Die English Football League (EFL) setzt sich dafür ein, dass auch in Zukunft Sponsoren aus dem Sportwetten-Markt im Fußball und generell im Sport zugelassen werden. Der öffentliche Vorstoß kommt als Reaktion auf einen Vorschlag des House of Lords Select Committee, Werbung für Sportwetten ab 2023 in Großbritannien komplett zu verbieten. Das wäre ein herber Schlag für den englischen Fußball, denn viele Clubs profitieren von lukrativen Sponsorenverträgen mit Buchmachern.

EFL weisen auf finanzielle Bedeutung der Sportwetten-Werbungen

Premier League EnglandFür die English Football League ist der wirtschaftliche Schaden, der durch einen Verzicht auf Sportwetten-Werbung entstehen könnte, erheblich. Derzeit bezahlen Buchmacher wie Betway oder auch William Hill insgesamt 40 Millionen Pfund in Form von Sponsorengeldern an die Liga und die Vereine. Wenn dieser Betrag wegfallen würde, hätte das für viele Vereine erhebliche finanzielle Folgen. Für die großen Clubs in der Premier League wäre es wohl nicht schwierig, ähnlich hohe Einnahmen über andere Werbeverträge zu generieren. Es ist aber kein Zufall, dass nahezu jeder Fußballklub in den beiden höchsten Spielklassen in England einen Sponsorenvertrag mit einem Wettanbieter hat. Entscheidend ist aus Sicht der English Football League, dass viele kleinere Clubs, die ohnehin schon ein vergleichsweise niedriges Budget haben, durch den Verlust der Sportwetten-Werbung erheblich wirtschaftlich leiden würden. Da es ohnehin schon starke Ungleichgewichte im englischen Fußball gibt, wäre ein Verzicht auf die Sportwetten-Werbung im Sinne des attraktiven Wettbewerbs wohl kaum empfehlenswert. Ein anderer Vorschlag, den das House of Lords Select Committee macht, ist ein Verbot, Sportwettenanbietern Übertragungsrechte für Fußballspiele einzuräumen. Durch Liv-Übertragungen würden auch Fußballfans, die eigentlich gar keine Sportwetten nutzen möchten, dazu verleitet, bei einem Buchmacher ein Konto zu eröffnen. Dieses Argument ist sicher diskussionswürdig, aber kein Grund, Sportwetten-Werbung komplett zu verbieten.

Die EFL spricht sich dafür aus, gemeinsam mit der Politik und der Sportwetten-Branche Regeln zu erarbeiten, die dafür sorgen, dass in Zukunft Sportwetten-Werbung durchweg auf verantwortungsbewusste Weise umgesetzt wird. Schon jetzt gibt es viele Buchmacher, die eigeninitiativ daran arbeiten, entsprechende Regelwerke umzusetzen. Beispielsweise gibt es mittlerweile kaum noch einen Wettanbieter in England, der Werbung schaltet, ohne auf den Spielerschutz hinzuweisen. Es gibt viele kleine und große Möglichkeiten, Sportwetten-Werbung sinnvoll zu realisieren. Ein komplettes Verbot würde vor allem die Fußballvereine schädigen, die durch die Sportwetten-Branche Zugang zu lukrativen Einnahmen haben. Letztlich geht es für die englischen Vereine um die Wettbewerbsfähigkeit. In der English Football League geht es nicht so sehr um internationale Wettbewerbe. Aber wenn die Premier League keine Sportwetten-Werbung machen durfte, wäre das ein Nachteil gegenüber Ländern, die Sportwetten-Werbung zulassen. Zudem darf nach den Erfahrungen der letzten Jahre, nicht nur in Großbritannien, sondern zum Beispiel auch in Deutschland, bezweifelt werden, dass ein Verbot von Sportwetten-Werbung den Markt insgesamt kleiner machen würde. Sportwetten-Werbung dient nach Einschätzung vieler Experten vor allem dazu, die Marke des jeweiligen Buchmachers prominent zu platzieren. Die Entscheidung, ob Sportwetten platziert werden oder nicht, hat mit der Werbung in vielen Fällen überhaupt nichts zu tun.

Werbung für Sportwetten sinnvoll regulieren

Der Ansatz der English Football League, die Werbung für Sportwetten künftig anders zu gestalten und dabei vor allem auf eine verantwortungsbewusste Präsentation und guten Spielerschutz zu achten, ist lobenswert. Schon viele andere Länder haben die Erfahrung gemacht, dass es nicht möglich ist, Sportwetten einfach zu verbieten. Genauso ist es auch nicht möglich, Sportwetten uninteressant zu machen für Fußballfans, indem Sportwetten-Werbung verboten wird. Hinter diesem vermeintlich logischen Gedanken steht ein Menschenbild, das auf Bevormundung basiert. Warum sollten erwachsene Fußballfans, die im Fernsehen oder im Stadion Spiele schauen, nicht selbst entscheiden können, ob sie Sportwetten platzieren möchten oder nicht? Bei Sportwetten scheinen andere Regeln zu gelten als in anderen Branchen. Es gibt ohne jeden Zweifel einige Themen bei den Sportwetten, die unbedingt sinnvoll bearbeitet werden müssen. Beispielsweise sollte alles dafür getan werden, dass keine Manipulationen stattfinden. Gerade in England hat es in den letzten Monaten einige Fälle gegeben, vor allem in unterklassigen Ligen, die nicht gerade hilfreich sind für die Sportwetten-Branche. Aber auch an dieser Stelle gilt: Die Werbung hat mit Manipulationen nichts zu tun. Manipulationen finden im Schatten statt und nicht in der Öffentlichkeit.

