Die European Gaming and Betting Association (EGBA) hat sich kritisch zu den Konsequenzen des Brexits für die britische Glücksspielindustrie geäußert. Nach Einschätzung des wichtigen Branchenverbandes gibt es nach wie vor viele ungelöste Fragestellungen, die zu erheblichen Problemen führen könnten. Der Brexit ist bislang für die Glücksspielbranche weitgehend geräuschlos verlaufen. Das hat aber Gründe, die auch viele Experten nicht auf dem Schirm haben. Deswegen weist die European Gaming and Betting Association in einer aktuellen Stellungnahme darauf hin, dass es schon bald zu großen Problemen kommen kann. Im Kern geht es dabei um den Datenaustausch zwischen der Europäischen Union und Großbritannien. Derzeit gilt eine Übergangsregelung, die aber Mitte des Jahres ausläuft. Dann stellt sich die Frage, ob die Online-Glücksspielanbieter in Großbritannien überhaupt noch die Möglichkeit haben werden, außerhalb des Vereinigten Königreichs Online Casinos und Online-Buchmacher zu betreiben.

EGBA sieht große Probleme durch Brexit

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Da auch viele andere Branchen betroffen sind von dieser Problematik, besteht zumindest die Hoffnung, dass es eine vernünftige Lösung geben wird. Aber ein paar ungünstig verhandelte Details könnten dazu führen, dass die Online-Glücksspielbranche in Großbritannien einen heftigen Schlag bekommt. Auch in die andere Richtung könnte ein schlecht ausgehandelter Vertrag dazu führen, dass Einbußen entstehen. In der Europäischen Union ist Datenschutz ein großes Thema. Deswegen wird es keine Ausnahmen beim Online-Glücksspiel geben. Vielleicht muss die britische Glücksspielindustrie aber auch einige große Investitionen einplanen, damit die Daten gar nicht erst nach Großbritannien gesendet werden müssen. Allerdings würde das wiederum Probleme mit sich bringen, die durch den Brexit eigentlich verhindert werden sollten.

Für die Glücksspiel-Fans in Großbritannien und der Europäischen Union wird es spannend sein zu sehen, wie sich die Angebote durch den Brexit verändern. Es kann durchaus sein, dass die britischen Glücksspielanbieter, die zuletzt ohnehin schon unter Druck geraten sind, durch den Brexit noch mehr Federn lassen müssen. Es ist jedenfalls kaum zu erwarten, dass die Europäische Union dabei zuschauen wird, wie die eigenen Unternehmen übervorteilt werden von britischen Unternehmen. Es ist auch durchaus vorstellbar, dass die Online-Glücksspielbranche aus Großbritannien komplett vom EU-Markt ausgeschlossen wird. Das würde zwar nach dem aktuellen Stand nicht explizit erfolgen. Aber es wäre durchaus möglich, durch Datenschutz-Regeln und andere Feinjustierungen den Zugang zum europäischen Markt beim Online-Glücksspiel so unattraktiv zu machen, dass sich das Engagement für britische Unternehmen nicht lohnen würde. Ob es wirklich dazu kommen wird, bleibt abzuwarten. Aber völlig klar ist, dass Großbritannien auch beim Online-Glücksspiel in einer schwierigen Verhandlungsposition ist. Für die Glücksspielbranche in der Europäischen Union ist der britische Markt durchaus interessant, aber nicht entscheidend. Umgekehrt ist die Situation völlig anders. Wenn die britischen Glücksspielanbieter auf den EU-Markt verzichten müssten, wäre das ein riesiges Problem. Deswegen ist die Verhandlungsposition der EU beim Online-Glücksspiel und allen damit verbundenen Fragestellungen sehr günstig.

Für Glücksspiel-Fans in EU wird sich nicht viel ändern

Was wäre das Schlimmste, was durch den Brexit in der Europäischen Union den Glücksspiel-Fans passieren könnte? Vielleicht müssen einige britische Glücksspielanbieter die Zelte abbrechen und können in Zukunft keine Kunden mehr aus der EU annehmen. Das wäre der ungünstigste Fall, der Moment allerdings recht unwahrscheinlich erscheint. Aber selbst, wenn es dazu kommen würde, wäre das kein Drama für die Glücksspiel-Fans in der Europäischen Union. Die Auswahl an Glücksspielanbietern ist riesig. Deswegen dürfte es überhaupt kein Problem sein, attraktive Alternativen zu finden. In Deutschland müssen sich die Glücksspiel-Fans ohnehin darauf einstellen, dass sich durch die neue Glücksspielregulierung einiges verändern wird. In Zukunft sind nur noch die Glücksspielanbieter mit deutscher Lizenz in Deutschland legal. Das ist eine erhebliche Veränderung zum bisherigen Zustand. Bislang war es immer möglich, mit einer EU-Lizenz Glücksspiele in Deutschland anzubieten. Doch die EU-Lizenzen, die auch viele britische Glücksspielanbieter nutzen, verlieren demnächst ihre Relevanz, jedenfalls in Deutschland. Dann müssen die britischen Glücksspielanbieter ohnehin Lizenzen in Deutschland beantragen, um das bisherige Geschäft fortführen zu können.

Für die deutsche Glücksspielbehörde wird eine wichtige Frage demnächst lauten, ob es überhaupt gewünscht ist, britische Glücksspielanbieter zuzulassen. Bislang gibt es keinen Hinweis darauf, dass dies nicht der Fall sein wird. Beispielsweise hat Entain erst kürzlich vier Lizenzen für Online-Buchmacher erhalten. Aber wenn sich die grundlegende Vertragsgestaltung zwischen der Europäischen Union und Großbritannien ungünstig entwickeln sollte, könnte es durchaus dazu kommen, dass es demnächst deutlich schwieriger wird für britische Glücksspielanbieter, in der Europäischen Union Angebote zu betreiben. Der Hinweis der European Gaming and Betting Association, dass die Folgen des Brexits erst im Laufe der Zeit sichtbar werden, ist völlig berechtigt. Aber es gibt auch keinen Grund, in Panik zu verfallen, jedenfalls nicht in der Europäischen Union. Es wäre allerdings auch seltsam, wenn der Brexit überhaupt keine Auswirkungen auf die Glücksspielbranche hätte. Immerhin werden die Spielregeln zwischen Großbritannien und der Europäischen Union komplett neu verhandelt. Es ist durchaus denkbar, dass es noch Reibungsverluste an Stellen gibt, die im Moment nicht einmal die European Gaming and Betting Association im Blick hat.