Die deutschen Bundesländer haben sich dazu entschieden, eine Übergangsregelung für Online Casinos zu beschließen. Bis zum neuen Glücksspielstaatsvertrag, der am 1. Juli 2021 in Kraft treten soll, wird es möglich sein, Spielautomaten, Poker und Sportwetten in Deutschland online anzubieten. Die Übergangsregelung ist wichtig für eine geordnete Transformation hin zum regulierten Online-Glücksspiel. Seit der Einigung der deutschen Bundesländer auf einen neuen Glücksspielstaatsvertrag, in dem auch das Online-Glücksspiel berücksichtigt wird, wird über eine Übergangsphase diskutiert. Nun haben sich die 16 Bundesländer darauf geeinigt, eine Übergangsregelung zu beschließen, die es den Casino-Betreibern und anderen Glücksspielanbietern ermöglicht, die Geschäfte fortzuführen bis zum 1. Juli 2021. Das ist ein wichtiger Faktor. Zwar gibt es die Online Casinos in Deutschland schon seit vielen Jahren, aber es gab nie eine nationale Regulierung. Mit der neuen Regulierung ändern sich die Rahmenbedingungen. Die Übergangsregelung, die am 15. Oktober 2020 in Kraft treten wird, sieht vor, dass sich die Casino-Betreiber an alle wesentlichen Vorgaben der künftigen Regulierung halten müssen. 

Übergangsregelung fast wie künftige Glücksspielregulierung

Casino RegulierungKonkret bedeutet dies, dass das Standard-Einzahlungslimit bei 1.000 Euro liegen wird. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es allerdings möglich, für einzelne Kunden das Limit auf 10.000 Euro oder sogar 30.000 Euro zu erhöhen. Allerdings müssen die Kunden für eine Limiterhöhung nachweisen, dass sie über entsprechend finanzielle Mittel verfügen. Zudem dürfen die höheren Limits auch nur Spielern mit einem Mindestalter von 21 Jahren zur Verfügung gestellt werden. Die Glücksspielanbieter müssen darüber hinaus gewährleisten, dass bei den hohen Limits der maximale Einsatz auf 20 Prozent des verfügbaren Kapitals begrenzt wird. Immerhin ermöglichen die höheren Limits auch den High Rollern mit der neuen Glücksspielregulierung in Deutschland zurechtzukommen. Für die Casino-Betreiber dürfte es allerdings eine große Herausforderung sein, die Limits innerhalb weniger Wochen technisch und inhaltlich korrekt umzusetzen.

Das gilt auch für das Einsatzlimit in Online Casinos. In Zukunft darf kein Spieler mehr als 1 Euro pro Runde einsetzen. Dieses Limit ist heftig umstritten unter Experten, zumal es schon ein strenges Einzahlungslimit gibt. Warum zusätzlich auch noch ein Einsatzlimit nötig sein soll in Deutschland, erschließt sich nicht unbedingt. Fakt ist aber, dass dieses Einsatzlimit auch für die Übergangsregelung gelten wird. Deswegen arbeiten die Casino-Betreiber, die in Deutschland künftig eine Lizenz erhalten möchten, derzeit auf Hochtouren daran, das Angebot für den deutschen Markt entsprechend zu justieren. Für die vielen Spielautomaten-Fans, die es seit Jahren gewohnt sind, mit nahezu beliebig hohen Limits spielen zu können, ist das ein harter Einschnitt. Vor allem für die High Roller dürfte es schwierig sein, Begeisterung zu entwickeln für die neue Übergangsregelung. Ein Einsatz von 1 Euro pro Runde ist für viele Spieler schlichtweg zu wenig. Wenn ein Spieler einen sehr hohen Betrag zur Verfügung hat, vielleicht auch weil vorher hohe Gewinne entstanden sind, ist ein kleiner Einsatz von 1 Euro pro Runde in vielen Fällen nicht ausreichend. Die strengen Limits könnten dazu führen, dass sich demnächst viele Glücksspiel-Fans in Deutschland gezielt nach Anbietern ohne deutsche Lizenz umschauen werden. Schon in der Übergangsphase wird wahrscheinlich schnell klar werden, ob sich die deutschen Glücksspiel-Fans für die neue Regulierung begeistern können. Während der Übergangsphase haben die Casino-Betreiber, die sich an die Übergangsregelung erhalten, in jedem Fall einen direkten Nachteil gegenüber den Anbietern, die sich nicht um die neuen Limits kümmern. Allerdings haben die deutschen Bundesländer bei der Bekanntgabe der Übergangsregelung klargemacht, dass nur die Anbieter, die sich an die Übergangsregelung halten, eine Chance haben, demnächst eine Casino-Lizenz für Deutschland bekommen.

