Die neue französische Glücksspiel-Aufsicht Autorité Nationale des Jeux (ANJ) ist in der letzten Woche gestartet. Sie löst damit die alte Aufsicht Autorité de régulation des jeux en ligne (ARJEL) mit all ihren Aufgaben ab. Eigentlich sollte dies schon früher geschehen sein, doch die Krise verzögerte auch diesen Vorgang. Nun existiert in Frankreich eine Glücksspiel-Aufsicht, die 78% des französischen Glücksspielmarktes reguliert. Etwas, das schon im letzten Jahr seinen Anfang genommen hatte, denn bereits im Oktober 2019 wurde der Beschluss zur Schaffung dieser neuen Institution durch die französische Regierung gefasst. Bisher kontrollierte die ARJEL das legale Online Glücksspiel und die Staatskammer den landbasierten Glücksspielsektor, sprich: Casinos, Spielhallen, Lottospiele sowie Rubbellose, die es unter seiner Kontrolle hatte. Damit ist es jetzt vorbei, bis auf eine einzige Ausnahme: die staatlichen Spielbanken, die weiterhin dem Innenministerium unterstehen. Die neue Chefin der ANJ ist der Ansicht: „Dies ist ein echter Kulturwandel: Dieser Sektor stand unter der Aufsicht mehrerer Ministerien.“ Gemeint sind damit die Ressorts Inneres, Haushalt, Landwirtschaft, Gesundheit, und Sport. „Wir schaffen eine Regulierungsbehörde, die von Behörden und privaten Akteuren unabhängig ist,” fügt sie hinzu.

Glücksspiel in Frankreich: Dies ist alles neu

Frankreich casinosDie Zentralisierung des Glücksspiels hat laut ihren Planern viele Vorteile. Wie es in einem Statement des Ministerrates heißt: „Die nationale Glücksspielbehörde ANJ wird zum Hauptakteur bei der Regulierung des Glücksspiels in Frankreich werden. Diese neue unabhängige Verwaltungsbehörde wird mit verstärkten Befugnissen in einem viel breiteren Kompetenzbereich ausgestattet sein.” Diese neuen Kompetenzen sollen nicht nur für eine gerechte Lizenzierung der Casinos eingesetzt werden, ein ganz besonderes Augenmerk soll auch dem Spielerschutz gelten. So wurde verkündet:

„Die Behörde wird sich darum kümmern müssen, Jugendschutz zu garantieren, Spielsucht sowie betrügerischen und kriminellen Aktivitäten vorzubeugen, gegen Geldwäsche vorzugehen und für ein wirtschaftliches Gleichgewicht zwischen den einzelnen Sektoren des Glücksspiels zu sorgen.” 

Leiten wird die neue Aufsicht die ehemalige Vorsitzende der nationalen Datenschutzbehörde (Commission Nationale de l’Informatique et des Libertés), Isabelle Falque-Pierrotin. Mit ihren 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird sie die bisher 14 lizenzierten Online Glücksspielanbieter des Landes überwachen, zusätzlich auch alle Verkaufsstellen der Lotteriegesellschaft Française des Jeux (FDJ) und des Pferdewetten Anbieters Pari Mutuel Urbain (PMU). Die Lotteriegesellschaft FDJ wurde erst im letzten Jahr privatisiert und ist mit großem Erfolg als Volksaktie an der Börse eingestiegen. Dies war sicherlich auch ein Grund für die Einführung der neuen Aufsicht. 

Zu den erwähnten Hauptaufgaben der Autorité Nationale des Jeux gehört, wie erwähnt, der Spielerschutz. Dazu wird sie mit neuen Handlungskompetenzen ausgestattet. Für eine erfolgreiche Lizenzierung sind verschiedenste Faktoren wie z.B. angebotene Spiele, Marketingstrategien, Aktionspläne gegen Betrug und Geldwäsche sowie Strategien gegen problematisches Spielverhalten mit einzubeziehen und zu kontrollieren. Daneben wird sicherlich auch der Werbung ein besonderes Augenmerk zukommen. Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger, hat die neue Aufsicht nun auch das Recht Strafen zu verhängen, wenn z.B. gegen Werbeverbote verstoßen wird. Dazu dürfen Bußgelder bis zu 5% des Umsatzes verhängt werden. Eine echte Neuerung gegenüber dem alten Modell. Die Behörde soll zudem in der Lage sein „... Betreibern die Aussetzung jeglicher kommerzieller Kommunikation, die zu übermäßigem Spiel auffordert, vorzuschreiben“. 

Casino Digitalisierung im Fokus

Gerade die fortschreitende Digitalisierung des Marktes macht den Behörden besonders Sorge. Kontrollen scheinen schwerer zu werden und die Anbieter unübersichtlicher. In diesem Zug ist man früh bemüht gewesen, insbesondere bei der staatlichen Lottogesellschaft FDJ, Maßnahmen zu ergreifen, um sich dem neuen Markt anzupassen. So wurden 500 Millionen Euro in einem Fonds bereitgestellt, um Investitionen in digitale Umstrukturierungen bewerkstelligen zu können. 400 Millionen wurden schon investiert, z.B. auch in eine neue Homepage der Gesellschaft und in die Zusammenarbeit mit Innovationspartnern. Zu einem großen Erfolg zählte sicherlich auch die Einführung einer Mobile-App unter dem Titel „Mission Patrimoine“. Spielerinnen und Spielern wird damit die Möglichkeit gegeben auf alle Draw- und Instant-Spiele der FDJ zugreifen.

Dass natürlich der französische Staat ein großes Interesse daran hat, das Glücksspiel in irgendeiner Art und Weise kontrollieren zu können, liegt auf der Hand. Zu groß sind die Steuereinahmen aus diesem Sektor. Ohne eine weitreichende Kontrolle würde man eventuell zu viel verlieren. Schon Ende 2018 konnte man 15,8 Milliarden Euro Umsatz aus dem Online Geschäft generieren. Im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 45,5 Prozent. Dies macht 15% des gesamten französischen Umsatzes im Glücksspielsektor aus. Und auch die Zahlen für das erste Quartal 2020 sprechen eine deutliche Sprache. Die Bruttospieleinnahmen sind um 22% auf 435 Millionen Euro gestiegen. Natürlich sind in diesen Zahlen auch schon die Auswirkungen der Krise mit einberechnet. So sanken die Umsätze bei den Sportwetten, während z.B. Online Poker deutlich zulegen konnte. Die Bruttospieleinnahmen aus Pokerspielen seien um 44 % auf 98 Millionen Euro gestiegen, laut einem vorläufigen Bericht. Natürlich erwartet man für das zweit und dritte Quartal andere Zahlen. Einen weiteren Rückgang der Sportwetten und vielleicht noch einen weiteren Anstieg anderer Formen des Online Glücksspiels. Für die neue Aufsichtsbehörde wird auf alle Fälle eine Menge Arbeit warten. Gerade die Auswirkungen der Krise sind bisher nicht überschaubar und werden den Markt stark beeinflussen. Es bleibt abzuwarten wohin die Reise letztendlich gehen wird.