In den letzten Jahren hat es viele spannende Casino-Innovationen gegeben. Aber einige Ideen sind auch grandios gescheitert. Im einen oder anderen Fall könnte aber auch nur das Timing nicht gepasst haben. Wir haben uns einige Casino-Innovationen der letzten Jahre angeschaut, die nach wie vor auf den großen Durchbruch warten. Auch beim Online-Glücksspiel lässt sich nicht alles planen, denn am Ende entscheiden die Kunden, was sie in einem Online Casino machen. Live-Dealer-Spiele haben in den letzten Jahren einen großen Siegeszug hingelegt. Kaum noch ein Online Casino kann es sich leisten, auf einen Live-Bereich zu verzichten. Zu viele Glücksspiel-Fans mögen zumindest den gelegentlichen Besuch in einem Live Casino, um Roulette, Blackjack, Baccarat, Poker oder auch diverse TV-Spiele zu nutzen. Was haben diese Spiele gemeinsam? Es ist ein Dealer oder ein Moderator nötig, um das Spiel zu leiten.

Gescheiterte Innovation Nummer 1: Spielautomaten im Live Casino

Vielleicht ist das schon die beste Antwort auf die Frage, warum Live-Dealer-Slots bislang nicht zu einer großen Nummer geworden sind. Nicht dass es an Versuchen gemangelt hätte. Einige Anbieter von Live-Dealer-Spielen haben Slots in Live-Varianten auf den Markt gebracht. Allerdings ist nie klar geworden, was der Vorteil an Spielautomaten im Live Casino sein soll. Bei den bisherigen Angeboten handelte es sich letztlich um Spielautomaten in mechanischer Form, die zum Teil auch anstelle der üblichen Walzen so etwas wie Glücksräder hatten. Einige Anbieter haben viel Aufwand betrieben, um optisch attraktive Spielautomaten im Live Casino anzubieten. Mittlerweile gibt es aber keinen großen Anbieter im Live-Bereich mehr, der noch Slots im Portfolio hat. Warum? Ganz einfach: Die Spieler hatten keine Lust, Spielautomaten im Live Casino zu nutzen.

Die bisherigen Live-Dealer-Slots brachten den Spielern keinen echten Vorteil. Im Gegenteil: In der Regel war die Auszahlungsquote deutlich niedriger als bei den üblichen Online-Slots, die ganz ohne menschliche Hilfe funktionieren. Die Live-Dealer-Slots hatten aber immer einen Dealer, der stellvertretend für den Spieler den Slot in Bewegung setzen musste. Es ist völlig klar, dass deswegen nicht die gleichen hohen Auszahlungsquoten wie bei Online-Slots erreicht werden konnten. Wie bei allen Live-Dealer-Spielen gab es auch die Möglichkeit, direkt mit dem Dealer zu kommunizieren. Doch selbst das reicht dann als zusätzlicher Vorteil nicht aus, um Live-Dealer-Slots gut zu finden. Aufgrund erschreckend niedriger Teilnehmerzahlen waren die Live-Dealer-Slots schnell wieder aus den Live Casinos verschwunden. Wir sehen auch für diese Casino-Innovation in Zukunft keine echte Perspektive. Solange es keinen immensen Techniksprung gibt, der dafür sorgt, dass die Spieler ein ganz anderes Live-Erlebnis in Online Casinos haben können als bisher, werden die Spielautomaten in den rein digitalen Varianten deutlich populärer bleiben als alle Live-Dealer-Slots. Damit können die Betreiber der Online Casinos auch gut leben, denn nach wie vor gibt es sehr viele Menschen, die gerne die vielen unterschiedlichen Online-Slots nutzen und nicht das Gefühl entwickeln, das etwas fehlen würde.

