Dr. James Noyes von der Social Market Foundation ist nicht nur ein renommierter Wissenschaftler, der sich seit vielen Jahren mit der Glücksspiel-Regulierung beschäftigt. Dr. James Noyes hat auch Erfahrung in der Politik und kann deswegen gut einschätzen, welche Regulierungsvorschläge umsetzbar sind. In einem aktuellen Interview erklärt Dr. James Noyes, wie die Glücksspiel-Regulierung in Großbritannien auf einfache Weise deutlich verbessert werden könnte. In Großbritannien gibt es laut Dr. James Noyes schon seit Jahren das Problem, dass ein Ungleichgewicht zwischen den Unternehmen, die in Großbritannien ansässig sind und den Offshore-Firmen, die in Großbritannien Glücksspiele und Sportwetten anbieten, vorhanden ist. Dieses Ungleichgewicht entsteht auch dann, wenn sich alle Anbieter an die vorgegebene Regulierung halten. Somit ist das eigentliche Problem nicht unbedingt der Graumarkt oder gar der Schwarzmarkt. Vielmehr können die Anbieter, die nicht in Großbritannien ansässig sind, oftmals von niedrigeren Steuern und niedrigeren Personalkosten profitieren. Es liegt auf der Hand, dass dadurch der Wettbewerb zwischen den Unternehmen auf dem Glücksspielmarkt nicht fair ist.

Gleiche Voraussetzungen für alle Anbieter schaffen

SMF Social Marketing FoundationDeswegen schlägt Dr. James Noyes vor, dass die Glücksspielanbieter, die in Großbritannien eine Lizenz bekommen möchten, zumindest eine Filiale in einer vorgegebenen Größe in Großbritannien unterhalten müssen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Unternehmen in Großbritannien mehr zum Allgemeinwohl beitragen durch höhere Steuerzahlungen. Durch eine Niederlassung im Großbritannien wäre zudem gewährleistet, dass die Unternehmen britische Arbeitnehmer in Lohn und Brot bringen. Auch das ist ein Faktor, der für Dr. James Noyes wichtig ist. Die Glücksspielbranche insgesamt sollte daran interessiert sein, möglichst viele Arbeitnehmer zu beschäftigen. Die Akzeptanz in der Bevölkerung wäre deutlich höher, wenn alle Unternehmen, die in Großbritannien Glücksspiele im Internet anbieten, ihr gesamtes Geschäft in Großbritannien mit entsprechendem Personalaufwand betrieben.

Die unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind generell ein großes Problem auf dem Online-Glücksspielmarkt, nicht nur in Großbritannien. Auch in Deutschland könnte es demnächst zu einem ähnlichen Problem kommen. Aktuell gibt es noch keine Glücksspiel-Regulierung für Online-Anbieter in Deutschland, sodass ein großer Teil der Anbieter ohnehin in anderen Ländern ansässig ist. Die Sportwettenanbieter sind teilweise eine Ausnahme, aber auch im Sportwetten-Bereich sind die meisten großen Firmen nicht in Deutschland niedergelassen. Sollte sich das ansatzweise ändern, wird auch die deutsche Politik nicht umhinkommen, diese Thematik zu diskutieren. Vielleicht wäre es generell eine gute Idee, den Glücksspielanbietern eine Filiale in Deutschland vorzuschreiben. Die Frage ist, ob das rechtlich überhaupt möglich ist. Großbritannien hat durch den Austritt aus der Europäischen Union an dieser Stelle andere Möglichkeiten als Deutschland. Aber grundsätzlich ist es eine gute Idee, für faire Rahmenbedingungen auf dem Glücksspielmarkt zu sorgen. In welcher Form das dann geschieht, muss jedes Land individuell entscheiden. Aber eine Glücksspiel-Regulierung kann am Ende nur dann optimal funktionieren, wenn es nicht zu unterschiedliche wirtschaftliche Voraussetzungen für die Teilnehmer auf dem Markt gibt. Nicht nur in Deutschland wird diese Thematik bislang komplett unterschätzt. Es gibt im neuen Glücksspielstaatsvertrag nach unserer Einschätzung keine Regelung zu dieser Problematik. Vielleicht kann Deutschland an dieser Stelle von Großbritannien und speziell von den Vorschlägen von Dr. James Noyes lernen.

