Ganz England und insbesondere die East Midlands sind schockiert. Seit rund zwei Wochen muss sich der 30-jährige Daniel W. in der Stadt Derby vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, dass er im Jahre 2019 einen Rentner getötet und die Leiche nach der Tat zerstückelt hat. Doch damit nicht genug. Es besteht außerdem der dringende Verdacht, dass er einzelne Leichenteile an Dachse verfüttert hat. Der Anklage zufolge soll Daniel W. im Anschluss die Ersparnisse des Rentners beim Glücksspiel verzockt haben. Der leitende Staatsanwalt, Peter Joyce, eröffnete die Verhandlung mit den Worten: „Er hat ihn getötet. Er hat ihn zerhackt, und den Dachsen gefüttert. Was Sie hören werden ist absolut schrecklich, und was er getan hat, war Mord.“

Spielhallen, Casinos und Massage-Salons

Gesetz GlücksspielAm 19. Juni vergangenen Jahres tauchte plötzlich der 71-jährige Graham Snell hilfesuchend bei der örtlichen Polizeiwache in Chesterfield auf. Dort schilderte er den diensthabenden Beamten, dass sein Neffe, ein gewisser Daniel W., sich gegen den Willen des Rentners in dessen Haus eingenistet hatte und sich außerdem an seinen Bankkonten vergriff. Wenige Stunden später war Graham Snell tot. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Snell schon leblos hinter seiner Haustür lag, als Polizisten bei ihm schellten. Sie waren vorbeigekommen um sich im Haus des Seniors ein Bild von den geschilderten Vorwürfen zu machen und seinen „Mitbewohner“ zu befragen. Bereits kurze Zeit später soll sich Daniel W. in einem Baumarkt eingefunden haben um dort zwei Sägen, einige große stabile Schuttsäcke sowie eine kleine Verbrennungsanlage zu kaufen. In den darauffolgenden Wochen soll der zu diesem Zeitpunkt noch 29-Jährige häufiger Ausflüge in die umliegenden Ortschaften unternommen haben. In der Grafschaft Derbyshire hat er dem Anschein nach einige Spielhallen und Casinos besucht und einige durchaus „nennenswerte Beträge“ verspielt. Ob er darüber hinaus Online Casinos und Online Spielbanken besucht hat, ist nicht bekannt. Auch eine Reihe von sogenannten „Massage-Salons“ soll Daniel W. besucht haben. Die Anklage wirft ihm vor, diese Ausflüge mit den Ersparnissen des Opfers finanziert zu haben. Schon im Jahre 2009 wurde Daniel W. wegen Diebstahls verurteilt und musste eine Gefängnisstrafe absitzen. Damals hatte er dem gleichen Rentner insgesamt 5.000,- Britische Pfund (GBP) gestohlen. Eine zusätzliche Verurteilung folgte 2014. Die Anklage lautete Körperverletzung, und bei dem Opfer handelte es sich abermals um Graham Snell. Inwieweit dem 30-Jährigen nun auch die Schuld am Tod des Seniors zur Last gelegt werden kann, wird aktuell vor dem Derby Crown Court verhandelt.

Angeklagter bestreitet den Mord

Laut Klageschrift geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass es den Angeklagten unter Umständen mehrere Tage gekostet haben muss, den Leichnam seines Opfers zu zerstückeln. Mit der Beseitigung der Leichenteile soll er dann am 24. Juni vergangenen Jahres begonnen haben. Hierfür wählte er unterschiedliche Orte. In der Umgebung von Chesterfield hätte der 30-Jährige dann einen Dachsbau entdeckt, den er für besonders geeignet hielt, um die Überreste des Rentners zu „entsorgen“. Der Staatsanwalt führte die Umstände folgendermaßen aus: „Viele Teile von Grahams Snells Leiche waren entweder vergraben oder in unterschiedliche Teile eines Dachsbaus geschoben worden. Polizei und Militärtechniker verbrachten später fast einen Monat mit der Untersuchung des Dachsbaus.“ Graham Snell soll laut Medienberichten „allseits beliebt“ gewesen sein. Am 30. Juni 2019 wurde er als vermisst gemeldet. Es dauerte nicht lange, bis Fahnder auf Hinweise stießen, die auf ein Gewaltverbrechen hindeuteten. Bereits kurze Zeit später war Daniel W. im Fokus der Ermittler und wurde festgenommen. Der 30-Jährige streitet den Mord vehement ab. Er behauptet, er habe den „traumatisierenden“ Akt der Zerstückelung am 20. Juni 2019 durchgeführt, da er eine Verhaftung befürchtete, nachdem er seinen Onkel leblos in dessen Badezimmer vorgefunden hatte. Graham Snell hätte angeblich Schaum vor dem Mund und „weißes Puder“ an der Nase gehabt. Daniel W. mutmaßte, dass es sich dabei um Kokain gehandelt haben könnte. Daraufhin hätte er den Leichnam nach unten in die Küche gezogen um „Brustkompressionen zu verabreichen“. Vor Gericht gab Daniel W. an: „Ich habe alles versucht, um ihn wieder zum Leben zu erwecken“, und fügte noch hinzu: „Ich war in Panik. Ich war nur in einer unerklärlichen und unverständlichen Situation“. Der Angeklagte gab zu, dass er Schuttsäcke, Sägen und sogar eine kleine Verbrennungsanlage gekauft hatte. In dieser Verbrennungsanlage, die mittlerweile beschlagnahmt ist, fanden die Ermittler die Überreste eines verbrannten Messers. Daniel W. gab außerdem zu, einige Stunden, nachdem er den Leichnam seines Onkels gefunden hatte, diesen auf dem Boden der Küche zerstückelt zu haben. „Es war das Schlimmste, was ich je in meinem Leben getan habe,“ versichert der Angeklagte und sagt: „Es vergeht kein Tag, an dem ich keine Flashbacks bekomme“.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Daniel W. sein Onkel getötet hat um an dessen Geld zu kommen. Nach Graham Snells Tod wurden hunderte britische Pfund vom Konto Snells auf das seines Neffen transferiert. Der Prozess dauert an. Ob noch – wie ursprünglich geplant - vor Weihnachten mit einem Urteil zu rechnen ist, steht derzeit in den Sternen.