Wer einmal gewonnen hat, der will es immer wieder. Aus diesem Grund entwickeln sich gerade Pokerspieler immer weiter und weiter. Und das ist auch gut so. Allerdings gibt es auch immer wieder Spieler, die das Wesentliche dabei aus den Augen verlieren. Sie sind verwirrt. Das ist allerdings auch kein Wunder, angesichts der zahlreichen Videos, die auf Plattformen wie YouTube Strategie Tipps promoten und die zeigen, dass Profis irrwitzige Bluffs wie Kaninchen aus dem Zylinder zaubern. Diese Art des kunstvollen Fancy Plays hat natürlich seine Reize, allerdings sollte darüber nicht die Basis vergessen werden, auf die wir uns hier konzentrieren wollen.

Der Spielstil tight-aggressiv

Online PokerGroße Geheimnisse sind beim tight-aggressive Stil nicht zu erwarten, aber er klappt, da Ihnen gegenüber ihren Mitspielern ein erheblicher Vorteil eingeräumt wird. Anfänglich haben Sie für gewöhnlich die stärkste Hand. Auch im späteren Verlauf behalten Sie oft die Oberhand. Es gelingt Ihnen mehr Value Bets anzubringen und Sie sind weniger gezwungen zu bluffen. Schon bei der Auswahl der Starthände sind sie sehr wählerisch und gehen im Spiel aggressiv vor. Das heißt: Sofern Sie in einen Pot einsteigen, werden Sie voraussichtlich mehr raisen anstatt callen und häufiger betten anstatt zu checken. Dadurch erhalten Sie immer zwei Gelegenheiten den Pot zu holen: Entweder gelingt es Ihnen, Ihre Gegner zum Folden zu bringen, oder sie „... gewinnen mit der besten Hand am Showdown“. Darüber hinaus gelingt es bei diesem aggressiven Vorgehen meistens, mit der (möglichst) stärksten Hand den Pot zu erweitern. Standard wäre in diesem Fall auf das Dreifache des jeweiligen Big Blinds mit einem Raise in den Pot einzusteigen. Dazu sollte für jeden Limper auch noch ein Big Blind kommen. Sofern Sie beispielsweise $0,50/$1,- spielen, müssten Sie also erhöhen auf $3,-, und sofern dann jemand limpt, sind es schon $4,-. Ein ausgesprochen heiß diskutiertes Thema ist das Sizing vor dem Flop. Wenn Sie den soeben geschilderten Vorschlag annehmen, können Sie sicherstellen, dass Spieler bei diesem Sizing in die Hand nicht zu günstig einsteigen, ohne Spieler, die deutlich schwächer sind, zu vertreiben. 

Die Bedeutung der Position am Tisch

Doyle Brunson machte einmal sehr deutlich, welche Bedeutung die Position am Tisch hat: „Wenn ich jede Hand am Button spielen dürfte, könnte ich jedes Spiel blind schlagen.“ Poker ist nun mal ein Spiel, bei dem die Informationen unvollständig sind. Das heißt: Ihre Spiel-Entscheidungen werden immer besser, je mehr Infos Sie haben. Beim Pokern ist der Button die absolut beste Position. Vor dem Flop sind Sie als Letztes an der Reihe - mit Ausnahme der Blinds natürlich - und nach dem Flop sind Sie erst wieder dran, wenn alle anderen ihre Züge getätigt haben. Deutlich schwieriger ist das Spiel ohne Position. Dann kann der Spaß am Pokern auch schon mal zu einer Art Ratespiel verkommen. Schließlich können sich Ihre Mitspieler nie sicher sein. Die Positionen an einem 9-handed-Table verteilen sich folgendermaßen: Seats 1 und 2: Blinds / Seats 3, 4 und 5: Frühe Positionen / Seats 6 und 7: Mittlere Positionen / Seats 8 und 9: Späte Positionen.

