Dass sich prominente Sportler oder Sportfunktionäre als Testimonials für Online Casinos und Online Sportwettenanbieter zur Verfügung stellen ist hinlänglich bekannt. Dass selbst ehemalige Spitzenpolitiker keine Scheu davor haben, mit dem Glücksspiel in Verbindung gebracht zu werden, scheint dagegen neu. Doch so neu ist das gar nicht, wenn man einmal hinter die Kulissen schaut. Den Wechsel von der politischen Macht in die Wirtschaft haben bereits einige schwergewichtige Polit-Profis vorgemacht. Schauen wir uns beispielsweise unseren Ex-Bundeskanzler und SPD-Urgestein Gerhard Schröder an. Ihn zog es unmittelbar nach seiner Abwahl in den Aufsichtsrat der Nord Stream AG, einem internationalen Konsortium von fünf großen Energieunternehmen, die u. a. eine Pipeline für den Erdgastransport von Russland über die Ostsee nach Deutschland betreibt. Zu Daimler ging der ehemalige CDU-Staatssekretär Eckhart von Klaeden nach seiner politischen Karriere, und FDP-Mann und Ex-Entwicklungsminister Dirk Niebel engagierte sich erfolgreich in der Interessensvertretung von Rheinmetall, einem Rüstungskonzern. Jetzt betritt auch unsere Ex-Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Kristina Schröder, das Parkett des wirtschaftlichen Lobbyismus.

Nicht die erste Ex-Ministerin, die sich vor den staatlichen Glücksspiel-Karren spannen lässt

Insider-Informationen zufolge soll der Deutsche Lotto- und Totoblock (DLTB) an die ehemalige Politikern herangetreten sein und sie beauftragt haben „... ihre Kontakte für das staatliche Glücksspiel einzusetzen“. Gemessen daran, dass die 43-Jährige in ihrer bisherigen Karriere nur wenig Berührungspunkte mit diesem Thema hatte, wirkt dieser Vorstoß des DLTB auf den ersten Blick vielleicht etwas merkwürdig. Andererseits fiel die Wahl vermutlich auf sie, weil Schröder im letzten Jahr bei etlichen Landespolitikern die Aufmerksamkeit auf das staatliche Lotto gelenkt hatte. Im Vorfeld der Debatten zum neuen Glücksspielstaatsvertrag hatte sie sich enorm darum bemüht, die Kollegen auf das staatliche Glücksspiel einzuschwören, da in ihren Augen nur dieses „... den Spieltrieb der Menschen in geordnete Bahnen kanalisieren“ könne. Der Deutsche Lotto- und Toto Block soll inzwischen die Anfrage bestätigt haben, dass die Kristina Schröder Consulting GmbH eine Beratertätigkeit für den DLTB aufgenommen hat. Als Vertragspartner wird der „... federführende Blockpartner, also die Lotto Rheinland Pfalz GmbH“ genannt. Zu weiteren Angaben die Aufgaben, das Honorar und die allgemeinen Geschäftsbeziehungen betreffend, wollte sich der DLTB nicht äußern. Sicher ist, dass der Deutsche Lotto- und Totoblock in seinen eigenen Fußstapfen bleibt und sich namhafte Politiker als Lobbyisten einkauft. Als Interessenvertreter der staatlichen Lottogesellschaften ließen sich vor Kristina Schröder bereits der Ex-Leiter der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei Martin Stadelmaier (SPD), der Ex-Bürgermeistermeister Hamburgs Ole van Beust (CDU) und der Ex-Staatssekretär des Bundesinnenministeriums Ole Schröder (CDU) vor den Glücksspiel-Karren spannen.  

Ex-Ministern winken gut dotierte Posten im staatlichen Glücksspiel

Den Namen der Beratungsfirma, die Frau Dr. Schröder mit ihrem Ehemann betreibt, änderte das Paar vor gut einem Jahr, da Ole Schröder in den Vorstand der Schufa Holding AG, einer privatwirtschaftlichen deutschen Wirtschaftsauskunftei, berufen wurde. Aus Kristina und Ole Schröder Consulting GmbH wurde daraufhin Kristina Schröder Consulting GmbH. Auf Anfragen zur Tätigkeit für den DLTB antwortete Frau Schröder: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir über Mandate und Vertragsbeziehungen grundsätzlich keine Auskunft geben.“ In den Augen Wolfgang Kubickis, FDP-Mann und aktueller Bundestagsvizepräsident, macht die Lobbyarbeit für das staatliche Glücksspiel überhaupt keinen Sinn. „Wenn der Chef einer Landes-Lottogesellschaft etwas auf dem Herzen hat, kann er direkt im Finanzministerium des Landes oder bei den Fachpolitikern anrufen, dafür braucht es keine weiteren Interessenvertreter“, sagt er und fügt hinzu: „Die Beschäftigung von Frau Schröder und vielen anderen hat nur den Zweck, ehemalige Politiker oder Amtsträger mit gut bezahlten Posten im Lotto-Block zu versorgen.“ Es ist nicht das erste Mal, dass eine solche Besetzung von „Positionen im staatlichen Glücksspiel“ für Kontroversen sorgt. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich  „... ehemalige Staatsdiener nach der politischen Karriere im Chefsessel einer Landeslotterie wiederfinden.“ In diesem Zusammenhang lohnt sich beispielsweise ein Blick nach Rheinland-Pfalz. Dort hatte Jürgen Häfner (SPD), der Ex-Staatssekretär des Innenministeriums, im Jahre 2014 nach einer Affäre rund um Lotto ohne jegliche Ausschreibung den Posten des Geschäftsführers erhalten. Ein weiterer Blick lohnt nach Baden-Württemberg, wo im Jahre 2013 Lotto-Boss Friedhelm Repnik (CDU) von der SPD-Frau Marion Caspers-Merk, Ex-Staatssekretärin des Bundesgesundheitsministeriums, abgelöst wurde. Diesen außerordentlich gut dotierten Posten gab sie dann fünf Jahre später an Georg Wacker (CDU). Natürlich gibt es auch sogenannte Doppelspitzen, wie beispielsweise bei Saarlotto. Dort ist sie schwarz-rot, und die Geschäftsführung wird von SPD-Mann Michael Burkert, Ex-Präsident des Saarbrücker Stadtverbandes und CDU-Mann und Ex-Finanzminister Peter Jacoby geteilt. Delikate Personalwechsel gab es vor kurzem auch im Hauptstadtbüro des Deutschen Lotto- und Totoblocks. Im vergangenen Jahr zog sich plötzlich Martin Stadelmaier (SPD) als „Chef-Lobbyist“ zurück und führte seine Partei-Gefährtin Ulrike Hiller ein. Ein DLTB-Sprecher erklärte auf Anfrage: „Frau Hiller ist Juristin und verfügt über hervorragende Kenntnisse im Glücksspielwesen. So hat sie als ehemalige Abgeordnete der Bremer Bürgerschaft bereits die Beratungen des ersten Glücksspielstaatsvertrages unmittelbar begleitet.“ Bei dieser Personalie soll angeblich keine Rolle gespielt haben, dass Frau Hiller mit dem Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) verheiratet ist.