Die Ratingagentur Fitch hat den Glücksspielkonzern MGM Resorts abgewertet. Im aktuellen Rating fällt MGM Resorts deutlich zurück. Als Begründung gibt Fitch an, dass MGM Resorts durch die aktuelle Krise sehr viel Geld benötigt und dadurch deutlich an finanzieller Flexibilität verliert. MGM Resorts ist vor allem bekannt als Betreiber von Casino-Hotels. Online Casinos gehören nicht zum Portfolio des Konzerns, jedenfalls nicht im großen Stil.

Verkauf von Bellagio und MGM Grand wird zum Problem

MGM Grand Las VegasEs vor einigen Monaten hat MGM Resorts Schlagzeilen mit dem Verkauf des Bellagios und des MGM Grand gemacht. Die beiden legendären Casinos in Las Vegas werden nach wie vor von MGM Resorts betrieben. Allerdings muss MGM Resorts seit dem Verkauf Miete zahlen. Der Verkauf der beiden Top-Casinos wurde ursprünglich entschieden, um die finanzielle Flexibilität zu erhöhen. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass dieser Vorgang nun dazu führt, dass die Ratingagentur Fitch den Konzern abgewertet. Durch die aktuelle Krise sind aktuell alle Casinos in Las Vegas geschlossen. Deswegen gibt es keine Einnahmen. Gleichwohl gibt es aber Mietverträge, die MGM Resorts bedienen muss. Es ist denkbar unglücklich, dass MGM Resorts gerade zu diesem Zeitpunkt in eine Situation kommen, in der es ein riesiger Vorteil wäre, die Casinos zu besitzen und nicht nur zu mieten. Aber auch ohne den Verkauf der beiden Casinos wäre die Situation für den Glücksspielkonzern MGM Resorts aktuell alles andere als ideal. Ein Konzern, der in erster Linie davon lebt, Beton-Casinos zu betreiben, ist durch die aktuelle Krise in einer sehr ungünstigen Situation. Fitch hat die Aussichten von MGM Resorts von „stabil“ auf „negativ“ korrigiert. Das ist enorm schlecht für den Konzern, denn dadurch werden potenzielle Investoren abgeschreckt.

Der Aktienkurs von MGM Resorts ist durch die aktuelle Krise und die dadurch erfolgten Casino-Schließungen weltweit abgestürzt. Viele andere Glücksspielkonzerne erleiden gerade ein ähnliches Schicksal. Aber durch die hausgemachten Probleme mit dem Verkauf der beiden Top-Casinos in Las Vegas ist die Situation für MGM Resorts zumindest aus der Sicht der Ratingagentur Fitch aktuell noch ein bisschen schlechter als bei vielen Konkurrenten. Deswegen wird es spannend sein zu sehen, ob MGM Resorts die aktuelle Krise halbwegs unbeschadet überstehen wird. Wenn auch noch andere Ratingagenturen ihre Bewertung senken, könnte das am Ende dazu führen, dass MGM Resorts sogar zu einem Übernahmekandidaten wird. Aktuell wäre es noch zu früh, derartige Szenarien auszumalen, zumal es derzeit überhaupt keinen Konzern in der Glücksspielbranche gibt, der eine Übernahme sofort finanzieren könnte. Aber wenn sich die Krise irgendwann entspannt, wird sich schnell zeigen, welche Glücksspielanbieter dazu in der Lage sind, relativ schnell wieder alte Umsatzzahlen zu erreichen. Wenn ein Konzern wie MGM Resorts nicht schnell wieder in Schwung kommt, kann es leicht passieren, dass finanzstärkere Konzerne die Gelegenheit nutzen und bei einem niedrigen Aktienkurs zugreifen.

Cash-Burn kann langfristig großes Problem für MGM Resorts werden

Die Amerikaner haben ein schönes Wort für das, was aktuell bei MGM Resorts und vielen anderen Glücksspielanbietern passiert: Cash-Burn! Auf Deutsch: Die Glücksspielkonzerne müssen aktuell sehr viel Geld „verbrennen“, um im Geschäft zu bleiben. Konkret bedeutet dies, dass ein Konzern wie MGM Resorts viel Geld bezahlen muss, um die Casinos weiterhin zu betreiben und die Mitarbeiter bei Laune zu halten. Je nach Land kann MGM Resorts vielleicht darauf hoffen, dass es Staatshilfen gibt. Auch betriebsbedingte Entlassungen sind immer ein Thema, vor allem auch in den USA. Aber letztlich wird sehr viel Geld notwendig sein, um mehrere Monate mit geschlossenen Casinos zu überleben. Am Ende wird das dazu führen, dass der Glücksspielkonzern MGM Resorts finanziell deutlich schlechter aufgestellt sein wird als vor der aktuellen Krise. Eventuell wirkt sich das dann auf diverse aktuelle Projekte aus. MGM Resorts ist in den letzten Jahren regelmäßig damit beschäftigt, neue Casino-Hotels in vielen verschiedenen Ländern zu bauen. Vielleicht wird das eine oder andere Projekt verzögert oder komplett aufgegeben, weil die finanzielle Situation sich verändert. Das kann sich wiederum auf das langfristige Geschäftsergebnis auswirken.