Besteuerung von Glücksspielanbietern sinnvoll und wichtig

In Großbritannien werden die Glücksspielanbieter schon seit vielen Jahren mit einer speziellen Steuer zur Kasse gebeten. Dr. James Noyes schlägt vor, angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen die Glücksspielsteuer moderat zu erhöhen, um höhere Einnahmen für den Staat zu erzielen. Gleichzeitig müsse aber auch darauf geachtet werden, dass die Steuer nicht zu hoch steige, damit die Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben. Beim Glücksspiel und auch bei den Sportwetten ist zu beachten, dass die Gewinnmarge für die Anbieter sehr klein ist. Hohe Steuern können deswegen zu Problemen führen, insbesondere bei Anbietern, die keine riesigen Umsätze machen. Von hohen Steuern profitieren ironischerweise gerade die großen Konzerne, die gigantische Umsätze machen und deswegen in absoluten Zahlen dann auch bei relativ hohen Steuern exzellente Ergebnisse erzielen können. Aber für alle Glücksspielanbieter gilt, dass die Höhe der Steuern ein wichtiger Faktor ist für die Rentabilität des Unternehmens. In Großbritannien hat man in den letzten Jahren die Steuer gesenkt von 25 Prozent auf 15 Prozent. Dr. James Noyes schlägt nun vor, die Steuer auf 21 Prozent anzuheben. Angesichts der schwierigen Gesamtlage der britischen Wirtschaft in der großen Gesundheitskrise sei es angemessen, dass die Glücksspielindustrie mehr zum Allgemeinwohl beitrage. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass auch viele Glücksspielanbieter, insbesondere im Sportwetten-Bereich, in den letzten Monaten, mit erheblichen Einbußen umgehen mussten.

In Deutschland gibt es eine Wettsteuer, die von allen Sportwettenanbietern verlangt wird. Es spielt keine Rolle, wo die Sportwettenanbieter ihren Sitz haben. Das ist eine sinnvolle Regelung, die zur Gleichbehandlung beiträgt. Auch wenn die Anbieter, die in Deutschland sitzen, deutlich höhere Kosten zu tragen haben als zum Beispiel die Anbieter, die in Malta ansässig sind, entsteht durch die Wettsteuer doch zumindest an einer Stelle ein Stück weit Gerechtigkeit. Dr. James Noyes schlägt vor, dass es für Glücksspielanbieter unter bestimmten Voraussetzungen einen Steuerrabatt gibt. Dieser Steuerrabatt würde dann zum Beispiel die Anbieter betreffen, die im Land ansässig sind. Auch dadurch wäre es möglich, die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Glücksspielindustrie zu verbessern. Dieser Vorschlag wäre vielleicht auch interessant für Deutschland. Aber in Deutschland ist die Situation im Moment noch schwierig, da es keine Glücksspiel-Regulierung für den Online-Bereich gibt. Das wird sich erst ab Mitte 2021 ändern. Doch die neue Glücksspiel-Regulierung ist bereits jetzt umstritten und enthält nach dem aktuellen Stand auch keine Regelungen für die Besteuerung von Online Casinos. Es bleibt abzuwarten, ob die neue deutsche Glücksspiel-Regulierung ähnlich erfolgreich sein wird wie die Glücksspiel-Regulierung in Großbritannien in den letzten Jahren. Bei aller Kritik, die auch in Großbritannien immer wieder an der Glücksspiel-Regulierung geübt wird, lässt sich doch feststellen, dass Großbritannien im letzten Jahrzehnt eine in weiten Teilen sinnvolle Regulierung des Online-Glücksspiels hinbekommen hat.

Weiches Einzahlungslimit für Glücksspielanbieter?