Auch Buchmacher müssen sich an strenge Übergangsregelung halten

Für die Sportwettenanbieter in Deutschland gilt auch eine Übergangsregelung, die noch für Schwierigkeiten sorgen könnte. Die Buchmacher, die demnächst eine deutsche Lizenz haben möchten, müssen ab dem 15. Oktober nicht nur die Limits, die auch für Online Casinos gelten, umsetzen. Es ist darüber hinaus erforderlich, das Livewetten-Portfolio deutlich einzuschränken. In Deutschland soll es in Zukunft nur noch möglich sein, bei den Livewetten auf den nächsten Torschützen und das endgültige Resultat zu tippen. Das ist eine erhebliche Einschränkung im Vergleich zu den heute üblichen Livewetten-Portfolios. Die Sportwetten-Fans in Deutschland, die in Zukunft Livewetten im vollen Umfang nutzen möchten, können keinen Anbieter nutzen, der eine deutsche Lizenz haben will. Das ist ein großes Problem für alle Sportwettenanbieter, die sich nun an die Übergangsregelung halten müssen und damit das Angebot deutlich unattraktiver machen. Zumindest in der Übergangsphase wird es auch bei den Buchmachern den Effekt geben, dass es diverse Anbieter auf dem Markt gibt, die sich nicht an die Beschränkungen halten und deswegen deutlich attraktivere Livewetten zur Verfügung stellen können. Die Reduzierung der Livewetten auf gerade einmal zwei Wettoptionen ist sehr umstritten bei den Sportwetten-Experten. Wie an vielen anderen Stellen bei der neuen Regulierung fehlt die wissenschaftliche Begründung für die Beschränkung. Warum gerade der Tipp auf den nächsten Torschützen und das Endresultat in Ordnung sein sollen, aber alle anderen Livewetten-Optionen nicht, dürfte auch nur schwer zu erklären sein.

Die neue Glücksspielregulierung in Deutschland wird streng und die Übergangsregelung gibt den Anbietern und den Kunden einen ersten Vorgeschmack darauf, wie die Situation demnächst in Deutschland sein wird. Bei vielen Sportwetten- und Glücksspiel-Fans wird es noch ein unschönes Erwachen geben, wenn die neuen Regeln in den großen Online Casinos um bei den Top-Buchmachern umgesetzt werden. Ein kaum beachtetes Detail am Rande: In der Übergangsphase ist es den Online Casinos nicht gestattet, Tischspiele wie Roulette, Blackjack, Poker oder Baccarat in Deutschland anzubieten. Das bedeutet auch, dass die meisten Live-Dealer-Spiele in Deutschland nicht mehr verfügbar sein werden, jedenfalls bei den Anbietern, die eine deutsche Lizenz haben möchten. Es gibt viele kleine und große Details in der neuen Glücksspielregulierung, die noch für Empörung sorgen werden bei vielen Glücksspiel-Fans. Aber vielleicht werden die Casino-Fans sich auch einfach anders orientieren und die Anbieter nutzen, die sich um die deutsche Regulierung nicht weiter kümmern. Das ist genau der Effekt, den viele Sportwetten- und Glücksspiel-Experten befürchten. Wenn das regulierte Angebot nicht attraktiv genug wird, wird es außerhalb des regulierten Marktes viele Anbieter geben, die gerne die deutschen Kunden einsammeln, die nicht die gewünschten Angebote auf dem regulierten Markt finden. Zwar haben die Bundesländer angekündigt, gegen diese Anbieter vorzugehen, zum Beispiel durch Blockaden bestimmter Zahlungsmethoden. Aber ob das in der Praxis wirklich funktionieren wird, ist doch eher zweifelhaft. Bislang hat es kein Land in der Europäischen Union geschafft, Casinos und Buchmacher, die sich außerhalb der Regulierung bewegen, wirksam auszusperren.

