Die Ergebnisse des gestrigen Spieltages im Überblick:

Schweden – Slowakei 1:0
Kroatien - Tschechien 1:1
England – Schottland 0:0

Dieser Spieltag war nicht von packenden Duellen geprägt, die einen begeistern konnten. Bei allen drei Partien merkte man, dass zwar einiges riskiert wurde, allerdings wirklich nur einiges. Viel Spektakuläres gab es nicht zu sehen. Vielleicht hält der neue Modus die Mannschaften davon ab, jetzt schon alles zu geben. Ein Unentschieden reicht offensichtlich auch aus, um den dritten Platz zu erhalten. Ein Lichtblick an diesem Spieltag waren die tapfer kämpfenden Schotten, die ihrem großen Bruder einen Punkt abringen konnten.

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Forsberg erhält Schweden die Chance auf das Achtelfinale

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Im Sport ist ja immer alles möglich. Diese Binsenwahrheit hält viele Mannschaften über Wasser und lässt sie sogar gelegentlich über sich hinauswachsen. Irgendwie hätte man sich diese Einstellung auch bei den beiden Teams gewünscht, die den achten Spieltag der Europameisterschaft 2021 in St. Petersburg eröffneten. Die Slowakei hätte nach ihrem Erfolg über Polen mit viel Selbstbewusstsein starten können, und auch Schweden konnte das Unentschieden gegen Spanien als Erfolg für sich verbuchen. Aber nichts davon war in der ersten Halbzeit auf dem Platz zu spüren. Beide Nationalteams spielten zwar engagiert, neutralisierten sich aber gegenseitig im Mittelfeld. Es kam nur zu insgesamt fünf Torschüssen: Slowakei drei, Schweden zwei und kein einziger davon gefährlich. Der souveräne Berliner Schiedsrichter Daniel Siebert hatte dementsprechend wenig zu tun. Die zweite Halbzeit gestaltete sich dann schon etwas munterer. Der Mann des Spiels war der ehemalige Dortmunder Isak, der das schwedische Spiel plötzlich vehement voran trieb. Direkt nach dem Anpfiff setzte der Schwede mit einem beherzten Schuss ein Zeichen, suchte danach immer wieder die Chance zum Abschluss oder brachte seine Mitspieler in gute Positionen. Die Slowaken schienen langsam aufzuwachen, konnten aber dem Druck der Schweden nicht standhalten. Und dann war es auch Isak, der das entscheidende Tor in der 77. Minute einleitete. Er schoss einen guten Querpass zu Quaison, den der slowakischer Keeper daraufhin im Strafraum von den Füßen holte, und der Leipziger Forsberg verwandelte den fälligen Strafstoß zum 1:0 für die Skandinavier.

Kroatien – Für einen Vizeweltmeister zu wenig

Die Experten hatten die Vorzeichen für dieses Spiel bei der Europameisterschaft 2021 vollkommen anders gedeutet. Kroatien, als amtierender Vizeweltmeister, sollte eigentlich dominieren. Den Tschechen wurde bestenfalls eine Außenseiterrolle zugedacht. Aber es kam dann doch alles anders. Die tschechische Mannschaft schien noch von ihrem Auftaktsieg gegen die Schotten beseelt, und die Kroaten wirkten, als wenn ihnen die Niederlage gegen die Briten noch in den Knochen steckte. In der ersten Halbzeit spielte demnach „gefühlt“ nur ein Team mit voller Kraft: Tschechien. 73% gewonnene Zweikämpfe sprechen eine deutliche Sprache. Leider blieb der Erfolg dieser Bemühungen zunächst aus, auch wenn die Tschechien immer wieder über die Flügel probierten, die kroatische Abwehr auseinander zu reißen. Erst in der 35. Minute kam es zum Führungstreffer des Teams von Trainer Jaroslav Silhavy.

Der kroatische Abwehrspieler Dejan  Lovren hatte den tschechischen Angreifer Schick nach einer Ecke mit dem Ellbogen im Gesicht getroffen, woraufhin der spanische Schiedsrichter folgerichtig auf Elfmeter entscheid. Schick trat selbst mit noch blutender Nase an und verwandelte. Die Kroaten wurden durch dieses Tor offensichtlich „wachgeküsst“, denn die schnelle Antwort folgte mit einer Riesenchance. Es dauerte aber noch bis zwei Minuten nach dem 2. Halbzeitpfiff, bis der Ausgleich fiel. Der ehemalige Bayern Spieler Perisic überwand den tschechischen Keeper mit einem herrlichen Schuss in den Winkel. Das Spiel wurde munterer mit Chancen auf beiden Seiten. Letztendlich blieb es aber beim gerechten 1:1. Ein Ergebnis, das den Kroaten eher hilft, als den Tschechen.

Englands Löwen – Eher ein Miau als wildes Kampfgebrüll

Es gibt eine junge schottische Generation von Fußballfans, die bisher noch kein einziges Turnierspiel ihrer Mannschaft gegen den großen Nachbarn gesehen hat. Diese wurde gestern im Londoner Wembley-Stadion nicht enttäuscht und kann nun mit Fug und Recht behaupten:  „Wir waren dabei, als England in die Knie gezwungen wurde.“ Denn zumindest als moralische Sieger dürfen sich die Bravehearts nach dem gestrigen Spiel fühlen. Die jüngste englische Mannschaft aller Zeiten stand auf dem Rasen – und das, wie es sich für England gehört, im strömenden Regen. Das Team wollte seiner klaren Favoritenrolle gerecht werden, doch die Schotten zeigten schon in den ersten Minuten, dass sie sowohl körperlich als auch fußballerisch den Kampf aufnehmen wollten und konnten. Und das überraschte wohl am meisten.

Statt zu versuchen den englischen Sieg möglichst niedrig ausfallen zu lassen, spielten sie munter nach vorn mit und hatten die ein oder andere gute Chance. Die Mannschaft von Trainer Gareth Southgate wirkte verunsichert, ideenlos und auch irgendwie beeindruckt. Zwar hatten sie in der Mitte der ersten Halbzeit durch einen Kopfball von Stones eine Riesenchance, aber viel mehr kam nicht. So mussten sie zum Halbzeit-Gang in die Kabinen auch Pfiffe der eigenen Fans ertragen. In der zweiten Halbzeit wurde es nicht besser. Die Bravehearts verteidigten beherzt und clever. Auch einige Chancen spielten sie sich heraus, während die Three Lions ideenlos versuchten, wenigstens ein Tor zu erzielen. Es blieb beim 0:0. Erhobenen Hauptes verließen die Schotten Wembley.