Der FC Liverpool muss der Sponsoren-Agentur Winlink keine Provision in Höhe von 1,125 Millionen Pfund für einen Deal mit BetVictor bezahlen. Das hat ein Gericht nun abschließend entschieden. In dem Verfahren ging es um einen Sponsorenvertrag im Wert von 15 Millionen Pfund. Winlink reklamierte für sich, den Deal möglich gemacht haben und wollte dafür eine Provision kassieren.

Keine Beteiligung für Winlink am BetVictor-Deal

FC LiverpoolAufmerksame Fußballfans wissen, dass der FC Liverpool und BetVictor einen erfolgreichen Sponsorendeal hatten. Im aktuellen Verfahren ging es um den Vertrag, der im Jahr 2016 unterschrieben worden ist. In diesem Vertrag wurde eine Zusammenarbeit für ein Jahr vereinbart. Später kam es dann zu einer Verlängerung. Die erste Vertragsunterschrift hatte einen Wert von 5 Millionen Pfund. Das ist viel Geld und deswegen ist es vielleicht nicht erstaunlich, dass sich die Sponsoren-Agentur Winlink dazu entschieden hat, eine Klage gegen den FC Liverpool zu führen, um eine Provision zu bekommen. Warum sollte Winlink Anrecht auf eine Provision haben? Nach Angaben der Anwälte des Unternehmens vor Gericht sei der Kontakt zwischen dem FC Liverpool und BetVictor erst zustande gekommen durch die Vermittlung von Winlink. Wie kommt Winlink zu dieser Einschätzung? Im Jahr 2013 hatte einer der Manager von Winlink den Kontakt zu BetVictor hergestellt. Nach Auffassung von Winlink genügte das, um später dann den Deal mit dem Buchmacher abzuschließen. Doch diese Auffassung widersprach das Gericht. Die pure Vermittlung des Kontakts zwischen dem FC Liverpool und BetVictor reiche nicht aus, um eine Provision in Höhe von 1,125 Millionen Pfund zu kassieren. Zudem konnte der FC Liverpool sehr detailliert belegen, dass beim Deal, der ab 2015 verhandelt worden ist, ganz andere Faktoren entscheidend waren. Die entscheidende Aussage der Anwälte des FC Liverpool: Auch ohne die Vermittlung von Winlink im Jahr 2013 wäre der Deal im Jahr 2016 unterschrieben worden. Dieser Auffassung schloss sich das Gericht an.

Als im Jahr 2015 die Verhandlungen zwischen dem FC Liverpool und BetVictor begannen, spielte es eine große Rolle, dass Raffaela Valentino kurz vorher zum Team des FC Liverpool gestoßen war. Die Marketingspezialistin hatte schon zum damaligen Zeitpunkt eine langjährige persönliche Beziehung zu dem CEO von BetVictor, Andreas Meinrad. Diese persönliche Beziehung war der Hauptgrund dafür, dass die Verhandlungen aufgenommen und zum Erfolg geführt werden konnten. Für Winlink hat das Verfahren Kosten in erheblicher Höhe verursacht. FC Liverpool darf sich hingegen darüber freuen, dass in schwierigen Zeiten keine zusätzlichen Kosten anfallen. Aber es kann gut sein, dass viele andere Fußballclubs in England, die das Verfahren verfolgt haben, in Zukunft sehr genau hinschauen werden, von wem sie sich Kontakte vermitteln lassen. Gegebenenfalls sollte frühzeitig vertraglich eine Provision vereinbart werden, um spätere Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden. Völlig aussichtslos war die Klage von Winlink vermutlich nicht. Aber es wäre schon ein starkes Stück gewesen, wenn das Unternehmen nur durch die Vermittlung des Kontaktes 1,125 Millionen Pfund eingenommen hätte. Wenn das funktionieren würde, sollte vielleicht der eine oder andere Berater sein Geschäftsmodell überdenken. Aber glücklicherweise haben die Richter eine praxisnahe Entscheidung getroffen, die es Unternehmen wie Winlink in Zukunft schwerer machen wird, von den großen Deals in der Fußballbranche zu profitieren. In der Öffentlichkeit wird nur selten darüber diskutiert, welche Deals in den Hinterzimmern der Fußballclubs abgeschlossen werden. Bekannt ist, dass die Spielerberater sehr viel Geld verdienen. Aber das aktuelle Verfahren legt nahe, dass auch beim Marketing und Sponsoring Unternehmen mitverdienen, die Vermittlerdienste übernehmen.

