So richtig zum Feiern ist ihnen dann doch nicht zu Mute. Obwohl es genügend Anlässe dafür gäbe. Denn das bayerische Casino Feuchtwangen-Crailsheim feiert nicht nur sein 20-jähriges Bestehen in diesem Jahr, sondern blickt auch auf ein äußerst erfolgreiches Jahr 2019 zurück. Wenn die momentane Gesundheitslage nicht dazwischengekommen wäre, würden die Betreiber vermutlich weiterhin die Sekt- oder Champagnerkorken knallen lassen. Allerdings haben sie erstmal bis zum 19. April den Spielbetrieb definitiv eingestellt und warten ab, wie sich die Risikoeinschätzungen bis dahin entwickeln. Veranstaltungen für den Mai sind zwar schon geplant, aber ob sie tatsächlich stattfinden können, steht noch in den Sternen. 

Casino Feuchtwangen:
Umsatz- und Besuchersteigerung im Jahr 2019
 

Bad Steben SpielbankAm 31. März 2000 eröffnete das architektonisch spannende Casino an der Autobahn seine Türen und empfing die ersten Besucherinnen und Besucher an Spieltischen, Automaten, in Restaurants und Bars. Seitdem hat sich das Casino zu einer festen Institution in dem Landkreis gemausert und zieht immer mehr spielfreudige Besucher an. Diese kommen zu 60 Prozent aus dem Landkreis und der Stadt Ansbach, aus den württembergischen Kreisen Schwäbisch Hall, Hohenlohekreis und Ostalbkreis und dem Großraum Nürnberg. Aber auch Fahrzeiten von bis zu einer Stunde werden in Kauf genommen, und so zählt man auch Spielerinnen und Spieler aus Würzburg, Ulm und Augsburg zu den Gästen. Es sind jedoch mehr männliche als weibliche, in einem ungefähren Verhältnis von Zwei zu Eins. Elisabeth Schock, amtierende Direktorin des Casinos Feuchtwangen seit 2004, blickt demnach mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Jubiläumsjahr. Dabei hatte die dienstälteste Direktorin aller bayerischen Spielbanken eigentlich eine Menge Gutes zu verkünden. Nämlich, dass z.B. der Bruttospielertrag gegenüber 2018 (Spieleinsätze abzüglich der ausgezahlten Gewinne) in 2019 um ein Viertel auf 16 Millionen Euro gestiegen ist. Und auch die Besucherinnen- und Besucherzahlen erfuhren eine signifikante Steigerung, und zwar von 100.000 im Jahr 2018 auf 113.000 im Jahr 2019, was einer Steigerung von fast 13,5 Prozent entspricht. 

Diese Entwicklung deutet auf eine Art Trendwende im Casino-Betrieb hin. Denn das Casino Feuchtwangen hatte seit 2010 nicht nur rosige Zeiten, sondern auch zu kämpfen. Dies gilt sowohl für die Umsätze als auch für die Besucherzahlen. „Die Zunahme an gewerblichen Spielhallen und das illegale Glücksspiel im Internet setzten uns doch ziemlich zu“, führt Elisabeth Schock aus. Und ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor sei das seit zehn Jahren geltende Rauchverbot in den Spielcasinos. Dies schlug sich natürlich auch in Zahlen nieder. Waren es 2009 noch rund 17,4 Millionen Euro Bruttospielerträge, so schrumpfte die Zahl bis 2017 auf 11,3 Millionen. Auch kamen weniger Besucherinnen und Besucher. Waren es 2009 noch 136.000, so waren es 2017 nur noch rund 99.000. 

Die Wende zum Guten 

Die Ursache für die Wende zum Guten sieht Schock in zwei Umständen manifestiert. Zum einen hat der Gesetzgeber die Regeln für private Spielhallen verschärft. Das bedeutet, dass dort seit einiger Zeit nur noch langsamer und mit niedrigeren Einsätzen gespielt werden kann. Schock zu diesem Sachverhalt: „Das kommt natürlich unserem Automatenspiel zugute“. Und dieser macht dato bis zu 70% des Gesamtumsatzes im Spielbankbetrieb aus. Der zweite Grund sei das verbesserte Spiel- und Serviceangebot, welches wieder mehr Spielerinnen und Spieler angelockt habe. 

Dazu gehört sicherlich die Ausweitung des Angebotes gerade auch bei den „Großen Spielen“ wie Roulette, Black Jack und insbesondere Poker. Dort fanden und finden nun wesentlich mehr Turniere und Cash-Games statt. Dazu gibt es die „Spielbanken Bayern Pokermeisterschaft“ im Verbund der neun bayerischen Spielbanken. Aber nicht nur das Angebot bei den Spielen wurde optimiert, auch die Attraktionen abseits der Spieltische und Automaten wurden dem modernen Freizeitverhalten der Gäste angepasst. Als besonderes Highlight haben sich die Casino-Club-Nights mit ihrer Verbindung aus Musik, Bar und Livespiel durchgesetzt. Zusätzlich sorgen mannigfaltige Konzerte, Tombolas und Kabarettabende für einen größeren Besucherstrom. „Wir müssen im Wettbewerb mit Online-Casinos bestehen, indem wir einen Mehrwert anbieten. Poker ist nach wie vor sehr populär und bei uns einfach in professionellen Händen. Die Club-Nights präsentieren die Spielbank und ihr Angebot in einer neuen, lockeren Atmosphäre. Das heißt, die Gäste fühlen sich wohl und kommen gerne wieder,“ so Schock. 

Zweitgrößtes Casino in Bayern

Das Casino Feuchtwangen gehört zu den drei größten Casinos im bayerischen Casinoverbund. Das Casino Bad Wiessee als das größte Casino empfing 2019 151.921 Besucherinnen und Besucher und erzielte einen Bruttospielertrag von 26,3 Millionen Euro. Feuchtwangen als das zweitgrößte verzeichnete 113.000 Spielerinnen und Spieler und erwirtschaftete einen Bruttospielertrag von 16 Millionen Euro und das Casino Garmisch-Patenkirchen 125.449 Besucher und 11,3 Millionen Euro Ertrag. Zu dem bayerischen Verbund zählen noch die Spielbanken Bad Kissingen, Lindau, Bad Reichenhall, Bad Füssing, Bad Kötzting und Bad Steben. Im Jahr 2019 besuchten insgesamt 728.217 Spieler die Casinos und der Bruttospielertrag lag bei 86,7 Millionen Euro. 

Natürlich ist durch die Krise aktuell nicht mit einem Zuwachs der Zahlen zu rechnen. Es bleibt aber zu hoffen, dass die Betriebe aufrechterhalten werden könnten und man sich in absehbarer Zeit wieder zum Zocken in einem der Casinos trifft.