Entain braucht einen neuen CEO. Zum Favoritenkreis zählt Jette Nygaard-Andersen, die bereits im Konzern als Direktorin arbeitet. Allerdings ist noch nicht klar, ob die Dänin am Ende wirklich den begehrten Posten im Glücksspielkonzern erhält. In jedem Fall warten große Herausforderungen auf den künftigen CEO. Es kommt nicht völlig unerwartet, dass Jette Nygaard-Andersen zu den Favoriten für die Nachfolge von Shay Segev auf dem CEO-Posten gilt. Nachdem Shay Segev die Glücksspielwelt geschockt hat mit der Ankündigung, zum Sportsender DAZN zu wechseln, arbeitet Entain daran, einen passenden Nachfolger zu finden. Da Shay Segev eine Kündigungsfrist von sechs Monaten hat, ist keine Hektik nötig. Aber Entain befindet sich in einer schwierigen Phase, die unangenehm enden könnte, wenn das Führungsproblem nicht gut gelöst wird. Derzeit versucht der amerikanische Glücksspielkonzern MGM Resorts, den europäischen Glücksspielkonzern Entain zu übernehmen.

Jette Nygaard-Andersen braucht dringend neuen CEO

Entain Gaming

In dieser Phase ist es enorm wichtig, an der Spitze des Konzerns einen umsichtigen Manager zu haben, der sich nicht über den Tisch ziehen lässt. Shay Segev schien für diese Rolle wie gemacht. Aber durch den angekündigten Abgang stellt sich durchaus die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, schon frühzeitig den Führungswechsel zu vollziehen, um eine klare Positionierung für die Gespräche mit MGM Resorts zu gewährleisten. MGM Resorts wird mit Sicherheit keine Rücksicht auf das Führungsproblem von Entain nehmen. Es könnte sogar sein, dass der amerikanische Konzern seine Bemühungen noch deutlich verschärft, um von der aktuellen Situation des Übernahmekandidaten zu profitieren.

Jette Nygaard-Andersen hat umfassende Führungserfahrung, ist aber erst seit 2019 bei Entain. Einen echten Vorteil gegenüber anderen Kandidaten, die von außerhalb kommen, hat Nygaard-Andersen deswegen wohl nicht. Aber es lässt sich von außen schwer einschätzen, wie gut Jette Nygaard-Andersen wirklich ist. Es kann durchaus sein, dass die Managerin die perfekte Option ist für den anstehenden Übernahmekampf. Klar ist aber auch, dass Entain keine Fehler machen darf bei der aktuellen Personalentscheidung. In früheren Zeiten wäre es vielleicht möglich gewesen, einmal falsch zu liegen bei der Berufung eines CEOs, ohne gleich eine mittlere Katastrophe zu produzieren. Aber in der aktuellen Situation muss alles passen, damit die Verhandlungen mit MGM Resorts zum gewünschten Ergebnis führen. In der Glücksspielbranche zeigt man sich verwundert darüber, dass Entain überhaupt in eine derartige Situation gekommen ist. Allerdings ist es schwierig, dem Aufsichtsrat oder anderen Entscheidungsträgern irgendwelche Vorwürfe zu machen. Niemand konnte vorhersehen, dass Shay Segev sich dazu entscheiden würde, beim erstbesten Angebot der Konkurrenz zu kündigen. Mittlerweile gibt es diverse Kritiker, die Shay Segev massiv unter Beschuss nehmen. Es ist sehr unüblich, dass bei einem großen Konzern der CEO in einer kritischen Phase freiwillig aussteigt, nur um mehr Geld zu verdienen. Aber letztlich lag die Entscheidung allein bei Shay Segev. Es wird spannend sein zu sehen, ob die Kündigung bei Entain den bislang erfolgreichen Manager in der Zukunft noch einholen wird.

Shay Segev hat Entain in Bedrängnis gebracht

Im Big Business gibt es die alte Weisheit, dass jeder ersetzbar sei. Allerdings gilt das in der Praxis nicht immer ganz, insbesondere wenn man den Faktor Timing berücksichtigt. Shay Segev hat sich einen Namen gemacht als erstklassiger Manager und innerhalb kürzester Zeit viele wertvolle Erfolge für den Konzern erreicht. Beispielsweise ist es dem CEO gelungen, in Deutschland gleich vier Sportwetten-Lizenzen für die Marken von Entain zu bekommen. Das war keineswegs sicher, aber Shay Segev hat das Unternehmen so aufgestellt, dass die zuständige deutsche Behörde in Darmstadt keinen Grund hatte, irgendwelche Beanstandungen vorzunehmen. Insbesondere hat Shay Segev den längst überfälligen Schritt vorgenommen, Entain eindeutig in eine seriöse Spur zu bringen. Entain wird sich in Zukunft ausschließlich in regulierten Märkten aufhalten. Das eine wichtige Voraussetzung, um die deutschen Entscheidungsträger davon zu überzeugen, dass es eine gute Idee ist, dem Glücksspielkonzern auch in Deutschland Konzessionen für Sportwetten zu geben.

Für Jette Nygaard-Andersen wäre es genauso wie für jeden anderen Nachfolger von Shay Segev eine Herkulesaufgabe, die drohende Übernahme durch MGM Resorts abzuwehren oder aber sinnvoll zu gestalten. In welche Richtung sich das Panel bewegen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar. Aber es spricht einiges dafür, dass der Wechsel auf dem CEO-Posten dazu führt, dass MGM Resorts einen zusätzlichen Vorteil beim Übernahmeversuch hat. Ob das in der Praxis dann am Ende auch so sein wird, lässt sich wohl erst im Nachhinein beurteilen. Fakt ist aber, dass es für Shay Segev in Zukunft schwer sein dürfte, in der Glücksspielbranche noch einmal eine Spitzenposition zu bekleiden. Wer möchte schon einen CEO haben, der mitten in der schwierigsten Phase des Konzerns aussteigt, nur weil ein Sportsender ein noch höheres Salär anbietet? Vor allem in Großbritannien sind viele Journalisten und Experten darüber empört, dass Shay Segev sich ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen für einen Abgang entschieden hat.