Krisen treiben mitunter merkwürdige Blüten. Das gilt wohl auch für die aktuelle. Besonders deutlich wird dies an einem ebenso kuriosen wie anschaulichen Beispiel aus dem Bankwesen. Da fühlten sich doch einige Geldhäuser tatsächlich dazu veranlasst, ein ohnehin schon fragwürdiges Engagement zu noch fragwürdigeren - besser gesagt: unvorteilhaften - Bedingungen wieder aufzulösen. Nach Informationen der Financial Times haben soeben vier Wall Street-Institute einen klaren Beleg hierfür geliefert. Dabei ging es um einen Milliardenkredit, den diese Institute gemeinsam vergaben - und zwar für Immobilien in der Wüstenmetropole Las Vegas. Ganz oben mit dabei war auch die Deutsche Bank. Laut Financial Times ist durch diesen Deal ein Verlust für die Geldhäuser entstanden, der derzeit bei rund 100 Millionen US Dollar liegt. Und das ist nur der aktuelle Wert. Es ist nicht auszuschließen, dass ein noch größeres Minus bei der ganzen Sache herauskommt.

Markteinbruch kam dem Geschäft in die Quere

Deutsche Bank Logo Wie es soweit kommen konnte, wollen wir in den folgenden Zeilen versuchen aufzuklären. Begonnen hatte alles im Februar dieses Jahres. Unmittelbar nachdem der New Yorker Investmentfonds Blackstone 49,9 % der Anteile der beiden berühmten Hotel-Casinos MGM Grand und Mandala Bay am Las Vegas Strip gekauft hatte. Damals war von einer internationalen Krise noch nichts zu spüren. Die Bedrohung beschränkte sich zu dieser Zeit noch ausschließlich auf die chinesische Volksrepublik, und das Glücksspiel Mekka in der Wüste von Nevada genoss noch das blinde Vertrauen der Finanzmärkte. Das galt insbesondere für die beiden renommierten Glücksspiel-Objekte. Allein das MGM Grand zählt mehr als 5.000 Zimmer in seinem Hotel und kann eine Casinofläche von knapp 16.000 Quadratmetern vorweisen. On Top stehen drei Apartment Tower zur Verfügung. Damit ist das MGM Grand das drittgrößte Hotel der Welt.

An der Wall Street schloss sich in dieser Zeit eine Gruppe von Geldhäusern zusammen. Sie bestand aus der Société Générale, einer der wichtigsten französischen Geschäftsbanken mit Sitz in Paris, der Barcleys PLC, die als drittgrößte Bank in Großbritannien gelistet ist, der Citigroup Inc., einem bedeutenden US-amerikanischen Finanzdienstleister aus New York sowie der Deutschen Bank. Diese vier Institute vergaben an MGM Growth Properties einen Kredit in Höhe von satten drei Milliarden US Dollar. Zur Erklärung: MGM Growth Properties ist eine Gesellschaft, in deren Besitz sich unter anderem die beiden prestigeträchtigen Häuser Mandala Bay und MGM Grand im Spielerparadies Las Vegas befinden. 

Ursprünglich war es geplant, den vergebenen Kredit für Wertpapiere zu nutzen, die mit Hypotheken abgesichert sind - sogenannte Mortgage Backed Securities. Aber alles kam anders. Die aktuellen weltweiten Krisenzeiten und der dadurch bedingte Markteinbruch kamen dem Geschäft in die Quere. Das hatte zur Folge, dass die Banken eine Art Notbremse ziehen mussten. Und ihnen fiel nichts Anderes ein, als einen Teil der Kredittranche wieder abzustoßen. Und das ganz auf die Schnelle, mehr oder weniger über Nacht, und zwar zu einem Discount, der seinesgleichen sucht. Das Ganze glich fast schon einer Panik Aktion. An diesem Punkt bezieht sich die Financial Times auf gut informierte Kreise.

Diese besagte Tranche brachte jedoch lediglich 534 Millionen US Dollar ein. Das entspricht einer Summe, die knapp 100 Millionen US Dollar unter ihrem eigentlichen Wert liegt.

Gründlich verzockt

Nach Informationen der Financial Times hat sich der Initiator dieses Deals, die Citigroup aus New York, bereit erklärt, 40 Prozent der Verluste zu tragen. Damit übernimmt das US-amerikanische Finanzunternehmen den Bärenanteil. Die restlichen 60 Prozent werden zu gleichen Teilen auf die anderen Institute verteilt. Die Pariser Société Générale übernimmt 20 Prozent, Barcleys PLC aus London nimmt weitere 20 Prozent in die Bücher und die Deutsche Bank steht ebenfalls mit einem Minus von 20 Prozent da. Bisher haben sich betroffenen Banken noch nicht zu diesem Thema geäußert, beziehungsweise die vorliegenden Informationen der Financial Times in irgendeiner Weise kommentiert. Man kann wohl davon ausgehen, dass die Banken auf eine rasche Stabilisierung der weltweiten Krise hoffen und den damit einhergehenden wirtschaftlichen Verbesserungen, um die höher bewerteten Tranchen dieses Deals ebenfalls an den Mann, bzw. den Investor zu bringen. Aber derzeit ist eins noch klar: einen Haken können die vier Institute noch nicht hinter das Thema machen. Schließlich sitzen sie noch auf dem größten Batzen des Kredits. Immerhin beträgt der noch stolze 2,5 Milliarden US Dollar. Experten schätzen die Chancen der Banken als sehr gering ein, den vollen Investitionsbetrag zurückzubekommen.

Ziemlich dumm gelaufen! Um in der Sprache der Spieler und Gamer zu bleiben, könnte man auch sagen: Gründlich verzockt! 

Das internationale Finanzwesen „liest“ aus dieser Geschichte, dass es den Banken darum geht, die von der aktuellen Krise „... betroffenen Vermögenswerte selbst mit hohen Verlusten abzuladen.“

Internationale Investoren in Sorge

Nicht nur die Banken sind in großer Sorge um ihre Investitionen. Auch eine Reihe hochrangiger Persönlichkeiten und Promis - allen voran Pop-Ikone Madonna - sind besorgt um ihre Einlagen, denn die Casinos, in die sie Geld investierten, werfen aktuell so gut wie keine Gewinne mehr ab. Die Einnahme-Verluste sind derart hoch, dass man fast schon sagen könnte „Rien ne va plus“, oder zu gut deutsch: „Nichts geht mehr!“

Beinahe noch wüster, als bei den Casinos, geht auf dem Rohöl-Markt zu. Dort drohen derzeit Verluste von mehreren Milliarden US Dollar. Aktuell werden sogar Lieferungen von Heizöl, Rohöl oder auch Flugzeugtreibstoff gegen Barzahlung angeboten.