Lange war es in der politischen Landschaft still um die Frage, ob eSport denn nun „richtiger“ Sport sei oder nicht. Dass es hierbei nicht nur um eine Glaubensfrage, sondern auch um handfeste Auswirkungen für den eSport geht, ist für jeden Beteiligten klar. Nun unternimmt die Freie Demokratische Partei Deutschlands einen neuen Vorstoß. Mehrere Abgeordnete der FDP im Bundestag wollen durch ein Positionspapier den Stellenwert des eSport fördern. So sagte Britta Dassler, sportpolitische Sprecherin und Obfrau der FDP-Bundestagsfraktion: „Wir fordern die Anerkennung von eSport als Sport", und weiter: „Eine Gesellschaft, die zunehmend von der Digitalisierung geprägt ist, entwickelt sich rasant weiter. Wir Freie Demokraten sind offen für digitale Innovationen, um den eSport in all seinen positiven Facetten zu fördern und zu stärken." Dazu wurde auch das Positionspapier mit dem Titel: "A Bug is no Feature ? Für einen starken Games-Standort Deutschland" veröffentlicht.

Sport oder doch kein Sport – das ist hier die Frage

Frau ESportsBeim Glücksspiel hat es doch auch geklappt: Die Befürworter und die Gegner haben sich an einen Tisch gesetzt und sogar einen neuen Gesetzentwurf verabschiedet, der seriösen Online Casinos bzw. Online Spielbanken Legalität verspricht.  Eigentlich sollte auch im Bereich eSport alles klar sein. In dem Koalitionsvertrag der jetzigen Bundesregierung – der CDU und der SPD – aus dem Jahre 2018 steht eindeutig geschrieben: „Wir erkennen die wachsende Bedeutung der eSport-Landschaft in Deutschland an. Da eSport wichtige Fähigkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung sind, Training und Sportstrukturen erfordert, werden wir eSport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen.“ Nun mahlen die Mühlen manchmal recht langsam, und es gibt auch politische Personen, die sich schon einmal inhaltsschwanger mit „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ geäußert haben, aber man hatte doch gedacht, dass es nun keine Diskussionen mehr um dieses Thema geben sollte. Mitnichten. Bisher hat sich um das Thema Anerkennung recht wenig getan, fast könnte man sagen, es hat sich sogar zurückentwickelt, wobei man sich selbst innerhalb einer einzigen Partei nicht einig zu sein scheint. So nahm im letzten Jahr Detlev Pilger (SPD) als sportpolitischer Sprecher folgendermaßen Stellung: „Die Frage, ob eSport als Sportart anerkannt werden sollte oder nicht, hat der Deutsche Olympische Sportbund in seiner Positionierung im vergangenen Jahr eindeutig abgelehnt. Davon ausgenommen sind Spiele, die Sportarten in einer Simulation nachstellen ohne die Sport prägenden Werte von Fairplay, Toleranz und Miteinander in Spielen mit gewalttätigen Inhalten zu gefährden.“

Genau vor diesem Hintergrund bilden immer mehr Vereine eSport-Abteilungen, um junge Menschen für sich und den dort ausgeübten Disziplinen wie Fußball oder Basketball, zu gewinnen. Diesen Trend möchten wir unterstützen, indem wir diesen Vereinen weiterhin die Anerkennung der Gemeinnützigkeit für ihre sportlichen Tätigkeiten zusichern. Schließlich ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche sich auch jenseits des Schulsports vermehrt bewegen, da bereits heute schon zu viele von ihnen unter Übergewicht leiden.

Damit unterstützen wir den modernen Anspruch der jungen Gesellschaft und stärken gleichzeitig die Sportvereine in ihrem Streben, mit neuen Angeboten Kinder und Jugendliche für sich zu gewinnen. Die Förderung von Gewaltspielen lehnen wir hingegen aus sportlichen Gründen heraus grundsätzlich ab.“ Dies bedeutet also, eSport ist nicht gleich eSport, sondern nur, wenn er bestimmte Faktoren erfüllt. Die Aussage des digital politischen Sprechers der SPD, Jens Zimmer, nur kurz nach der Veröffentlichung seines Kollegen klang aber ganz anders: „Dass es auch in der SPD-Fraktion Diskussionen mit den Vertreterinnen und Vertretern des organisierten Sports gibt, wurde in einer Anhörung des Sportausschusses des Bundestages deutlich. Die Ergebnisse der Anhörung werden allerdings zu keiner Veränderung der Position der SPD-Fraktion führen.“ Was denn nun?

Keine Klarheit in der Politik

Was denn nun hat sich wohl auch die FDP gefragt und ist deswegen aktiv geworden. Für die CDU, die CSU und den Deutschen Olympischen Sportbund ist es sowieso ganz einfach: eSport ist kein richtiger Sport, schon einmal gar nicht, wenn er nicht die klassischen Sportarten abbildet. Bei diesen, wie z.B. Fußball, Handball oder Motorsport, kann es vielleicht zu einer Diskussion kommen. Bei den anderen Arten des eSport wie z.B. League of Legend, auf gar keinen Fall. Aber warum wird so heftig gestritten? Letztendlich geht es auch um Geld. Würde man eSport als Sport anerkennen, so müsste man den eSport-Vereinen auch die Gemeinnützigkeit anerkennen, was viele steuerliche und rechtliche Vorteile hätte. Aber dies scheint man zu scheuen. An diesem Punkt hinkt man in Deutschland der internationalen Entwicklung etwas hinterher. eSport ist z.B. für die Olympischen Sommerspiele 2021 als Disziplin fixiert und Sportverbände in den USA, Brasilien, China oder Frankreich haben eSport schon als Sportart anerkannt. eSport ist ja keine Randerscheinung mehr und entwickelt sich immer stärker zu einem florierenden Wirtschaftsfaktor. Deswegen wird wahrscheinlich auch der Druck seitens der Wirtschaft auf die Politik wachsen. Auch wenn der Sportminister Horst Seehofer in diesen Tagen vornehmlich mit anderen Fragen beschäftigt ist, wird sich die Frage der Anerkennung wieder aufdrängen. Die FDP hat dazu einen ersten Schritt getan.