Vielleicht winkt dort der Erfolg. Denn in der Formel 1 läuft es für den Rennstall aus Maranello aktuell ja nicht so besonders gut. Aber dies kann und soll in der virtuellen Welt des SimRacing ganz anders aussehen. Aus diesem Grund gründet die italienische Sportwagenschmiede seine eigene SimRacing Rennserie: die Ferrari Hublot Serie. Einige werden bestimmt glänzende Augen bekommen und mit den Hufen scharren, wenn es darum geht, sich für die Qualifikationen anzumelden. Die stehen bzw. standen nämlich jedem europäischen Gamer ab dem 7. August 2020 offen. Ausgetragen wird die Serie in der Rennsimulation Assetto Corsa des italienischen Entwicklers Kunos Simulazioni. Ferrari entwickelte dafür eigens einen neuen Wagen, den Ferrari 488 Challenge Evo, der eine spezielle Lackierung erhält. Wobei auf ein Einheits-Setup verzichtet wird. Jeder Pilot kann und muss sein Fahrzeug auf die jeweilige Strecke und den Fahrstil individuell anpassen. Nicola Boari (Chief Brand Diversification Officer bei Ferrari) und Valerio Piersanti  (Head of Business Development) präsentierten den neuen Wettbewerb auf einer Pressekonferenz nicht ohne Stolz und hatten mit dem Formel 1 Fahrer und SimRacing Fan Charles LeClerc einen sehr guten Markenbotschafter an ihrer Seite.

Nur die Besten der Besten 

Ferrari eSportWie eingangs beschrieben können sich seit Anfang August alle kommenden Rennfahrer über die Website von Ferrari anmelden. Im September findet dann eine Qualifikationsrunde statt, in der die 24 besten Amateurfahrer für die Teilnahme an der Ferrari Hublot Esports AM-Serie ermittelt werden. Parallel dazu startet ein Wettbewerb von 24 PRO-Fahrern, die auf denselben Strecken wie ihre AM-Kollegen agieren müssen. Die 12 schnellsten Fahrer der AM- und PRO-Serie werden in einer letzten Startaufstellung von 24 zusammenkommen und im Oktober in vier Rennen kämpfen. Die Elite wird sich im November für das Finale qualifizieren, wenn der endgültige Gewinner nach einem Kampf in drei Rennen ausgewählt wird. Dem Gesamtsieger wird die „Erfahrung seines Lebens“ geboten: die Möglichkeit, sich für die Saison 2021 dem Ferrari eSports FDA-Team anzuschließen. Während diese Rolle hauptsächlich als Reservefahrer besteht, hat der Gewinner die Möglichkeit, an Veranstaltungen teilzunehmen - und zwar an einer Vielzahl von eSportturnieren - nicht nur an der F1 - und wenn sie wirklich gut sind, könnten sie an der Seite des aktuellen F1-eSport-Champions David Tonizza auf höchstem Niveau agieren. Charles LeClerc steht während der gesamten Rennserie beratend zur Seite und wird wertvolle Tipps und Ratschläge geben können. Wer aber meint, von der Konsole auf die richtige Rennstrecke wechseln zu können, da wird die Erwartung bei Ferrari gedämpft. Nicola Boari sagt dazu: „Ich denke, es braucht sehr spezielle Skills, um ein eSports-Fahrer zu werden. Du musst viel üben und trainieren, um das Level zu erreichen, das David erreicht hat", und weiter: „Wir haben Pläne für David Tonizza, aber diese beinhalten, dass er weiterhin eSports-Titel gewinnt. Die beiden Karrieren in Realität und im eSports sollten getrennt bleiben."

Der Schweizer Luxusuhrenhersteller Hublot nimmt seine Partnerschaft mit Ferrari in die virtuelle Welt des eSports auf, während der „technische Partner“ Thrustmaster ist, der weiterhin eine breite Palette von Ferrari-lizenzierten Lenkrädern für Konsolen und PCs produziert. Ironischerweise hatten Thrustmaster-Räder beim Start zunächst Anlaufschwierigkeiten bei Assetto Forza Competizione, aber man hofft, dass diese Probleme zu Beginn des Rennens behoben sind. 

Voll im Trend

Ferrari liegt mit der Gründung seiner eigenen Rennserie in einem internationalen Trend. Immer mehr Autohersteller engagieren sich im eSport Bereich, insbesondere im SimRacing. Letztens ist erst BMW eine Kooperation mit Jochen Schweizer eingegangen, um ein eigenes Team auf die Beine zu stellen. Eigentlich kommt kein Sportwagenhersteller bzw. Autohersteller um ein Engagement im eSport herum. Wobei nicht alle von dessen Nutzen überzeugt sind. Sind die Zahlen an Usern und Zuschauern im Zuge der aktuellen Krise im Moment auch sehr hoch, so waren sie vor der Krise doch recht überschaubar, was insbesondere das SimRacing betrifft. „Es bringt nicht viel, das ist Fakt. Die Reichweite im Internet ist extrem verästelt, daher ist der zentrale Faktor, wie viel Medienwert ich pro eingesetztem Euro wirklich erhalte, kaum seriös zu beantworten." So ein Statement von Marco Ujhasi, Leiter der eSport-Abteilung bei Porsche. „Durch die Krise feiert E-Sports gerade eine große Party, doch schon 2021 könnte der Kater folgen, wenn der reale Motorsport mit Wucht zurückkommt.

Keine guten Aussichten?

Dies verspricht keine guten Aussichten für das SimRacing. Dennoch ist nicht zu erwarten, dass es zu einem dramatischen Rückzug von Autoherstellern kommt, wie es z.B. gerade in anderen Bereichen des eSports zu beobachten ist, denn viele Bundesliga Vereine ziehen sich derzeit aus dem eSport zurück. Letztendlich geht es darum, die Kunden von Morgen zu gewinnen und sie an eine Marke zu binden. Und diese zocken halt lieber auf dem PC oder an einer Konsole, als sich ein Formel 1 Rennen live im Fernsehen anzusehen. Vielleicht wird sich das Engagement verschieben, aber ganz darauf verzichten kann sich niemand leisten. Allein aus Prestigegründen nicht. So wird man auch in Zukunft in Wagen von Ferrari oder Porsche über diverse Rennstrecken fahren können. Und mit der technischen Entwicklung wird das Erleben noch realistischer und intensiver werden. Die Hersteller werden von beiden Welten, der virtuellen und der realen, ihren Nutzen ziehen können und Synergieeffekte generieren.