Gescheiterte Innovation Nummer 2: Online-Poker mit Webcam

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab es einen großen Pokerboom im Internet. Plötzlich spielte fast jeder, der einen Internetanschluss hatte, in der Freizeit Poker und träumte davon, als Pokerprofi Millionen zu gewinnen. Das gelang am Ende aber nur sehr wenigen und deswegen flachte der Pokerboom schon nach ein paar Jahren wieder ab. Für viele Pokerspieler war Online-Poker zwar spannend, aber es fehlt ein wichtiges Element: der Augenkontakt. Als der große Pokerboom stattfand, gab es noch nicht die technischen Möglichkeiten, um Online-Poker mit Webcam flächendeckend umzusetzen. Aber als 888 im Jahr 2011 als erster großer Anbieter Pokertische mit Webcams verknüpfte, war das schon anders. Doch genauso wie das Bildtelefon der Deutschen Post in den 1980er Jahren gescheitert war, scheiterte auch Online-Poker mit Webcam. Zwar gibt es nach wie vor diverse Anbieter, die Pokertische mit Webcam-Option anbieten und es gibt auch Pokerspieler, die diese Option gerne nutzen. Aber zum Massenphänomen ist Webcam-Poker nicht geworden. Es mag sein, dass sich das irgendwann doch noch einmal ändert, denn mittlerweile sind Videokonferenzen im beruflichen und privaten Alltag angekommen. Warum also nicht gleich auch eine Webcam nutzen, um Poker online zu spielen und dabei den Gegnern in die Augen schauen zu können? Aber es gibt viele subtile Details, die es in der Praxis schwierig machen, Online-Poker mit Webcams gut zu finden.

Auch wenn die Technik grundsätzlich längst ausreicht, um Online-Poker mit Webcam umzusetzen, hat doch längst nicht jeder Pokerspieler eine erstklassige Webcam und auch noch eine erstklassige Internetverbindung. Nur wenn beides gewährleistet ist, funktioniert der gewünschte Augenkontakt wunschgemäß. Es kann sogar sein, dass ein Spieler mit erstklassiger Technik in der Praxis benachteiligt wird, weil die anderen Spieler viel besser erkennen können, was sich im Gesicht des Gegners abspielt. Gerade beim Online-Poker kann niemand davon ausgehen, dass alle Teilnehmer eine Top-Internetverbindung und eine Top-Webcam haben. Wenn nur einer der Teilnehmer diese beiden Voraussetzungen nicht erfüllt, kann von Fairness schon keine Rede mehr sein. Der eine oder andere Spieler könnte auch auf die Idee kommen, absichtlich eine schlechte Webcam zu wählen oder einen schlechten Übertragungsmodus einzustellen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Unter dem Strich kann eine Webcam den Besuch in einem Beton-Casino, in dem sich die Spieler direkt sehen können, nicht ersetzen. Am Ende spielen die meisten Pokerspieler dann doch am liebsten ohne Webcam. Vielleicht möchte der eine oder andere Pokerspieler aber auch einfach die Vorteile der fehlenden Bildübertragung nutzen. Beim Online-Poker ohne Webcam muss sich niemand schick machen oder eine Hose anziehen.

Gescheiterte Innovation Nummer 3: Glücksspiele mit virtueller Realität

SlotMillions war im Jahr 2015 der erste große Anbieter mit einer echten virtuellen Realität für Glücksspiel-Fans in Europa. Auf Anhieb gelang es SlotMillions, ein sehr überzeugendes VR-Casino anzubieten. Die Spieler konnten in einen großen Wolkenkratzer gehen, um dann in einem der oberen Stockwerke im Casino zu spielen. Die Qualität der Spiele war erstklassig und erinnerte in der gesamten Aufmachung an moderne Videospiele mit VR-Technologie. Doch das alles genügte nicht, um viele Kunden zu begeistern. Ähnliche Erfahrungen durfte NetEnt im Jahr 2017 machen. Der schwedische Spielehersteller hat mittlerweile auch eine VR-Option für Online Casinos, die jedoch nicht häufig zum Einsatz kommt. Die Qualität ist hervorragend und es macht viel Spaß, im virtuellen NetEnt Casino zu spielen. Aber auch bei dieser Umsetzung eines VR-Casinos wurde schnell deutlich, dass die Kunden zumindest im Moment noch nicht dazu bereit sind, diesen Pfad in großer Anzahl zu beschreiten. Es gibt sogar Glücksspiel-Experten, die damit rechnen, dass die VR-Technologie in den Online Casinos langfristig keine hohe Relevanz erreichen wird. Dafür gibt es einige starke Argumente, die alle Casino-Betreiber und Spielehersteller berücksichtigen sollten bei künftigen Investitionen.