Spielerschutz muss auch in Übergangsphase gewährleistet werden

Auch bei der Übergangsregelung argumentieren die Bundesländer mit dem Spielerschutz. Die Frage ist nur, ob der Spielerschutz durch die Übergangsregelung in der Praxis wirklich verbessert wird. Die großen Anbieter, die seit vielen Jahren seriös und korrekt arbeiten, müssen an ihrem grundsätzlichen Geschäftsmodell nichts ändern. Was sich für diese Anbieter ändert, ist das Portfolio. Künftig werden manche Spiele und Sportwetten in Deutschland nicht mehr zulässig sein. Durch die Beschränkung des Angebotes und die erwähnten Limits soll dafür gesorgt werden, dass der Spielerschutz verbessert wird. Das setzt aber voraus, dass es keine anderen Angebote jenseits der Regulierung gibt. Ansonsten müssten sich die Glücksspiel- und Sportwetten-Fans in Deutschland freiwillig ausschließlich auf die Anbieter konzentrieren, die demnächst eine Lizenz haben bzw. sich ab Mitte Oktober an die Übergangsregelung halten. Jeder Leser soll selbst einschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass das passieren wird. Es gibt viele Unstimmigkeiten in der neuen Glücksspielregulierung, die nun wahrscheinlich schon während der Übergangsphase zum Vorschein kommen werden. Es ist davon auszugehen, dass die meisten Casino-Fans in Deutschland überhaupt noch nicht wissen, was auf sie zukommt. Auch bei vielen Sportwetten-Fans dürfte es ab dem 15. Oktober zu leichten Schockzuständen kommen, wenn plötzlich die geliebten Livewetten nicht mehr im gewohnten Umfang verfügbar sein werden. Ein spannendes Detail am Rande: Die Glücksspiel- und Sportwetten-Fans in Schleswig-Holstein profitieren während der Übergangsphase davon, dass es in diesem Bundesland eine deutlich liberalere Übergangsregelung geben wird.

Viele Experten erwarten, dass es in den nächsten Jahren diverse Gerichtsverfahren geben wird, in denen dann die neue deutsche Glücksspielregulierung endgültig bestimmt wird. Es kann durchaus sein, dass die eine oder andere Regelung, die in Deutschland vorgesehen ist, nicht mit nationalem Recht oder mit EU-Recht in Einklang zu bringen ist. Noch ist zum Beispiel unklar, ob es ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit geben wird. Das war ursprünglich einmal geplant, aber mittlerweile gibt es auch Hinweise darauf, dass es vielleicht doch nur ein Einzahlungslimit für jeden Anbieter individuell geben könnte. In jedem Fall wird spannend sein zu sehen, wie Deutschland die neue Glücksspielregulierung umsetzen wird. Die neue deutsche Glücksspielbehörde, die in Rekordzeit aufgebaut werden soll, muss demnächst dafür sorgen, dass nicht nur die Lizenzen korrekt vergeben werden. Auch die Regulierung und Überwachung der Glücksspielanbieter wird in den Aufgabenbereich der deutschen Glücksspielbehörde fallen. Es gibt viele Experten, die sehr skeptisch sind bei der praktischen Umsetzung der neuen Glücksspielregulierung. Ungeachtet der diversen Regeln, die in Zukunft gelten werden, könnte es auch in der Praxis sehr schwierig werden, die Glücksspielregulierung überhaupt pünktlich hinzubekommen. Andere Länder haben in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass es nicht einfach ist, Glücksspielanbieter zu lizenzieren und zu regulieren. Aber in Deutschland ist alles anders und besser und effizienter. Wer das nach den letzten Monaten Krisenmanagement noch immer nicht weiß, ist wahrscheinlich einfach nur ein Ignorant. Für unbeteiligte Beobachter dürfte zumindest der Unterhaltungswert in den nächsten Monaten sehr hoch werden. Für die vielen Glücksspiel- und Sportwetten-Fans in Deutschland könnte es hingegen ähnlich unangenehm werden wie für die Anbieter von Sportwetten, Poker und Casino-Spielen.