Lasst die Spiele beginnen! Wo, wenn nicht in Rom, wäre diese Aufforderung berechtigter? Und sie haben begonnen. Der Ball rollt wieder. Die EM 2021 ist nun endlich, mit einem Jahr Verspätung gestartet und man kann durchaus zu Recht sagen, dass es zumindest sportlich, ein fulminanter Start war. Im Eröffnungsspiel schlugen die Azzurri den Gegner Türkei mit 3:0.

EM 2021 Eröffnungsfeier: ein bisweilen skurriles Erlebnis

Eröffnungsspiel EM 2020

Dem sportlichen Spektakel im römischen Stadio Olimpico war vor 16.000 realen Zuschauern eine bisweilen kurzweilige und skurrile 15-minütige Eröffnungsfeier vorangegangen. Am Ende spielte es keine Rolle mehr, wie man diese beurteilt, denn entscheidend war der Anpfiff um exakt 21.00 Uhr, auf den Millionen von Zuschauern weltweit so lange warten mussten. Vieles hat man im altehrwürdigen Stadio Olimpico, der Heimat der italienischen Klubs Lazio und AS Rom, schon gesehen. Nun reiht sich in die Liste der erlesenen Veranstaltungen auch noch die Eröffnungsfeier der EM 2020 ein. Und eines kann man wohl zu Recht behaupten: Für Gänsehaut waren weder Pyrotechnik, noch Gesangsdarbietungen oder Videoinstallationen verantwortlich, sondern die Zuschauer. 16.000 glückliche Kartenbesitzer sorgten für eine Atmosphäre, für die sonst 60.000 Zuschauer notwendig sind. Da war es laut, da war es bunt. Da waren endlich wieder besetzte Ränge zu sehen, die jubelten, die verzweifelten, die ungläubig wirkten, die einfach nur  froh waren, dabei sein zu können - und die es sicherlich verkraften konnten, nicht alle Elemente der Eröffnungsfeier gesehen zu haben. Zum einen, weil sie nur virtuell für TV-Zuschauer zu empfangen waren, wie beispielsweise die Vorstellung des offiziellen EM Songs „We are the people we´ve been waiting for“ von U2 und DJ Martin Garrix, und zum anderen, weil Rauchschwaden die Sicht im Stadion behinderten.

Die Römer hatten es gut gemeint mit dem Einsatz von Pyrotechnik. Begonnen hatte die Eröffnungsfeier mit 24 riesengroßen Kugeln, die die teilnehmenden Mannschaften symbolisierten, allerdings manchmal auch recht schwierig auseinanderzuhalten waren. Über ihnen wurden Trommler an Seilen bis an das Stadiondach hochgezogen. Francesco Totti und Alessandro Nesta, die altehrwürdigen Spieler einer großen ehemaligen italienischen Nationalmannschaft, begrüßten das Publikum im Stadion und an den Bildschirmen. Das war insbesondere vom Auftritt des blinden Star Tenors Andrea Bocelli, der die Arie „Nessun dorma“ aus der Oper Turandot von Giacomo Puccini zum besten gab, sichtlich berührt. Die Tatsache, dass es sich dabei nur um ein Playback handelte, tat den Emotionen dabei keinen Abbruch. Der skurrile Auftritt des ferngesteuerten Autos eines Hauptsponsors, welches den Spielball in die Arena transportierte, wurde hingegen mit einem eher gutmütigen Lächeln quittiert. Bei allem Spaß am Sport, geht es schließlich auch um Geld. Aber dies wurde gestern wirklich nebensächlich, nachdem der Pfiff zum Anstoß ertönt war.

EM Eröffnungsspiel Italien-Türkei startet fulminant

Pünktlich um 21.00 nahm der sehr souveräne niederländische Schiedsrichter Danny Makkelie die Pfeife in den Mund. Viele internationale Experten hatten ein zähes und langweiliges Eröffnungsspiel vorausgesagt, und dies schien sich auch erstmal zu bewahrheiten. Die türkische Mannschaft stand, wie erwartet, sehr tief gestaffelt im eigenen Raum und ließ den Italienern wenig Möglichkeiten ihre schnellen Außenstürmer in Szene zu setzen. Zwar kam es immer wieder zu Möglichkeiten, von denen allerdings keine wirklich zwingend war. Der ehemalige Dortmunder Immobile traf für das Außennetz, Insigne schlenzte das Leder aus verheißungsvoller Position am langen Eck vorbei, und Abwehrspieler Giorgio Chiellini zwang den türkischen Torwart Ugurcan Cakir mit einem Kopfball zu einer ersten Parade. Der erhoffte Torerfolg blieb allerdings aus. Von der türkischen Mannschaft war offensiv eigentlich nichts zu sehen. Man hoffte wohl darauf, die Italiener zu zermürben und dann mit einem schnellen Konter ein Tor zu erzielen. Aber die Azzurri bewiesen Geduld. Aufregung gab es bei drei vermeintlichen Handspielen durch türkische Spieler im eigenen Strafraum, bei denen von den Gastgebern Elfmeter gefordert wurde. Aber der sehr gute Referee setzte die neue UEFA-Auslegung von Handspiel souverän um, und ließ jedes Mal weiterspielen. Zur Pause blieb es torlos, unterhaltsam war es bis dahin dennoch.

Nach dem Wechsel bot sich ein unverändertes Bild. Die italienische Mannschaft versuchte alles, um das türkische Bollwerk zu überwinden. Insbesondere bei Standardsituationen wie Eckbällen, wurde es auch gefährlich. Und schließlich wurden die Azzuri auch belohnt. Nach einer scharfen Hereingabe von Domenico Beradi lenkte Merih Demiral den Ball unglücklich in das eigene Tor. Wer jetzt erwartete, dass die Türkei ihr Spiel öffnen würde, wurde enttäuscht und stattdessen positiv von der italienischen Mannschaft überrascht. Spielten sie in der Vergangenheit bei einer 1:0 Führung oftmals nur noch auf Ergebnisverwaltung, so setzen sie diesmal nach und erzwangen das zweite Tor durch den Stürmer Immobile. Damit aber nicht genug. Sie legten weiter nach, und die Türkei hatte dem wenig entgegen zu setzen. So traf Insigne mehr oder weniger folgerichtig nach weiteren knapp zehn Minuten zum 3:0 Endstand. Ein fulminanter Start in das Turnier für die italienische Mannschaft, die mit ihrer Leistung in den Kreis der Titelanwärter aufgerückt ist. Die türkische Mannschaft sollte sich hingegen nicht allein auf ihre Defensiv-Stärke verlassen, sondern muss auch gewillt sein, Tore zu schießen. Andernfalls wird es für sie schwierig, in diesem Turnier über die Gruppenphase hinauszukommen.