Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Das gilt erstaunlicherweise auch für Schweizer Casinos, wo man doch gerade dort absolute Korrektheit und Seriosität erwartet. Die Schweiz ist quasi der Inbegriff des korrekten Verhaltens. Dass das aber auch nach hinten losgehen kann, erfuhr ein Schweizer Millionär gerade am eigenen Leibe. Dabei wollte der „arme“ Mann doch nur ein wenig von seinem vielen Geld in einem Schweizer Casino loswerden. Kein Problem könnte man meinen, aber Pustekuchen! So einfach ist das nämlich gar nicht. Insbesondere wenn man sich vermeintlich „auffällig“ dabei verhält. Und auffällig bedeutet in diesem Fall, das Casino zu oft zu besuchen. Aber erstmal der Reihe nach. Was war denn eigentlich in dem Casino passiert? 

Zu häufige Casino Besuche schon kriminell?

Casino Lugano SchweizEin 70-jähiger Schweizer Rentner hat ein großes Problem, und dieses „große Problem“ ist ein Vermögen im siebenstellig Bereich. Kürzlich wollte er sich diesem Punkt widmen und durch „maßvolles Entkapitalisieren“ Abhilfe schaffen. Was bietet sich da besser an als das Glücksspiel? Es gibt zwar keine Garantie, dass man auch tatsächlich Geld verliert, aber die Wahrscheinlichkeit ist doch recht hoch. Zudem kann man eine Menge Spaß dabei haben. Also besuchte der rüstige Rentner häufiger das Grand Casino in Luzern und spielte dort um 100 oder 200 Schweizer Franken. Das sind natürlich Peanuts im Vergleich zu den Summen, die dort teilweise verzockt werden. Aber er wollte ja auch längere Zeit Vergnügen an seiner „Entkapitalisierung“ haben. Allerdings ist ihm das gründlich vergangen, nachdem er von der Casinoleitung zu einem „Gespräch“ zitiert wurde, bei dem er seine finanzielle Lage offenbaren sollte. Über diese Einladung war er gar nicht amüsiert, obwohl diese Überprüfung seiner Finanzen nur zu seinen Gunsten ausfallen konnte. Und danach wäre er „...auch wieder ein gern gesehener Gast im Grand Casino in Luzern“, so die Geschäftsleitung. 

Doch daraus wird wohl nichts mehr. Vielmehr gab es erstmal einen geharnischten Brief an die Geschäftsleitung, in welchem sich der erboste Rentner über das Verhalten des Casinos aufregte. Er habe sich „wie ein Krimineller“ behandelt gefühlt. Man habe sich von Seiten der Verantwortlich zu diesem Handeln veranlasst gesehen, da er eine Zeitlang recht häufig in der mondänen Spielstätte aufgetaucht sei, dabei wollte er nur „mit kleinen, begrenzten Einsätzen einen Teil meiner Freizeit zu verbringen“ Als «erniedrigend und unsorgfältig» empfand der Spieler, dass ihm der Sozialkonzeptverantwortliche auch nach Einsichtnahme in seine Finanzen am Telefon unterstellt habe, über seine Verhältnisse zu leben. „Wie kommt ein Casinoangestellter dazu, meine Lebensführung zu hinterfragen?“ empörte sich der Rentner in seinem Brief.

Und wie kam es jetzt dazu?

Wie kam der Casinomitarbeiter denn nun wirklich auf diese Idee? Da sind wir wieder bei dem Thema „gut gemeint“. Die Eidgenossen haben eines der strengsten Spielerschutzgesetze in ganz Europa. Das ist ja erstmal nicht verkehrt. Wenn dort natürlich auch häufige Casinobesuche nicht per se verboten sind, so haben die Casino bei den im Gesetz festgelegten Früherkennungsmerkmalen einen großzügigen Ermessensspielraum, und diesen hat das Grand Casino Luzern genutzt. Die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) ist für die Einhaltung und Überwachung der Gesetze verantwortlich und kann auch empfindliche Strafen bis zum Entzug der Konzession aussprechen.  

Lieber einmal zu viel als zu wenig

Für das ESBK kann man lieber einmal zu viel als zu wenig hingucken. Schon 2016 wurde ein Casino mit einer Strafe belegt, weil es nach Meinung der Eidgenössischen Spielbankkommission bei einem gefährdeten Spieler nicht genau genug hingeschaut hatte. Zwar wurde die Strafe vom Bundesverwaltungsgericht reduziert, aber im Grundsatz bekam die Kommission recht. 

Wolfgang Bliem, Direktor des Grand Casino Luzern, gab bei einer Anfrage zu Protokoll, dass die Casinos gesetzlich verpflichtet seien, „umfangreiche und detaillierte Abklärungen vorzunehmen, wenn Anzeichen bestehen, dass ein Spieler über seine Verhältnisse spielen könnte“. Dies sei ganz im Sinne des Gesetzgebers, der die Schwelle zur Verhängung einer Spielsperre bewusst niedrig angesetzt habe. Bliem sieht die Schweiz mit ihrer Gesetzgebung zum Spielerschutz sogar weltweit führend, er könne aber nachvollziehen, dass die gesetzlich geforderten Abklärungen als Eingriff in persönliche Rechte empfunden werden könnten. 

Erst 1993 war das Verbot von Casinos nach einer Volksabstimmung aufgehoben, aber mit strengen Auflagen versehen worden. So sind die Casinos nach einem Sozialkonzept verpflichtet eine Spielsperre auszusprechen, wenn eine Spielerin oder ein Spieler in Verdacht steht überschuldet zu sein, ihren/seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann und mit Einsätzen spielt, die in keinem Verhältnis zum Einkommen und Vermögen stehen. Natürlich gibt es auch in der Schweiz Personen, die diesem Konzept der Selbstkontrolle nicht wirklich trauen. Sie argumentieren so: „... als würde man Geschwindigkeitslimiten einem Raser überlassen“. Aber wie der Fall des Rentners zeigt, ist das ESBK wohl redlich bemüht, die Einhaltung der Gesetze zu kontrollieren - nur, dass es diesmal nach hinten losging und das Grand Casino Luzern wohl einen zufriedenen Kunden weniger hat. Wir lernen daraus: sein Geld in Casino los zu werden, ist manchmal gar nicht so einfach.