Totgesagte leben länger, oder wie war das? Nun ja, totgesagt war er gerade nicht, aber es war still geworden um eine schillernde Figur der Gründungs- und Start-Up-Szene. Der 34-Jährige Sebastian Diemer war in jungen Jahren an einigen viel sprechenden Geschäften beteiligt, die alle mehr oder weniger eine Revolution in die Wege leiten sollten, aber letztendlich aus unterschiedlichen Gründen gescheitert sind. Der einstige Pionier der Fintech-Szene in Deutschland kehrt er nun also zurück auf das Parkett der Start-Ups. Wallfair soll die neue Firma heißen und Neuerungen für den Markt der Online Sportwetten bringen. Inwieweit diese Neuerungen auch für Online Casinos relevant sind, ist derzeit noch nicht bekannt.

Neues Spiel, neues Glück mit Krypto-Start-Up für die Wett-Branche

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Die Zeit des Bergsteigens, Gassi Gehens und Autofahrens scheint vorbei zu sein. Denn dies waren die letzten Aktivitäten, die Sebastian Diemer auf seinem Instagram-Account postete. Kurz in Erscheinung trat er vor kurzer Zeit noch in einem Bericht der Bild Zeitung, in welchem er berichtete, dass er 30.000,- Euro mit „Aktienzockerei der Gamestop Aktie“ verdient hätte. Ausführlich erläutert er dort sein Vorgehen und seine Beweggründe: „Wir haben uns im Netz mit anderen abgesprochen, um mit der Gamestop-Aktie beispielsweise zwei Ziele zu erreichen: Wir wollten zum einen Profit mitnehmen, zum anderen es den Großen da oben zeigen, den Hedgefonds, die entkoppelt von der Realwirtschaft leben und agieren!“ Und warum gerade Gamestop? „Die Bewegung, die dort entstanden ist, hat verschiedene Gründe: Erstens wetteten viele Hedgefonds für den Verfall der Aktie. Zweitens sitzen gerade sehr viele Leute gelangweilt mit zu viel Geld zu Hause, weil sie es nicht für Feiern oder Reisen ausgeben können. Hier trifft also Langeweile auf die Märkte.“ Und weiter:  „Das war ja bis heute unvorstellbar. Man hat erkannt, wie mächtig die Masse ist, wenn man sich verbündet. Es gibt wenig Klientel, die es verdient hat, einen auf den Deckel zu bekommen, wie eben Hedgefonds, die nicht wissen, wohin sie mit ihrem Geld losgelöst von der Realwirtschaft hinsollen.

Das ist ja unfassbar dreist und unethisch, also die Hedgefonds-Manager, die mit Milliarden die Finanzmärkte seit Jahren attackieren, die beschweren sich jetzt, dass ein paar Hunderttausend Leute mit Mini-Einsätzen ihre Wetten zu Fall bringen.“ Soviel also zu seinem Kurzgastspiel als Aktienrevolutionär. Den Gewinn hat er übrigens in Urlaube investiert. Von denen wird er vielleicht in Zukunft etwas weniger haben, falls seine neue Geschäftsidee erfolgreich wird. Schon vor Monaten hatte er versucht mit seiner Website „Simplestocks“ Anleger für seine Aktienstrategie zu gewinnen. Dieses Projekt scheiterte aber, da die Anleger, laut seiner Aussage, eher mit Aktien zocken wollten, als sich für seine Anlagestrategie zu interessieren. Nun also der Start mit einem neuen Projekt. Dies wurde auf Instagram schon angekündigt unter dem Namen „Stealth Crypto Company“. Weitere Informationen – Fehlanzeige. Aber laut Finance Forward baut er an einer Weltfirma unter dem Namen „Wallfair“.

Diemers neuer Coup für die Wett-Branche?

Erfahrungen in Firmengründungen hat der Wahl-Münchener ja zu Hauf gesammelt. 2012 rief er zusammen mit Alexander Graubner-Müller den Kreditgeber Kreditech ins Leben, der lange als Hoffnungsträger galt und mehr als 500 Millionen Euro einsammeln konnte von verschiedenen Geldgebern. Mit mehreren Millionen stieg er aus dem Unternehmen aus, da hatte er die Leitung lange schon nicht mehr und seine Anteile an den südafrikanischen Medienkonzern Naspers verkauft. Die Firma mit Sitz in Hamburg und zwischenzeitlich in Monedo umbenannt, konnte sich aber nicht am Markt halten. Sie musste Insolvenz anmelden und mehr als 100 verloren zu Weihnachten ihren Job. Das Russland-Geschäft konnte noch für 800.000,- Euro verkauft werden, auf den Verkauf weiterer Niederlassungen, wie z.B. Südafrika, wartet man noch. Er ruhte sich nicht aus, und so ging es 2016 für ihn mit dem Factoring-Startup Finiata weiter, das sich nach einem Dreh des Geschäftsmodells, einer neuen Führung und dem Weggang aus Deutschland wieder gefangen hat. Lange hielt es Diemers dort aber auch nicht aus und er investierte in den boomenden Markt des medizinischen Cannabis. Mit dem Startup Framako gelang ihm zwar ein guter Start, aber schnell stürzte die Firma wieder ab. Zwar übernahm die kanadische Firma Agraflora das damals noch solide an der Börse aufgestellte Startup, aber der Wert ist von fast 1 Milliarden Dollar auf jetzt 35 Millionen gesunken und nur noch wenige Beschäftigte sind dort tätig.

Nun also der Wettmarkt. Ein ähnlich schwieriger Markt wie der Cannabis Markt. Mithilfe von „Decentralized Finance“ will Diemers ein neues Angebot etablieren, bei dem jeder auf jegliche Events wetten können soll – ganz gleich, ob Wetter, Wahlen, Aktienkurse oder Corona-Maßnahmen. Einfach soll der Dienst sein, von jedem zu bedienen. Federführend soll Wallfair sein, denen er als Berater zur Verfügung steht. Das Ganze soll ein Open-Source-Projekt werden. Theoretisch kennt er sich mit der Materie aus, lautete doch seine Masterarbeit: „Real-Money vs. Play-Money – Forecasting Accuracy in Online Prediction Markets“ Ob das ausreicht, wird sich zeigen. Es gibt einfach sehr viele Unsicherheitsfaktoren, da jedes einzelne Land ganz unterschiedliche Beschränkungen bei Wetten hat und somit eine sehr individuelle Anpassung geschehen muss. Ähnliche Projekte konnten sich bis dato nicht durchsetzen.