Die Ergebnisse des gestrigen Spieltages im Überblick:
Ungarn – Portugal 0:3
Deutschland – Frankreich 0:1

Endlich ist die EM im eigenen Land angekommen und startete nach Meinung einiger Experten mit dem vorgezogenen Endspiel. Deutschland empfing in der Münchener Allianz Arena vor insgesamt 14.500 Zuschauern den amtierenden Weltmeister aus Frankreich und verlor mit 0:1. Unglücklich wäre hier allerdings der falsche Ausdruck, auch wenn die Franzosen durch ein Eigentor von Mats Hummels zum Erfolg kamen. In dem vorangegangen Spiel Ungarn gegen Portugal gab es zuvor einige Superlative und natürlich Superstar Cristiano Ronaldo.

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Cristiano Ronaldo mit dreifachem Rekord

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Am Ende sah alles eindeutig aus. 3:0 schlugen die Portugiesen den ungarischen Gegner und dabei stellte CR7 gleich einen dreifachen Rekord auf. Dass Vieles jedoch erst in den letzten zehn Minuten der Partie passierte, zeigt, dass es über weite Strecken dann doch nicht eindeutig war. Die Partie startete bereits mit einem Rekord bei dieser EM: mit dem bisher einzigen ausverkauften Stadion des Turniers. 61.000 Zuschauer füllten die Budapester Arena und vermittelten das Gefühl, die internationale Gesundheitskrise sei mittlerweile Schnee von gestern. Dafür gab es von vielen Seiten nicht nur Lob, sondern auch harsche Kritik. „Unverantwortlich“ und „das falsche Zeichen“, waren die am häufigsten Reaktionen auf diese Entscheidung. Der ungarischen Mannschaft schien die Unterstützung von den Rängen allerdings zu helfen zumindest am Anfang der Partie. Als krasser Außenseiter versuchten sie ihr Glück in der Defensive, und das gelang auch recht ordentlich, was vermutlich auch an dem schwachen Auftritt der Portugiesen in der ersten Halbzeit lag. Ideenlos, behäbig und unkreativ trat der amtierende Europameister auf. Cristiano Ronaldo, der mit seiner Teilnahme den Rekord von fünf EM Turnierteilnahmen und 22 Spieleinsätzen knackte, wurde kaum angespielt.

Erst vor Ende der ersten Halbzeit blitzte sein überragendes Können kurz auf, dennoch konnte er die Kugel freistehend an der Fünf-Meter-Linie nicht ins Netz versenken. Wer jetzt auf Besserung in der zweiten Halbzeit gehofft hatte, wurde zunächst enttäuscht. Fast noch hilfloser wirkte der Europameister und die ungarische Mannschaft schöpfte Hoffnung, zumal sie jetzt auch ihre Chancen hatten. Selbst ein Treffer gelang, der aber wegen einer Abseitsstellung nicht anerkannt wurde. Dann half der Zufall der Seleçao. In der 80. Minute traf der Dortmunder Raphael Guerreiro im Strafraum den Ball, der unglücklich abgefälscht von Orban im Netz landete. Die endgültige Entscheidung dann sieben Minuten später. Strafstoß für Portugal. Die Chance ließ sich CR7 nicht nehmen und traf souverän. Ein paar Minuten später markierte er dann mit einem sehenswerten Dribbling den 0:3 Endstand und stellte damit einen weiteren Rekord auf. Nun ist Cristiano Ronaldo der Torschütze, mit den meisten Treffern bei Europameisterschaften überhaupt und löst damit Michele Platini ab.

Doch kein Sommermärchen!?

Dass es nicht einfach werden würde, war klar und wurde im Vorfeld bereits in sämtlichen Sportnachrichten thematisiert und diskutiert. Aber dass es letztendlich zu schwer war, das ist eine der bitteren Erkenntnisse des gestrigen Abends. Er wäre jetzt „... so richtig geil auf die EM“, hatte der traurige Verlierer Mats Hummels noch vor dem Spiel gesagt. Hoffentlich ist ihm der Spaß nicht gänzlich abhandengekommen. Mit Havertz statt Sané startete die Elf von Jogi Löw und mit einer neuen Dreier Kette sowie einer doppelt besetzen Sechs. All das sollte zur Stabilität der Defensive beitragen, denn vor dem Sturm der Franzosen hatte unsere Nationalmannschaft mehr als Respekt. Deutschland versuchte das Spiel zu gestalten, wobei mit der Kreativität am Sechzehner des Gegners meistens Schluss war. Durch die Mitte gelang nicht viel, das deutsche Team versuchte es aber trotzdem immer wieder und auch über Außen gelang fast nichts. Den Franzosen merkte man hingegen an, dass sie in sich ruhte, sich ihrer Stärken bewusst war und nicht mehr machen musste, als die unbeholfenen Versuche der Deutschen abzuwehren und dann ihre schnellen Stürmer einzusetzen. Der Wille der deutschen Mannschaft war da. Man spürte, dass sie wollte, aber nicht konnte.

Glücklicherweise ließ sie bei den Franzosen ebenfalls nicht viel zu. Nur wenn, dann wurde es sehr gefährlich und führte in der 20. Minute zum entscheidenden „tragischen“ Tor, als Mats Hummels eine scharfe Hereingabe von Hernandez mit dem Schienbein ins eigene Tor lenkte. Den Franzosen wurde es daraufhin weiter leichtgemacht, sich zu entfalten. Weder Toni Kroos noch Joshua Kimmich gingen konsequent zum Gegner. Auf der deutschen Seite kam es zu keinem einzigen Torschuss. Ein ähnliches Bild bot sich in der zweiten Halbzeit. Die Mannschaft von Jogi Löw hatte mehr Ballbesitz, der aber nicht in Chancen umgesetzt werden konnte. Der Bundestrainer reagierte spät und wechselte Sané und Wagner ein, um dem Offensivspiel neue Impulse zu verleihen. Vielleicht zu spät. Die Franzosen hätten schon längst das Spiel eindeutig für sich entscheiden können, wenn nicht zwei Treffer wegen Abseits aberkannt worden wären. Gnabry hatte zwar noch eine Chance für die deutsche Mannschaft, vergab diese allerdings, genauso wie zwei Freistöße aus sehr guter Position vergeben wurden. Letztendlich war der Sieg der Franzosen nie gefährdet, und auch wenn man eines der besseren Spiele der deutschen Mannschaft gesehen hat, so hat man auch die Grenzen des zur Zeit Möglichen gesehen. Dies muss sich in den nächsten Spielen dringend ändern, wenn man noch einmal gegen die französische Mannschaft spielen möchte – und zwar im Finale.