Das Thema „organisierter Wettbetrug“ kocht derzeit überall hoch. Daher kommt das Buch „Verbrechen am Fußball“ genau zur richtigen Zeit. In dieser Publikation beschäftigt sich der Polizist Michael Bahrs mit der „Verwässerung von Spielen“, menschlichen Beweggründen, Manipulationen und mit dem sogenannten Matchfixing und wie dieses überhaupt möglich wird. Michael Bahrs gehört zu den herausragenden Kriminalisten Europas, die sich mit der Wettmanipulation im Profisport, insbesondere im Fußball beschäftigen. Im Rahmen seiner Arbeit kooperiert er eng mit Interpol, Europol und auch anderen Strafverfolgungsbehörden zusammen, die weltweit agieren. Er gibt Einblicke in seine Arbeit als Ermittler und erklärt, weshalb es beim internationalen Markt für Wetten auf Fußballereignisse um Milliarden geht und wie das „System Fußball“ heutzutage funktioniert. Michael Bahrs ist selbst ein großer Fußballfan, doch er musste schon oft „... die bittere Wahrheit ertragen, dass das Endergebnis eines professionellen Fußballspiels nicht immer etwas mit Leistung zu tun hat.“ Seit 2008 beschäftigt er sich nun hauptberuflich mit Wettmanipulationen im Profisport.

Bekämpfen: Ja – Ausrotten - Unmöglich

Wetten SportwettenDas Wetten an sich ist grundsätzlich nicht verboten. Allerdings stecken hinter dem Wetten sehr viele unterschiedliche wirtschaftliche Interessen. „Es geht ja auch nicht um das Wetten an sich, sondern um die Mittel, die dahinter stecken. Es gibt 1000 Beispiele von legalen Dingen, die ich illegal nutze, so ist es beim Wetten auch“, sagt Michael Bahrs. Ihm geht es nicht darum, irgendwelche Skandale aufzudecken oder Fußballvereine zu kritisieren, sondern Straftaten zu verhindern und Verbrecher dingfest zu machen. Seine Argumente verpufften bisher mehr oder weniger ungehört. Durch sein Buch „Verbrechen am Fußball“ hofft er, sich nun endlich Gehör zu verschaffen. Seit zehn Jahren versucht er bereits das Thema „salonfähig“ zu machen, in der Hoffnung, dass sich etwas ändert. Mehrere Angebote von Verlagen flatterten ihm in dieser Zeit ins Haus, die er alle ablehnte. Er wollte sich dem Thema nicht reißerisch widmen, sondern allgemein verständlich, gut recherchiert und ganz seriös. „Nur weil wir die Sensationen nicht auf den Titelseiten der Zeitungen haben, bedeutet das nicht, dass es nicht passiert. Und da sollten wir uns anders aufstellen und könnten den Sport etwas retten. Ermittlungsbehörden können eingreifen, wenn Spieler manipuliert werden oder vor Spielen Absprachen getroffen werden. Darin geht es zum Beispiel um einen bestimmten Ausgang, eine bestimmte Anzahl von Einwürfen oder darum, wer den ersten Elfmeter bekommt. Diese Einflussnahme kann man aus meiner Sicht bekämpfen – aber wie bei anderen Delikten auch – nie ganz ausrotten.“

Betroffen sind alle Sportarten, auf die man wetten kann

„Die Manipulation findet ja auf dem Fußballplatz statt. Ohne die Protagonisten auf dem Spielfeld ist sie nicht möglich“, sagt Michael Bahrs und meint damit all diejenigen, die direkt an dem Spiel beteiligt sind, wie die Schiedsrichter, die Spieler und manchmal sogar die Trainer. „Wenn man weiß, wer der die Zielgruppe ist, kann man präventiv agieren und bestimmte Leute ansprechen. Aber Ganoven versuchen teils auch als Sponsor an wirtschaftlich schlecht dastehende Vereine heranzutreten und versuchen Spieler im Verein unterzubringen. Dass ein Verein da erstmal interessiert ist, wenn ihm eine gewisse Summe geboten wird, ist normal. Sind die Spieler dann involviert, kann sich das ganze entwickeln.“ Lange hat sich der Kriminalist die Frage gestellt, warum die Beteiligten das überhaupt machen und hat nur eine Erklärung dafür gefunden: „Weil es menschlich ist.“ Es geht ja in erster Linie immer um einzelne Personen, die manipuliert werden und nicht um den ganzen Verein. Ganz besonders clevere Kriminelle suchen sich zum Beispiel Spiele aus, auf denen nicht so sehr der öffentliche Fokus liegt und die nicht im Fernsehen übertragen werden. Sie sind rhetorisch meist sehr gut geschult, in der jeweiligen Sportart bekannt und verfügen über ein entsprechendes Spielernetzwerk, mit dem sie „angeben“ können. Diese Typen beginnen damit, dem jeweiligen Spieler, auf den sie es abgesehen haben, Gefallen zu tun – erst kleine, dann größere. Das passiert so lange, bis der Spieler sich in der Situation befindet, auch mal „... etwas zurückzugeben“, erst recht dann, wenn sich mittlerweile eine Art freundschaftliches Verhältnis zwischen dem Kriminellen und seinem Opfer entwickelt hat. In einer Vernehmung sagte mal ein Krimineller zu Michael Barth: „Ihr könnt 89 Minuten das Spiel eures Lebens machen, aber in einer Minute arbeitet ihr für mich. Und das bringt es genau auf den Punkt. Wenn ein Profisportler auf dem Fußballplatz steht und von Anfang an einen Müll spielen würde, weil er denkt ich muss heute schlecht spielen, weil ich ja gegen uns gewettet hab, dann würde er nach fünf Minuten ausgewechselt werden. Er muss also die Balance finden und den richtige Zeitpunkt zum Manipulieren.“

Aus Sicht des Kriminalisten Michael Barth macht die Vielzahl an Online Casinos und Online Sportwettenanbietern, die es mittlerweile überall im Netz zu finden gibt, seine Arbeit nicht komplizierter – eher im Gegenteil: „Je mehr Kriminelle es gibt, die sich daran bereichern und orientieren, umso mehr Fälle gibt es ja auch. Umso einfacher wäre es dann auch, Ermittlungen aufzunehmen.“ Das System wird genau dann anfällig, wenn viele Menschen über eine Manipulation informiert sind. Betroffen sind übrigens alle Sportarten, auf die Wetten abgeschlossen werden können.