Warum Klage gegen FC Liverpool und nicht gegen BetVictor?

Eine spannende Frage im aktuellen Verfahren drängt sich geradezu auf: Warum hat Winlink gegen den FC Liverpool und nicht gegen BetVictor geklagt? Die Antwort ist wahrscheinlich, dass der FC Liverpool die Partei in dem Sponsorendeal war, die Geld kassiert hat. Deswegen liegt es vermutlich nahe, vom FC Liverpool den Anteil am Geschäft einzuklagen. Aber hätte nicht auch BetVictor die Provision an Winlink zahlen können? Vielleicht wird es sogar noch eine Klage gegen BetVictor geben, auch wenn das eher unwahrscheinlich ist. Die Argumente des Gerichts, die gegen eine Zahlung des FC Liverpool sprechen, würden auch für BetVictor gelten. Eine ganz andere Frage, die sich viele Beobachter des Verfahrens stellen, dürfte sein: Warum braucht ein Fußballclub, der eine professionelle Marketingabteilung beschäftigt, einen teuren Vermittler, um in Kontakt mit einem Sportwettenanbieter zu kommen? Ist es nicht die originäre Aufgabe der Marketingabteilung, diese Kontakte herzustellen, ohne dafür eine Vermittlerfirma in Anspruch zu nehmen? Wäre es nicht einfacher, direkt beim Buchmacher anzurufen? In vielen Branchen, in denen Millionen und Milliarden umgesetzt werden, gibt es die Tendenz dazu, Vermittler an verschiedenen Stellen zu nutzen. Die großen Konzerne zahlen schon seit Jahrzehnten unfassbare Summen an Beraterfirmen, die dann am Ende meistens einen Stellenabbau empfehlen. Vielleicht sollte die Fußballbranche einmal hinterfragen, warum es überhaupt zu Gerichtsverfahren wie zwischen dem FC Liverpool und Winlink kommen kann? In jedem Fall dürfte das Urteil Folgen haben für ähnliche Fälle, denn es ist nicht zu erwarten, dass es sich um einen Einzelfall gehandelt hat.

Die Vermittlung von Kontakten kann hilfreich sein. Aber ob ein Kontakt 1,125 Millionen Pfund wert sein kann, ist dann doch eine ganz andere Frage. Auch wenn der Sponsorendeal am Ende eine beeindruckende Summe von insgesamt 15 Millionen Pfund wert war, sind 1,125 Millionen Pfund doch eine Menge Geld für die Vermittlung eines Kontaktes. Der Fairness halber muss aber erwähnt werden, dass es wahrscheinlich nicht nur darum ging, Telefonnummern auszutauschen. Die Aufgabe von Firmen wie Winlink besteht auch darin, überhaupt geeignete Partner für einen Sponsorendeal zu finden. Es ist vermutlich eine etwas zu naive Vorstellung davon auszugehen, dass ein Buchmacher, der Werbung machen möchte, es alleine schaffen kann, den passenden Fußballclub zu finden. Der FC Liverpool hätte sicher BetVictor nicht abgewiesen bei einer Anfrage, die einen entsprechend hoch dotierten Deal in Aussicht gestellt hätte. Es gibt viele kleine und große Fragen rund um das aktuelle Verfahren, die vermutlich nicht öffentlich diskutiert werden. Aber es ist davon auszugehen, dass das Gerichtsverfahren beim FC Liverpool und auch bei BetVictor einige Veränderungen bereits herbeigeführt hat. Weder der Fußballclub noch der Buchmacher möchte in Zukunft in ähnliche Verfahren verstrickt werden. Gerichtsverfahren kosten alle beteiligten Parteien nur Geld. Zudem gibt es noch das Prozessrisiko. Wenn die Sache für den FC Liverpool schlecht ausgegangen wäre, wäre neben den vermutlich hohen Anwaltskosten auch noch die Zahlung von 1,125 Millionen Pfund plus Zinsen angefallen. Das hätte den FC Liverpool nicht ruiniert, aber auch Sponsorendeals in anderen Größenordnungen mit entsprechend höheren Provisionen sind denkbar.

