Neben vielen anderen Faktoren, ist der Spielerschutz ein elementarer Bestandteil des neuen Glücksspielstaatsvertrags. Dazu zählen auch ab dem 1. Juli 2021, dem Zeitpunkt, an dem der Vertrag in Kraft tritt, Spielersperren in Spielhallen und an den Aufstellplätzen in der Gastronomie zu überprüfen. Der Fachverband Gastronomie Aufstellunternehmer e. V. (FGA) mit Sitz in Berlin ist eine Untergruppierung des Bundesverbands Automatenunternehmer e.V. . Er informierte vor kurzem seine Mitglieder und andere Interessierte über die „Online-Abfrage Spielerstatus“, kurz OASIS. In den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz sammelt man schon länger Erfahrungen mit diesem System. Nun soll es bundesweit in Kraft treten. Jeder Spieler oder jede Spielerin, die das Angebot eines Betreibers wahrnimmt, muss sich vor der Nutzung der Slots oder anderer Geräte mit seinen, bzw. ihren persönlichen Daten ausweisen. Diese werden dann mit der zentralen Datei für Spielersperren abgeglichen. Falls ein Eintrag vorhanden sein sollte, muss die Spielstätte verlassen werden.

FGA gibt Erfahrungsbericht zu OASIS

zwei Spielautomaten

Mit der bundesweiten Einführung von OASIS kommt man auch einer Forderung des Dachverbandes Deutscher Automatenwirtschaft nach, der in der Spielersperre eine Garantie für mehr Qualität und einen effizienteren Spielerschutz sieht. Georg Stecker, Vorstandssprecher der DAW, fordert die Mitglieder seines Verbandes und Angehörige der Branche dazu auf, trotz oder gerade aufgrund der Schließung vieler Einrichtungen, die Zeit dazu zu nutzen, das Kontrollsystem zu installieren und auf eine Öffnung vorbereitet zu sein. Er führt aus: „Ich bin mir sicher: Unsere Branche wird die Einführung der Sperrdatei meistern und einmal mehr zeigen, dass sie es ernst meint mit einem wirksamen Jugend- und Spielerschutz beim gewerblichen Automatenspiel.“ Dazu muss jeder Betreiber von Glücksspielgeräten ab dem 1. Juli dieses Jahres einen OASIS-Nutzungsvertrag auf der Homepage des Regierungspräsidiums Darmstadt schließen und einen Anbieter für die Installierung des Sperrsystems wählen. Dabei bieten natürlich die großen Unternehmen der Branche jeweils ihre eigene Lösung an. MerkurNET der Gauselmann Gruppe aus Espelkamp bietet verschiedene Varianten seines Systems an. Der Nutzer hat die Wahl zwischen Geräten zur manuellen Eingabe der Spielerdaten bis hin zu Varianten mit vollautomatischem Zugang in die Spielhalle mit Webcam. BWN.gate von BALLY WULFF bietet auch eine Reihe von individuellen Lösungen an. Diese reichen von der einfachen Überprüfung der Spielerdaten mit dem PC bis hin zur vollautomatischen Zutrittslösung mit Spielgastkarten mit biometrischen Daten durch Speicherung des Fingerabdrucks und Schrankensystemen.

Natürlich gibt es auch weitere Möglichkeiten, wie z.B. der Social Guard, der eine App mit Ausweisscanner zur Spielerabfrage mitbringt, die die Betreiber auf ihrem Smartphone installieren können oder das BLOCKEO Zutrittskontrollsystem von DVS-Gröger. Von ihren Erfahrungen mit OASIS können ja schon Betreiber von Spielstätten in Hessen und Rheinland-Pfalz berichten. Oliver Ickenroth von SI-Entertainment in Frankfurt/Main berichtet, dass alles ohne Probleme laufen würde, das Publikum besser wäre und die Atmosphäre angenehmer geworden sei. Ein anderer Betreiber, Timo Schwarzer von Astro Automaten in Bad Homburg, unterstreicht den Vorteil der Einheitlichkeit: „Wir haben durchweg positive Erfahrungen mit OASIS gemacht, und für die Spielgäste ist es zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Es ist sehr gut, dass das Spielersperrsystem jetzt für Spielhallen und Gastronomie gleichermaßen gilt. Einem gesperrten Gast zu erklären, dass er bei uns keinen Zutritt erhält, jedoch gegenüber in der Gastronomie dasselbe Produkt jederzeit spielen kann, ist für reine Spielhallen-Unternehmer nur schwer erklärbar.“

FGA sieht OASIS als wichtiges Instrument für die Spielersperre

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten der Sperre, eine Selbstsperrung oder eine Fremdsperrung. Bei der Selbstsperrung erfolgt diese direkt durch den Spieler, entweder in der Spielhalle oder direkt bei der Sperrdatei führenden Behörde. Dazu gibt es entsprechende Formulare. Bei der Fremdsperrung ist das Verfahren etwas komplizierter. Es ist aber nicht so, dass jeder einen Dritten sperren lassen kann. Sperren lassen kann nur der Anbieter eines Glücksspiels, wenn der Verdacht besteht, dass die Sperre aufgrund einer sich anbahnenden Glücksspielsucht begründet ist oder durch Vorlage von Dokumenten, die tatsächlich durch mittelbar Beteiligte beigebracht werden. Diese können z.B. der Lebenspartner sein oder betreuende Personen aus der Suchthilfe, aber in jedem Fall hat der betroffene Spieler das Recht, vorher angehört zu werden.

Die Mindestlaufzeit einer Sperre beläuft sich auf drei Monate nach dem neuen Glücksspielstaatsvertrag. Diese muss aber explizit angegeben werden. Wird keine Dauer angegeben, beläuft sich die Sperre automatisch auf zwölf Monate und lässt sich auch nicht mehr aufheben. Eine automatische Aufhebung erfolgt auch nicht nach den zwölf Monaten, sondern muss beantragt werden. Die Bearbeitungszeit durch die zuständige Behörde beträgt bei der Selbstsperrung eine Woche und bei einer Fremdsperrung einen Monat. In der Regel wird die Antragstellung auf Entsperrung von der Spielhalle übernommen. Es scheint also wirklich so zu sein, als wenn mit OASIS ein System geschaffen wurde, das ein wichtiges Instrument für den Spielerschutz sein kann. Falls die Spielhallen im Juli endlich wieder öffnen können, wird es sicherlich flächendeckend zum Einsatz kommen.