Ein interessanter Vorschlag von Dr. James Noyes betrifft das Einzahlungslimit, das aktuell von vielen Politikern gefordert wird. Dr. James Noyes ist grundsätzlich dafür, ein Einzahlungslimit umzusetzen, allerdings in einer weichen Form. Was ist ein weiches Einzahlungslimit (Soft Cap)? Dr. James Noyes hat die Vorstellung, dass ein Einzahlungslimit von 100 Pfund pro Monat als Standard definiert wird. Dieses Einzahlungslimit dürfen die Anbieter dann nur erhöhen, wenn auf der Basis von Fragen und Analysen geklärt worden ist, dass der Kunde dazu in der Lage ist, mehr als 100 Pfund pro Monat einzuzahlen. Bei vielen britischen Glücksspielanbietern gibt es schon jetzt ab einer individuell festgelegten Schwelle eine Überprüfung des Kunden, um höhere Einzahlungen zu ermöglichen. Grundsätzlich ist das weiche Einzahlungslimit eine sehr sinnvolle Sache, denn selbst ein Komplettverlust von 100 Pfund pro Monat bringt niemanden in dramatische Schwierigkeiten. Zudem geben laut Dr. James Noyes die meisten Glücksspiel-Fans in Großbritannien deutlich weniger pro Monat aus, sodass das Limit in der Praxis nur für wenige Glücksspiel-Fans überhaupt relevant wird. Aber durch die eingebaute Schwelle wird es möglich, die Problemspieler auszufiltern, die es sich nicht leisten können, um hohe Beträge spielen. Wie gut dieser Vorschlag in der Praxis funktioniert, hängt wesentlich davon ab, wie das Überschreiten der Schwelle von den Anbietern gehandhabt wird. Wahrscheinlich wäre es sinnvoll, allgemeinverbindliche Vorgaben zu machen für die Prüfung eines erhöhten Einzahlungslimits. Zudem wäre es auch denkbar, weitere Stufen mit zusätzlichen Prüfungen einzubauen.

Die neue deutsche Glücksspiel-Regulierung bringt auch ein Einzahlungslimit. Anders als beim Vorschlag von Dr. James Noyes handelt es sich jedoch um ein hartes Einzahlungslimit. In Deutschland sollen die Glücksspiel-Fans in Zukunft online nur noch maximal 1.000 Euro pro Monat einzahlen können. Dieser Betrag ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Für viele Glücksspiel-Fans ist die Summe deutlich zu hoch. Wer nur sehr wenig Geld zur Verfügung hat in jedem Monat, kann sich mit diesem Betrag sehr schnell ruinieren. Andererseits gibt es High Roller, die deutlich mehr einsetzen können und wollen. Für diese Glücksspiel-Fans ist das Limit zu niedrig. Vielleicht wäre es sinnvoll, den Vorschlag von Dr. James Noyes aufzugreifen und individuelle Einzahlungslimits zu beschließen. Die Lösung von Dr. James Noyes ist einfach und pragmatisch, denn es gibt nur eine einzige Prüfung. Das schließt allerdings nicht aus, dass die Anbieter grundsätzlich alle Kunden im Auge behalten, um zum Beispiel auf problematische Einzahlungsmuster reagieren zu können. Wenn ein Spieler zum Beispiel plötzlich damit anfängt, sehr viel Geld einzuzahlen, nachdem vorher immer nur kleine Einzahlungen stattgefunden haben, könnte das zu einer erneuten Prüfung führen. Es gibt viele intelligente Möglichkeiten, Problemspieler vor sich selbst zu schützen. Ein hartes Einzahlungslimit scheint nicht die beste und sinnvollste Lösung zu sein, um den Spielerschutz zu erhöhen. Das grundlegende Problem ist: Wenn ein hartes Limit vorhanden ist, gibt es einen hohen Anreiz für eine bestimmte Spielergruppe, die lizenzierten Casinos zu verlassen und stattdessen in Casinos auf dem Schwarzmarkt zu spielen. Mit einem weichen Einzahlungslimit wäre es deutlich einfacher möglich, einen großen Teil der Glücksspiel-Fans auf dem legalen Markt zu halten.