Fußballbranche und Buchmacher passen gut zusammen

Was braucht ein Fußballklub wie der FC Liverpool unbedingt? Sponsoren! Die Zeiten, in denen ein Club vor allem mit den Besuchern im Stadion Geld verdienen konnte, sind vorbei. Es gibt zwei wichtige Einnahmequellen für einen Fußballclub wie den FC Liverpool, die deutlich wichtiger sind als die Besuchereinnahmen: TV-Rechte und Sponsoren. Die TV-Gelder und die Sponsorenverträge sind untrennbar verbunden. Ein Sponsor wie BetVictor ist bereit, sehr viel Geld zu bezahlen, weil die Marke nicht nur im Stadion, sondern auch im Fernsehen zu sehen ist. Je größer die Reichweite ist, desto wertvoller ist das Sponsoring. In Großbritannien werden die Live-Spiele ausschließlich im Pay-TV gesendet. Aber Zusammenfassungen gibt es im Free TV. Darüber hinaus ist ein Club wie der FC Liverpool in den Medien und auch in den sozialen Medien sehr präsent. Deswegen gibt es viele Anknüpfungspunkte für Fans des FC Liverpool, die Sponsoren wahrzunehmen und somit den Sponsorendeal lukrativ zu machen. Für die Buchmacher ist es entscheidend, die Marke in einem positiven sportlichen Umfeld zu präsentieren. Ein Club wie der FC Liverpool, der ein überragendes Image und eine großartige Fankultur hat, bietet genau die richtigen Rahmenbedingungen für einen erstklassigen Wettanbieter.

Fast alle Fußballclubs haben Sponsorendeals mit Buchmachern, nicht nur in England. Auch in Deutschland gibt es viele Vereine, die mittlerweile für Sportwetten werben. Es liegt nahe, den populären Fußball zu nutzen. Aber nicht jeder Sponsorendeal ist so wertvoll wie der Vertrag, dem der FC Liverpool und BetVictor hatten. Die kleinen und mittleren Buchmacher, die um Kunden werben, müssen mitunter auch in der zweiten oder in der dritten Liga anfangen mit Sponsorendeals, da die Kosten für einen Sponsorenvertrag mit den Top-Clubs doch erheblich sind. Nicht jeder Sportwettenanbieter ist so gut aufgestellt wie BetVictor. Ein Problem für die Buchmacher und auch für die Fußballclubs könnte werden, dass es zunehmend Restriktionen bei der Werbung für Sportwetten gibt. In Großbritannien wird derzeit diskutiert, ob die Werbung für Sportwetten nicht komplett verboten werden sollte. In Deutschland soll die Werbung für Sportwetten mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag ab Mitte 2021 erheblich eingeschränkt werden. Auch in Spanien, Italien und anderen europäischen Ländern wird darüber diskutiert, wie die Werbung für Sportwetten in Zukunft aussehen soll. Eine Sache ist klar: Weltweit bekannte Fußballvereine wie der FC Liverpool werden auch ohne Sportwettenanbieter gut Sponsorendeal bekommen. Aber die vielen Mittelklasse-Vereine, die es in allen Ligen gibt, werden es schwer haben, Sponsorenverträge mit Buchmachern zu ersetzen, falls die rechtlichen Rahmenbedingungen Werbung für Sportwetten erschweren oder unmöglich machen.

Hier mehr über den Erfolg des FC Liverpool vor Gericht lesen (auf Englisch).