinzunehmen. Der DFB ist kein Spielball einiger Weniger, die untereinander zerstritten sind. Der Egoismus und die Interessen Einzelner helfen uns keinen Schritt weiter", sagt DFB-Vize Rainer Koch. Dem Juristen fehlt jedes Verständnis, allerdings geht auch er nicht von einem schnellen Ende des aktuellen Streits aus und ergänzt: „Ich befürchte, dass die Anwälte der Unterlegenen sich umgehend auf den Weg zu den Gerichten machen werden."

Schon vor dem Start des Bundestags hatte der Hallesche FC durch seinen Präsidenten Jens Rauschenbach mitgeteilt: „Wir haben durch unseren Anwalt die bestehende Wettbewerbsverzerrung beim DFB angezeigt und diesen aufgefordert, gleiche Bedingungen für alle mit mindestens 14 Tagen Mannschaftstraining zu schaffen. Wir erwarten hierzu eine Antwort und werden dann in unseren Gremien weitere Schritte beraten."  

Der Generalsekretär des DFB, Friedrich Curtius, lässt keine Zweifel aufkommen, dass am kommenden Samstag wieder gespielt wird, selbst wenn er die zuständigen Gremien mit einer endgültigen Prüfung des Sachverhalts beauftragt. „Wenn ein Team nicht antritt, wird das Spiel für die gegnerische Mannschaft gewertet," lautet seine deutliche Ansage.