Der wichtigste Vorteil eines Online Casinos ist, dass es jederzeit und überall möglich ist, Glücksspiele zu nutzen. Es gibt keine Öffnungszeiten, die Auswahl ist riesig und ein Smartphone genügt schon, um Spielautomaten und Tischspiele in unzähligen Varianten zu erleben. Bei der heutigen VR-Technologie fallen diese Vorteile zu großen Teilen weg. Es ist spezielles Equipment nötig, um überhaupt ein VR-Casino zu nutzen. Wer möchte schon jedes Mal einen Helm anziehen, um in einem Online Casino ein paar Spielautomaten zu nutzen? Das ist vielleicht für ein gelegentliches Erlebnis ganz hübsch. Aber auf Dauer brauchen die meisten Glücksspiel-Fans keine virtuellen Realitäten, um Spaß in einem Online Casino zu haben. Den meisten Glücksspiel-Fans geht es vor allem darum, das Glück herauszufordern. Dazu ist keine aufwendige virtuelle Realität erforderlich. Es kann sogar gut sein, dass es viele Glücksspiel-Fans gibt, die eine zu aufwendige Technik am Ende mehr stört als begeistert. Es ist kein Zufall, dass gerade die einfachen Spielautomaten enorm beliebt sind. Im Vergleich zu Videospielen der neuesten Generation sind alle Spiele in Online Casinos hoffnungslos unterlegen, jedenfalls wenn es um die Technik geht. Das hält die echten Casino-Fans aber nicht davon ab, regelmäßig in Online Casinos zu spielen. Es kann gut sein, dass die Bedürfnisse der meisten Glücksspiel-Fans nicht kompatibel sind mit den Träumen von virtuellen Realitäten, die so mancher Spielehersteller in der Glücksspielbranche immer noch verfolgt.

Gescheiterte Innovation Nummer 4: Duplicate Poker

Duplicate Poker ist eine Pokervariante, die zu Beginn des 21. Jahrhunderts das Pokerspiel revolutionieren sollte. Doch der erste Anbieter, der diese neue Pokervariante exklusiv anbot, musste 2008 komplett schließen, da die Umsätze nicht ausreichten für einen wirtschaftlichen Betrieb. Auch spätere Versuche, Duplicate Poker den Pokerfans näherzubringen, scheiterten. Dabei ist die Grundidee bei Duplicate Poker durchaus interessant. Im Kern geht es darum, Poker fairer zu machen. Anstatt einfach an einem Tisch Platz zu nehmen und zu spielen, muss beim Duplicate Poker jeder Spieler an mehreren Tischen Platz nehmen. Die Anzahl der Tische entspricht der Anzahl der Spieler. Jeder Spieler soll in jeder Position sitzen. Der zweite wichtige Aspekt ist, dass an allen Tischen die gleichen Karten ausgeteilt werden. An diesem Detail wird deutlich, dass es sich vor allem um eine Variante für Online-Poker handelt. Es gab zwar Versuche, Duplicate Poker in einem Beton-Casino anzubieten, aber der Aufwand ist riesig. Beim Online-Poker ist es sehr leicht dafür zu sorgen, dass an allen Plätzen der beteiligten Tische immer die gleichen Karten in jeder Runde ausgeteilt werden. Doch was ist der Sinn der grundlegenden Anordnung beim Duplicate Poker? Die Erfinder von Duplicate Poker wollten eine Pokervariante kreieren, die immer dazu führt, dass der beste Spieler gewinnt.

Bei der Abrechnung geht es bei Duplicate Poker nicht darum, die Gewinne an den einzelnen Tischen aufzurechnen. Vielmehr wird jeweils die Leistung an den einzelnen Plätzen beurteilt und dann gegeneinander aufgerechnet. Nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis führt dies dazu, dass am Ende tatsächlich der Spieler gewinnt, der die ausgeteilten Hände am besten gespielt hat. Das Problem ist aber, dass das vielleicht gar nicht das ist, was die meisten Menschen beim Poker begeistert. Der Glücksfaktor wird ausgeschaltet beim Duplicate Poker, da jeder Spieler im Verlauf des Spiels die gleichen Konstellationen und die gleichen Hände spielen muss. Ein anderer Grund, warum Duplicate Poker nie zu einem großen Renner geworden ist, dürfte die Komplexität des Spiels sein. Beim normalen Online-Poker ist es möglich, einfach an einen Tisch Platz zu nehmen und eine Weile zu spielen. Duplicate Poker ist selbst bei einer kleinen Teilnehmerzahl in der Regel eine recht langwierige Sache. Wir bezweifeln, dass Duplicate Poker irgendwann noch einmal zurückkommen wird in die Online-Pokerräume. Aber vielleicht wird sich auch schon die nächste Generation der Pokerspieler an dieser ausgeklügelten Pokervariante erfreuen.

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