Es ist derzeit nicht klar, wie viel Geld MGM Resorts verlieren wird durch die aktuelle Krise. Es kann sein, dass in ein paar Monaten die Casinos wieder geöffnet sind in vielen Ländern und die Einnahmen auf einem respektablen Niveau fließen. Wahrscheinlicher ist aber, dass in diesem Jahr die Einnahmen aus dem Glücksspiel in Beton-Casinos weltweit deutlich sinken werden. Deswegen kann es gut sein, dass MGM Resorts nicht nur die vorhandenen Cash-Reserven aufbrauchen muss, sondern am Ende vielleicht auch noch diverse Casinos verkaufen muss, um den Konzern insgesamt zu erhalten. Dieses Schicksal könnte auch andere Glücksspielkonzerne treffen. Grundsätzlich hängt alles davon ab, wie lange es dauern wird, bis die Casinos wieder kostendeckend arbeiten können. Sicher scheint aber, und das sehen auch die Experten der Ratingagentur Fitch so, dass es wahrscheinlich mehrere Jahre dauern wird, bis die Verluste aus der aktuellen Krise halbwegs kompensiert sind. Es ist nicht davon auszugehen, dass es einen gigantischen Nachholeffekt beim Glücksspiel gibt. Nach der aktuellen Krise werden viele Menschen überhaupt kein Geld haben für einen Casino-Besuch. Standorte wie Las Vegas und Macau werden wahrscheinlich noch eine ganze Weile an den Folgen der aktuellen Krise leiden, selbst wenn es irgendwann einen Impfstoff geben sollte.

Glücksspielindustrie insgesamt gut aufgestellt

Die Abwertung von MGM Resorts durch die Ratingagentur Fitch ist ein Warnschuss für die gesamte Branche. Es kann durchaus sein, dass auch große Konzerne am Ende zu den großen Verlierern der Krise zählen. Aber generell lässt sich feststellen, dass gerade die großen Konzerne relativ gut vorbereitet sind auf Krisensituationen. Zwar hat niemand mit einer Pandemie gerechnet. Aber generell sind die erfolgreichen Glücksspielkonzerne finanziell sehr stark aufgestellt, sodass es möglich ist, mehrere Monate ohne Einnahmen zu überleben. Zudem haben viele Glücksspielkonzerne auch in der aktuellen Krise Einnahmen aus Online Casinos und vom Online-Poker. Für einige Konzerne und viele kleinere und mittlere Unternehmen wird sich die Lage zudem deutlich entspannen, wenn wieder Sportevents stattfinden und damit auch Sportwetten wieder möglich sind. Aber klar ist auch, dass die Glücksspielindustrie im Jahr 2020 deutlich Federn lassen wird. Vor allem die großen Glücksspielkonzerne, die auf das Geschäft mit Casino-Hotels setzen, werden erhebliche Einbußen erleiden. Daran lässt sich überhaupt nicht rütteln.

Vielleicht wird aber der eine oder andere Glücksspielkonzern auch die Chance nutzen und einen anderen Konzern wie MGM Resorts übernehmen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass fast alle großen Branchen und auch die Finanzkonzerne unter der aktuellen Krise leiden. In vielen Branchen geht es aktuell nur darum, die Krise halbwegs zu überleben. Aber wenn sich die Krise irgendwann etwas entspannt, kann es gut sein, dass Investoren auf den Plan treten, die nur darauf warten, einen angeschlagenen Glücksspielkonzern zu übernehmen. Die Geschichte hat gezeigt, dass es auch in den größten Krisen immer Gewinner gibt, die am Ende wesentlich mehr Geld haben als vorher. Das gilt nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Unternehmen. Für den Vorstand und den Aufsichtsrat von MGM Resorts werden die nächsten Monate in jedem Fall spannend. Vielleicht gibt es auch ein paar mutige Investoren, die jetzt schon davon profitieren wollen, dass der Aktienkurs des Glücksspielkonzerns im Keller ist. Aber jeder sollte im Hinterkopf haben: Die negative Bewertung der Ratingagentur Fitch basiert auf harten Fakten und deswegen kann es gut sein, dass auch ein vermeintliches Schnäppchen auf dem Aktienmarkt am Ende dann doch nur ein teurer Flop wird.