„Casinos-Paukenschlag“ titelte die Kronen Zeitung. Und tatsächlich klingt es im Zusammenhang mit dem Postenschacher-Skandal und dem Rest der Casinos Affäre äußerst spektakulär, dass der Präsident der Casinos Austria AG (CASAG), Walter Rothensteiner, plötzlich das Handtuch wirft. Der 67-Jährige war beinahe 25 Jahre lang Aufsichtsratschef bei der CASAG. Nun tritt er zurück, und kündigte an, seine Funktion bis zur nächsten Hauptversammlung im September dieses Jahres nicht weiter auszuüben. In Österreich brodelt die Gerüchteküche, und das Spekulations-Karussell hört nicht auf, sich zu drehen. 

ÖBAG-Chef Schmid sucht bereits Nachfolger 

In dem äußerst brisanten Skandal rund um die Casinos Austria AG und die Ibiza-Affäre gibt es beinahe täglich neue Nachrichten. Doch diese hier ist wohl die überraschendste. Walter Rothenstein zieht sich in den Ruhestand zurück. Von jetzt auf gleich. Dabei ist es bis zur nächsten Hauptversammlung im September gar nicht mehr so lange hin. Der Druck auf den CASAG Präsidenten war offensichtlich zu groß geworden. Laut der auflagenstärksten österreichischen Tageszeitung „Krone“ will Rothensteiner sich das alles mit 67 Jahren „... nicht mehr antun“. Damit gemeint ist ganz offensichtlich der Untersuchungsausschuss in der Ibiza-Affäre und die damit zusammenhängenden Ermittlungen. Von seinem Rücktritt hatte er das Finanzministerium schon informiert, teilte er mit.

Jetzt wird es eng für Thomas Schmid, derzeitiger Alleinvorstand der ÖBAG. Er hat nur noch bis zum Herbst Zeit, eine geeignete Person zu finden, die das Amt des Aufsichtsratschefs und des Präsidenten bei der Casinos Austria AG übernehmen kann. Keine leichte Aufgabe, die vermutlich auch der aktuellen Regierung noch einige Kopfschmerzen bereiten wird.

Haben Hausdurchsuchungen den Rücktritt erzwungen? 

Walter Rothensteiner gilt seit Jahrzehnten als mehr oder weniger unangefochtene Koryphäe und als einer der wichtigsten und mächtigsten Manager in der Alpenrepublik. Bis 2017 war er Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG und hat noch immer den Posten des Generalanwalts des Österreichischen Raiffeisenverbandes inne. Der mit vielen Ehrenzeichen für seine Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnete Rothensteiner gehört zudem seit 1989 dem Aufsichtsrat der CASAG an. 1996 übernahm er dann das Amt des Vorsitzenden. Laut einem aktuellen Bericht der „Krone“ hatte er bereits vor ein paar Tagen das Finanzministerium darüber unterrichtet, dass er für dieses Amt nicht noch einmal antreten würde und er seine Funktion bei der Casinos Austria AG ab sofort niederlegt. Einer der Hauptgründe für seine Entscheidung liegt vermutlich darin begründet, dass er in der letzten Zeit häufig in die Schlagzeilen geraten war. Gegenstand hierfür waren Hausdurchsuchungen, die sowohl bei ihm als auch bei seinem Kollegen im Aufsichtsrat, Josef Pröll, stattgefunden haben.

Dass sein Abgang vom Casinos-Parkett auf diese Art und Weise vonstatten gehen würde, hatte sich Walter Rothensteiner sicherlich nicht gedacht. Doch der Schatten, den der mutmaßliche politische Postenschacher um die Bestellung des FPÖ-Manns Peter Sidlo zum Finanzvorstand der CASAG und ein damit in Verbindung stehendes, ebenso mutmaßliches Glücksspiel-Geschäft wurde einfach zu groß. Scheinbar hat Rothensteiner inzwischen die Nase voll und kurzerhand einfach die sogenannte Reißleine gezogen. Natürlich drehen sich nun die aktuellen Spekulationen darum, wer wohl der Nächste sein wird, der seinen Rücktritt bekannt gibt.

Thomas Schmid in der Kritik

„Wir bedanken uns für den jahrelangen intensiven Einsatz im Interesse des Unternehmens und der Steuerzahler," ließ das Finanzministerium auf Nachfrage verlauten. Im Herbst muss dann über Rothensteiners Nachfolge entschieden werden. Bis dahin muss sich Thomas Schmid, derzeitiger Alleinvorstand der ÖBAG, Gedanken über geeignete Nachfolger machen. Eine heikle Aufgabe, die der Boss der österreichischen Beteiligungs-AG, die die Anteile des Bundes an der OMV, den Casinos, der Post und der Telekom in Milliardenhöhe verwaltet, nun vor Augen hat. Mal ganz abgesehen davon, dass bereits seit geraumer Zeit in gewissen Kreisen auch über seine Zukunft spekuliert wird. Für die Opposition gilt Generalsekretär Schmid übrigens schon eine ganze Zeit lang als „rücktrittsreif“ - und zwar spätestens seitdem die verhängnisvollen Chat Protokolle in der Ibiza Affäre, bzw. der Causa Casino veröffentlicht wurden. In diesem Zusammenhang wirkt es fast schon grotesk, dass ausgerechnet Schmid nun die Verantwortung für diese Aufsichtsrats-Personalie zukommt.

Rothensteiner: „Zeit für neue Leute“ 

Walter Rothensteiner stellt seine Beweggründe für den Entschluss, das Amt niederzulegen, mittlerweile wie folgt dar: „Nachdem sich die Mehrheitsverhältnisse bei den Casinos komplett verändert haben, ist es Zeit für neue Leute.“ Mit „neue Leute“ meint er natürlich den aktuellen Mehrheits-Eigner Sazka aus Tschechien, an den die Novomatic ihre Anteile verkauft hatte. Die Ankündigung einer Niederlegung des Mandats hatte Rothensteiner wohl schon am 15. Juli 2020 an die ÖBAG verschickt. Darin weist er u.a. auch darauf hin, dass ihm der Syndikatsvertrag zwischen der Sazka Group und der ÖBAG nicht bekannt sei, da dieser bisher ausschließlich der ÖBAG vorliege.

Wie es in der obersten Riege der CASAG nun weitergeht, steht bislang noch in den Sternen. Im Frühjahr dieses Jahres tauchte schon mal der Name Wolfgang Hesoun auf. Damals kam der Siemens-Chef als möglicher Wunschnachfolger ins Gespräch. Ein Statement Wolfgang Hesouns steht hierzu noch aus. Es darf also weiter spekuliert werden. Wir von Casinobonus 360 halten Sie über den weiteren Verlauf der Geschehnisse in jedem Fall auf dem Laufenden.