Evolution Gaming hat die Deadline für den Kauf von NetEnt verschoben. Damit reagiert der Glücksspielanbieter auf die Ankündigung der britischen Competition and Markets Authority (CMA), den Deal näher unter die Lupe zu nehmen. Nach dem aktuellen Stand haben die Aktionäre von NetEnt bis zum 20. November Zeit, das Angebot von Evolution Gaming anzunehmen.

Kann Kauf von NetEnt noch scheitern?

NetEnt Evolution GamingEigentlich hätte der Kauf von NetEnt schon unter Dach und Fach sein sollen. Evolution Gaming hatte angekündigt, dass bis zum 2. November der gesamte Deal erledigt sei. Doch der CMA-Review zieht sich länger hin, als ursprünglich angekündigt worden war. Bis zum 16. November braucht die Behörde, um das Verfahren abzuschließen. Aus diesem Grund hat Evolution Gaming die Deadline bis zum 20. November verschoben. Das ist nicht ungewöhnlich. Vor allem muss berücksichtigt werden, dass in der aktuellen Krisensituation in Großbritannien die Behörden ohnehin schon ausgelastet sind. Deswegen ist eine leichte Verzögerung kein Beinbruch. An den grundsätzlichen Rahmenbedingungen für den Kauf von NetEnt hat sich aus Sicht von Evolution Gaming nicht verändert. Sollte es nicht zu Einwänden der Competition and Markets Authority kommen, läuft die Deadline am 20. November ab. Danach steht dann endgültig fest, ob der Kauf von NetEnt funktioniert hat. Am Ende entscheiden allerdings weder die Behörden noch die Führungskräfte von Evolution Gaming, ob der Deal läuft. Nur wenn genügend Aktionäre sich für den Verkauf entscheiden, gehört NetEnt demnächst zu Evolution Gaming. Da aber bereits 20 Prozent der Aktionäre frühzeitig zugesagt haben, den Deal anzunehmen und auch der Vorstand von NetEnt den Deal empfohlen hat, gehen neutrale Beobachter davon aus, dass der Kauf ohne Schwierigkeiten abgewickelt wird.

Für Evolution Gaming ist es wichtig, dass der NetEnt-Deal funktioniert. Durch die zusätzlichen Slots, die ins Portfolio kommen, wäre Evolution Gaming in Europa, aber auch in den USA deutlich besser aufgestellt als bisher. Aber letztlich wird vieles davon abhängen, ob die Aktionäre den Kaufpreis akzeptieren. Wie funktioniert der Kauf? Im Kern geht es um einen Aktientausch. Die Aktionäre von NetEnt bekommen Aktien von Evolution Gaming zu einem vorgegebenen Umtauschkurs. Der groß ist nach Einschätzung der meisten Analysten fair, aber nicht übertrieben hoch. Aus diesem Grund ist nicht völlig ausgeschlossen, dass sich der eine oder andere Aktionäre doch noch gegen den Verkauf entscheidet. Allerdings erscheint es keinen Plan B zu geben. Auch das könnte dazu beitragen, dass sich am Ende dann doch die überwiegende Anzahl der Aktionäre für den Verkauf von NetEnt an Evolution Gaming entscheidet. Die Wahrscheinlichkeit, dass die britische Competition and Markets Authority sich im letzten Moment noch dazu entschließt, den Verkauf zu torpedieren, ist sehr niedrig. Evolution Gaming und NetEnt sind zwar durchaus große Unternehmen. Aber eine Verschmelzung der beiden Glücksspielanbieter wird nicht dazu führen, dass eine überragende Marktmacht entsteht. Letztlich geht es bei der Prüfung der Competition and Markets Authority auch darum, ob es ein kartellrechtliches Problem geht. Das ist aber nach Einschätzung der fachkundigen Beobachter nicht der Fall.

Fusionen werden zum großen Trend

Glücksspielanbieter kaufen andere Glücksspielanbieter und werden dann selbst aufgekauft. Das könnte der große Trend der nächsten Monate und Jahre werden. Aktuell gibt es bereits einige interessante Beispiele dafür, dass der Glücksspielmarkt zu großen Unternehmen uns Konzernen tendiert. Evolution Gaming hat offensichtlich den Anspruch, einer der großen Player auf dem internationalen Glücksspielmarkt zu werden. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass ein noch größerer Konzern irgendwann auftritt, der Evolution Gaming kauft. Angesichts der riesigen Investitionen, die unter anderem auf dem amerikanischen Markt nötig sind, ist es völlig normal, dass eine Tendenz zu großen Unternehmen und Konzernen entsteht. Ein riesiger Glücksspielanbieter hat finanziell ganz andere Möglichkeiten, schnell und effizient zu investieren als ein kleines Unternehmen. NetEnt hätte beispielsweise allein kaum die Chance, auf dem amerikanischen Markt nachhaltigen Erfolg zu erzielen. Doch Evolution Gaming ist in einer ganz anderen Größenordnung angesiedelt, sodass letztlich auch die Marke NetEnt vom Kauf profitiert.

Die Glücksspielbranche ist letztlich eine ganz normale Wirtschaftsbranche. Schaut man sich in anderen Boombranchen der letzten Jahrzehnte um, lässt sich dort auch der Trend zu großen Konzernen und Unternehmen feststellen. Beispielsweise haben Google und Facebook im Laufe des letzten Jahrzehnts zahlreiche Firmen gekauft, um die eigene Marktmacht zu stärken. Viele Unternehmer haben sogar das Ziel, so erfolgreich zu werden, dass eine Übernahme von Google, Facebook oder einer der anderen großen Tech-Giganten erfolgt. Für die Firmengründer ist das oft die lukrativste Möglichkeit, innerhalb weniger Jahre einen riesigen wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen. Die Glücksspielbranche lässt sich hinsichtlich der Größe nicht unmittelbar mit der Digitalbranche vergleichen. Aber der grundsätzliche Trend zu großen Unternehmen und Konzernen ist doch recht ähnlich. Es spricht vieles dafür, dass die Fusion von Evolution Gaming und NetEnt beispielhaft wird für viele ähnliche Geschäfte.

Hier mehr über die neue Deadline für den Kauf von NetEnt lesen (auf Englisch).