Wer komplizierte Entscheidungen auf ein Minimum reduzieren will, der sollte sich den ABC Spielstil angewöhnen. Sie haben dabei ein leichtes Spiel in den Frühen Positionen, weil dort nur die starken Hände gut genug sind. Sollte sie dennoch eine schwächere Hand zum raisen verleiten, dann sollten Sie sich selbst die Frage beantworten, was Sie gegen eine 3 Bet tun würden. Sie kommen nie in Schwierigkeiten, sofern Sie sich immer strikt an die Handauswahl halten.

Mit dem Ausweiten Ihrer Range können Sie in der mittleren Position beginnen, auch damit, mehr Hände zu spielen. Immerhin verfügen Sie inzwischen über Informationen zu den Spielern vor Ihnen und es sind nur noch wenige Seats hinter Ihnen. Überlegen Sie gut, welche Hände die Range eines Spielers umfasst, der aus früher Position geraist hat. Ggf. müssen Sie sehr tight agieren. Sie können mit allen Händen gut mitgehen, die gut geeignet für Multi Way Situationen sind, sofern jemand in früher Position nur gelimpt hat. Das heißt also mit Suited Connectors oder mit Paaren.

Sie können sehr viel mehr Hände erhöhen, wenn Sie sich in einer späten Position befinden. Schließlich sind Sie Ihren Gegnern gegenüber in einem deutlichen Vorteil für den Rest der Hand. Raisen Sie, und zwar mit Paaren, Suited Händen und Suited Connectors. Damit sind wir immer noch einer Handauswahl, die recht tight ist. Immerhin suchen Sie ja vermutlich noch immer mit einer starken Hand den Einstieg in den Pot. Es ist dabei auch wichtig Blinds zu stehlen, allerdings nicht zu Steals anzusetzen - schon gar nicht mit x-beliebigen Händen. Die Blinds könnten sich nämlich dagegen verteidigen und das bringt dann nur unnötige Probleme mit sich.

Es ist nicht einfach in den Blinds zu spielen. Natürlich ist man mit vielen Händen um die Verteidigung der Blinds bemüht. Schließlich hat man Geld in den Pot geschmissen und will es nicht verlieren. Allerdings kann es dazu führen, dass man noch mehr Geld verliert, wenn man zu sehr einer solchen Verteidigungsstrategie nachhängt. Behalten Sie immer Ihr Budget im Auge und hören Sie auf Ihren gesunden Menschenverstand. Wenn der Preis nicht zu hoch ist, dann callen Sie. Im Small Blind können Sie wesentlich weniger Hände defenden, als im Big Blind.

Wann macht es Sinn, von der Strategie abzuweichen?

In früheren Zeiten war alles viel leichter. Da brauchten Sie nur eine sogenannte 1 x 1 Strategie. Mittlerweile ist alles viel komplizierter geworden, aber in den sogenannten Lower Stakes können Sie es mit dieser 1 x 1 Strategie noch immer sehr weit bringen. Gerade in Live Spielen ist diese Strategie häufig von Erfolg gekrönt. Aber auch bei Spielen mit Gegnern, über die Sie keine Infos haben, ist sie extrem nützlich. Dabei können Sie, ohne ein Risiko einzugehen, Informationen sammeln. Andererseits ist eine 1 x 1 Strategie natürlich in gewisser Weise auch transparent und von daher leichter zu schlagen. Bei eher professionellen Spielern am Tisch sollten Sie dann versuchen, mit ein paar Bluff Raises bei schwächeren Händen Ihre Range zu erweitern und mit Suited Connectors und kleinen Paaren schon in früher Position erhöhen. Sie haben fast immer die beste Hand, wenn Sie mit Suited Connectors einen guten Flop erwischen. Obendrein stehen Ihnen ja auch noch die Infos zur Verfügung, die Sie im Laufe des Spiels über die Gegenspieler gesammelt haben. Sofern nämlich ein Spieler zu tight agiert, lohnt sich ein breiteres Aufstellen Ihrer Range in mittlerer Position. Wenn Sie herausgefunden haben, dass ein anderer Spieler sehr aggressiv agiert, macht es keinen Sinn mehr, viele Hände zu limpen. Das würde Sie nur unnötig viel Geld kosten.