Curaçao wird im März 2021 eine neue Glücksspielregulierung einführen. Der bekannte Karibik-Staat vergibt schon seit vielen Jahren Lizenzen für Online Casinos und andere Glücksspielanbieter. Die geplante Verschärfung der Regulierung kommt vor allem durch den Druck der Niederlande zustande.

Niederlande drängt Curaçao zu strengerer Regulierung

Gesetz GlücksspielWas passiert da gerade in Curaçao? Wieso hat sich der Karibik-Staat dazu überreden lassen, die Glücksspielregulierung, die seit vielen Jahren in mehr oder weniger unveränderter Form angeboten wird, drastisch zu verändern? Die Antwort ist einfach: Die Niederlande spielen nach wie vor eine wichtige Rolle für Curaçao und haben bereits seit April durch Finanzhilfen dafür gesorgt, dass der Staat überhaupt handlungsfähig geblieben ist in der großen Krise. Curaçao ist auf Tourismus angewiesen und weil in diesem Jahr die Touristen weitgehend ausgeblieben sind, hat sich eine riesige Finanzierungslücke ergeben. Die Niederlande haben durch das aktuelle Finanzpaket einen starken Hebel, um Veränderungen durchzuführen. In erster Linie geht es darum, Curaçao ein Stück weit moderner und unabhängiger von den Niederlanden zu machen. Kurioserweise wird aber die aktuelle Abhängigkeit von den Niederlanden ausgenutzt, um die Glücksspielregulierung zu verbessern. Warum ist das den Niederlanden so wichtig? Es gibt viele Online-Spielbanken mit einer Lizenz der Regierung von Curaçao, die auch in den Niederlanden Kunden haben. Die Curaçao-Lizenz ist den europäischen Glücksspielbehörden schon seit vielen Jahren ein Dorn im Auge. Doch nun könnte sich einiges ändern, denn wenn die aktuell bekannt gewordenen Pläne umgesetzt werden, wird sich die Curaçao-Lizenz erheblich verändern. Auch für Deutschland und die neue deutsche Glücksspielregulierung ist das eine positive Entwicklung.

Der entscheidende Punkt bei der neuen Regulierung soll sein, dass Anbieter mit Curaçao-Lizenz sich zusätzlich an die im jeweiligen Land geltenden gesetzlichen Vorgaben halten müssen. Das wäre ein echter Hammer, denn damit wäre die Curaçao-Lizenz nicht mehr das Feigenblatt, das sie für viele Jahre lang war. Schon seit vielen Jahren gibt es Online-Spielbanken mit Curaçao-Lizenz, die Kunden aus vielen europäischen Ländern akzeptieren, obwohl die aktuelle Curaçao-Lizenz längst nicht so anspruchsvoll ist wie die bislang üblichen EU-Lizenzen. Noch deutlich größer ist der Abstand in Ländern wie Schweden, Deutschland und den Niederlanden, in denen sehr strenge Regulierungen bereits vorhanden sind oder gerade implementiert werden. In Zukunft müssen Anbieter mit Curaçao-Lizenz um Länder wie Deutschland einen großen Bogen machen oder aber kontrollieren, dass sich die Anbieter an die deutsche Regulierung halten. Das würde bedeuten, dass die Anbieter auch noch eine deutsche Lizenz für Online-Glücksspiel benötigten. Das Glücksspiel-Modell von Curaçao steht mehr oder weniger vor dem Aus, wenn sich die Niederlande durchsetzen. Es besteht aber kein Zweifel daran, dass sich Curaçao auf die Vorgaben aus den Niederlanden einlassen wird. Am Ende könnte es allerdings noch die eine oder andere Lücke geben, vor allem wenn es um die Umsetzung der neuen Regulierung geht. In jedem Fall gerät Curaçao aber zum ersten Mal bei der Glücksspielregulierung heftig unter Druck. Für viele Glücksspiel-Fans waren die Online-Spielbanken mit Curaçao-Lizenz ohnehin nie eine echte Alternative zu den Anbietern mit EU-Lizenz. In Zukunft soll es in Deutschland ohnehin nur noch Anbieter mit deutscher Lizenz geben.

Profitiert Deutschland von neuer Curaçao-Lizenz?

Die größte Herausforderung bei jeder Glücksspielregulierung ist es, den nicht regulierten Markt unter Kontrolle zu bringen. Beim Online-Glücksspiel ist das aus naheliegenden Gründen besonders schwierig. Wenn Curaçao, einer der wichtigsten Lizenzgeber außerhalb der Europäischen Union für den europäischen Markt, in Zukunft nicht mehr einfach überall Online-Spielbanken zulassen kann, wird das die Gesamtlage verändern. Ob am Ende dann nicht noch irgendein anderer Staat auf die Idee kommt, Lizenzen zu vergeben, mit denen Spieler aus Europa angeworben werden können, bleibt abzuwarten. Aber Curaçao war und ist immer noch eine Alternative für Online-Anbieter in der Glücksspielbranche, die sich nicht den strengen EU-Regeln unterwerfen wollen. Je weniger derartige Alternativen es gibt, desto besser ist das für Deutschland und alle anderen regulierten Märkte in Europa.

Deutschland könnte davon profitieren, dass das Angebot auf dem künftigen Schwarzmarkt ohne Online-Spielbanken mit Curaçao-Lizenz schrumpfen wird. Das ist in jedem Fall ein Vorteil, denn dadurch ist es einfacher, die legalen Angebote erfolgreich zu machen. Letztlich geht es bei der Kanalisierung des Glücksspiels darum, möglichst viele Kunden auf dem Glücksspielmarkt von den illegalen Angeboten abzuhalten. Besonders einfach funktioniert dies selbstverständlich, wenn es nur wenige Angebote auf dem Schwarzmarkt gibt. Die deutsche Politik sollte sich nicht auf verlassen, dass die Veränderung der Curaçao-Lizenz dazu führen wird, dass es keine Anbieter mehr auf dem deutschen Markt gibt, die außerhalb Europas lizenziert werden. Beispielsweise gibt es auch noch den großen asiatischen Markt und auch noch andere Jurisdiktionen als Curaçao, die dazu bereit sind, Lizenzen für nahezu alle Glücksspielanbieter auszustellen. Aber die aktuelle Konfrontation zwischen den Niederlanden und Curaçao zeigt, dass die europäischen Länder durchaus Möglichkeiten haben, gegen problematische Lizenzgeber für Online-Spielbanken vorzugehen.

Hier mehr über die angekündigte Änderung der Glücksspielregulierung in Curaçao lesen (auf Englisch).