Ist die neue Glücksspielregulierung in Deutschland der erhoffte Durchbruch? Gelingt es, das Online-Glücksspiel zu kanalisieren. Durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag werden schon bald Online Casinos in Deutschland Lizenzen bekommen können. Für die ersten Online-Buchmacher sind bereits Lizenzen ausgestellt worden. Doch noch ist völlig unklar, ob die neue Glücksspielregulierung zu einem Erfolg wird.

Chancen und Risiken der neuen Glücksspielregulierung

Glücksspiel StaatsvertragDie Kanalisierung des Glücksspiels ist das entscheidende Ziel. Was bedeutet das in der Praxis? Mit der Regulierung soll sichergestellt werden, dass die deutschen Glücksspiel-Fans nur noch in regulierten Online-Spielbanken aktiv sind. Doch wie wahrscheinlich ist das? Vieles wird davon abhängen, wie attraktiv die Online-Spielbanken für die Kunden sind. In anderen Ländern, zum Beispiel in Schweden, zeigt sich, dass die Attraktivität der Online-Spielbanken der wesentliche Faktor für die Kanalisierung ist. Wenn die Kunden das Gefühl haben, dass die Online-Spielbanken mit nationaler Lizenz nicht ansatzweise so attraktiv sind wie die Anbieter ohne nationale Lizenz, findet eine Abwanderung statt. Allerdings ist es grundsätzlich ein Vorteil, dass regulierte Angebote entstehen, denn dadurch hat der deutsche Staat die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen und Regeln festzulegen. Viele Experten befürchten jedoch, dass die neue Regulierung zu streng ausgefallen ist. Zudem könnte es zu einem riesigen Problem werden, dass es unterschiedliche Regeln für Spielautomaten und das klassische Spiel gibt. Vorerst werden nur Slots in Online-Spielbanken in Deutschland verfügbar sein, denn das klassische Spiel wird von den Bundesländern individuell reguliert. Wie das funktionieren soll, weiß im Moment noch niemand so ganz genau.

Limits für Einzahlungen und Einsätze ein Problem?

Die deutsche Glücksspielregulierung sieht ein Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat vor. Allerdings hat sich schon bei den Sportwetten gezeigt, dass es möglich ist, dieses Einzahlungslimit auf 10.000 Euro und 30.000 Euro zu erhöhen, wenn entsprechende finanzielle Möglichkeiten nachgewiesen werden können. Ob das ausreicht, um die High Roller im regulierten Markt zu halten, bleibt abzuwarten. Grundsätzlich gilt, dass die meisten Glücksspiel-Fans nicht einmal ansatzweise 1.000 Euro im Monat einzahlen. Entscheidend ist für den Erfolg der Glücksspielregulierung aber, dass gerade auch die finanzstarken High Roller den regulierten Markt nutzen und nicht auf den unregulierten Markt wechseln. Sollte das geschehen, wäre die Glücksspielregulierung de facto gescheitert. Umstritten ist auch das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde. Nicht alle Experten können nachvollziehen, warum es zusätzlich zu einem Einzahlungslimit auch noch ein Einsatzlimit gibt. Auch das beeinträchtigt die Attraktivität. Vor der deutschen Glücksspielregulierung war es möglich, sehr hohe Beträge zu setzen in einzelnen Runden. Ob das sinnvoll ist, sei dahingestellt. Aber gerade die Spieler, die hohe Einsätze bevorzugen, werden mit der neuen deutschen Glücksspielregulierung wohl nicht glücklich.

Kampf gegen nicht regulierte Anbieter aussichtsreich?

Wenn es einfach wäre, gegen nicht regulierte Anbieter vorzugehen, wäre in Europa nie ein Glücksspielmarkt im Internet entstanden. In Schweden lässt sich aktuell beobachten, wie schwierig es ist, gegen Anbieter vorzugehen, die keine schwedische Glücksspiel-Lizenz haben. Faktisch scheint es nicht möglich zu sein, diese Anbieter auszusperren oder gar direkt zu belangen. Bei den Online-Spielbanken, deren Betreiber in der EU sitzen, gibt es vielleicht noch eine kleine Chance, mit restriktiven Maßnahmen erfolgreich zu sein. Aber was ist mit den zahlreichen Online-Spielbanken, die nicht von Unternehmen in der Europäischen Union betrieben werden? Bislang hat es keine wirkungsvollen Maßnahmen gegeben, um die nicht regulierten Spielbanken vom deutschen Markt fernzuhalten. Wenn die Glücksspielregulierung dafür sorgt, dass die Anbieter mit deutscher Lizenz deutlich unattraktiver sind als die Anbieter ohne Lizenz oder mit EU-Lizenz, entsteht ein riesiges Problem. Dann könnte er sehr schnell eine Abwanderung der deutschen Glücksspiel-Fans zur nicht lizenzierten Konkurrenz geben. Für viele Experten ist deswegen klar: Wenn es nicht gelingt, die nicht regulierten Anbieter vom deutschen Markt fernzuhalten, kann die Glücksspielregulierung kaum zum Erfolg werden.

Glücksspiel-Fans entscheiden über Erfolg der Regulierung

Vielen Politikern, die in Deutschland über die neue Glücksspielregulierung entschieden haben, ist vielleicht nicht ganz klar, wie Marktwirtschaft funktioniert. Es reicht nicht aus, ein Angebot hinzustellen und davon auszugehen, dass dann die passende Nachfrage entsteht. Gerade beim Glücksspiel hängt alles davon ab, wie sich die potenziellen Kunden verhalten. Die Glücksspiel-Fans müssen die deutsche Glücksspielregulierung annehmen, um dieses wichtige politische Projekt zu einem Erfolg zu machen. Wenn sich die Glücksspiel-Fans jedoch nicht von den neuen Online-Spielbanken angezogen fühlen, entsteht ein Problem. Dann könnte es passieren, dass es demnächst viele streng regulierte Online-Spielbanken gibt, die aber von zahlreichen Glücksspiel-Fans in Deutschland gar nicht genutzt werden. In jedem Fall wird es interessant sein zu sehen, wie sich die neue deutsche Glücksspielregulierung entwickelt. Schon jetzt scheint klar zu sein, dass es ohne zusätzliche Maßnahmen oder Änderungen im Regelwerk nicht möglich sein wird, die Regulierung zu einem Erfolg zu machen. Aber vielleicht gibt es auch eine Überraschung und alle deutschen Glücksspiel-Fans handeln genauso, wie sich die Politiker, die den Glücksspielstaatsvertrag ausgehandelt haben, das vorstellen.

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