Die Idee, Sportwetten zu verbieten, um zu verhindern, dass einzelne Sportwetten-Fans sich in finanzielle Schwierigkeiten bringen, ist nicht zwingend logisch. Auch wenn viele Menschen außerhalb der Sportwetten-Welt glauben, dass es ausreichen würde, einfach ein Verbot auszusprechen, nicht nur von Werbung, sondern am besten gleich von Sportwetten, hilft es, genau hinzuschauen. Es gibt ohne Zweifel Menschen, die große Schwierigkeiten haben mit Sportwetten und Glücksspielen. Aber diesen Menschen wird nicht geholfen durch ein Werbeverbot. Wer unbedingt mit Sportwetten oder Glücksspielen Geld verspielen möchte, wird das immer in irgendeiner Form schaffen. Auch in Großbritannien gibt es zum Beispiel viele Spielhallen und Casinos, die ganz klassisch funktionieren und trotzdem keinen perfekten Spielerschutz bieten. Der einzige perfekte Spielerschutz würde darin bestehen, sämtliche Glücksspiele offline und online zu verbieten. Doch das würde nur in einem Überwachungsstaat funktionieren. Wahrscheinlich gäbe es dann trotzdem irgendwo private Glücksspiele im Hinterzimmer, die gerade von den Spielern, die diese Spiele eigentlich nicht nutzen sollten, in Anspruch genommen würden. Die ganze Diskussion um das Verbot von Sportwetten-Werbung zeigt, dass es gerade den politischen Entscheidungsträgern oft darum geht, an der Oberfläche vermeintliche Lösungen zu präsentieren. Das hat auch etwas damit zu tun, dass sehr viel Aufwand erforderlich wäre, um den Spielerschutz tatsächlich für die Gefährdeten zu verbessern.

Sportwetten für viele Menschen nur ein Hobby

Es gibt viele Fußballfans in England und Deutschland, die während der Saison genau einen Tipp pro Spieltag abgeben, und zwar auf das eigene Lieblingsteam. Die etwas motivierteren Sportwetten-Fans tippen vielleicht auf den gesamten Spieltag, vielleicht auch in Form einer Systemwette oder einer Kombiwette. Es gibt viele Varianten, Wetten zu nutzen. Doch für die meisten Sportwetten-Fans geht es in um nichts anderes, als ein bisschen Spaß in der Freizeit zu haben. Oft sind die Beträge, die bei Buchmachern umgesetzt werden, sehr klein. In Großbritannien ist es mittlerweile sogar verboten, Kreditkarten bei Online-Wettanbietern zu nutzen, sodass es nur noch möglich ist, das Geld zu verwenden, das tatsächlich verfügbar ist. Das ist mit Sicherheit eine sinnvolle Maßnahme, um Menschen vor sich selbst schützen, die sich selbst nicht schützen können oder wollen. Aber ein guter Spielerschutz müsste noch deutlich weitergehen. Mittlerweile gibt es die technischen Möglichkeiten, um ganz gezielt bei den Online-Buchmachern die Spieler herauszufiltern, die sich selbst in Schwierigkeiten bringen. Es gibt mittlerweile einige vielversprechende Ansätze, wie die Buchmacher genau diese Spieler frühzeitig mit Warnsignalen versorgen könnten, um an die Eigenverantwortung zu appellieren.

Ein weiterer Schritt könnte darin bestehen, einen Zwangsausschluss vorzunehmen. Aber nicht nur bei den Buchmachern, sondern auch bei den Online Casinos ist es wichtig, dass die entsprechenden rechtlichen Vorgaben passen. Verbote führen nur dazu, dass Glücksspiel-Fans und Sportwetten-Fans sich Angebote außerhalb der vorhandenen Regulierung suchen. Mit diesem Problem kämpfen viele Glücksspielbehörden, nicht nur die UK Gambling Commission. Die meisten Glücksspiel-Experten befürworten eine pragmatische Regulierung, die vor allem dafür sorgt, dass die Glücksspiel-Fans die Anbieter nutzen, die eine Lizenz haben. In der heutigen Zeit ist es denkbar einfach, einen Wettanbieter online zu finden, der all das möglich macht, was zum Beispiel die UK Gambling Commission oder demnächst auch die deutsche Glücksspielbehörde, die in Sachsen-Anhalt geschaffen wird, verbietet. Wenn es nicht gelingt, die Spieler und Sportwetten-Fans in die legalen Angebote zu kanalisieren, hilft auch die beste Regulierung nicht viel. Das vorgeschlagene Werbeverbot für Sportwetten reiht sich ein in eine Liste von Vorschlägen, die wunderbar geeignet sind für Sonntagsreden. Aber eine substanzielle Veränderung für die Buchmacher-Kunden, die tatsächlich gefährdet sind, würde mit einem solchen Verbot nicht erreicht. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass dieses Verbot nicht kommen wird.