Der 1. Januar 2021 ist ein historischer Tag in der jüngeren Geschichte Europas, denn das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland ist seit diesem Tag kein Mitglied der EU mehr. Einiges wird sich verändern, und nun fürchten viele Briten, dass diese Änderungen nicht nur Gutes mit sich bringen werden. Inwieweit der Brexit auch Einfluss auf die Glücksspielindustrie haben wird, ist derzeit noch nicht vollständig absehbar. Spurlos an der Branche vorübergehen wird der britische EU-Austritt jedoch aller Voraussicht nach nicht. Hinsichtlich des Brexit gibt sich die UK Gambling Commission (UKGC) aktuell noch eher zugeknöpft, und das, obgleich in Großbritannien einige der größten und bedeutendsten international agierenden Glücksspielunternehmen ihren Sitz haben und auch zahlreiche andere Glücksspiel-Konzerne aus Europa auf den britischen Inseln ihre Geschäfte betreiben. Die Glücksspielaufsicht des Vereinigten Königreichs scheint aktuell zu viel mit den künftigen Glücksspiel-Reformen zu tun zu haben, so dass ihr die Zeit fehlt, einen Blick auf die derzeitigen sowie die potenziellen zukünftigen Lizenznehmer zu werfen.

Droht Online Casinos mit Lizenz aus Gibraltar die Illegalität?

UK Gambling Commission Online Casino Die zu diesem Zeitpunkt gültige Gesetzgebung sieht vor, dass sowohl britische Online Casinos legal ihre Angebote auf dem heimischen Markt offerieren dürfen, als auch ausländische Anbieter, sofern sie eine gültige Lizenz aus einem anderen EU-Staat nachweisen können. 2005 wurde ein Gesetz verabschiedet, welches zunächst ausschließlich britischen Online Casinos den Betrieb auf den Inseln gestattete. Zwei Jahre später gab die Regierung dann eine sogenannte Whitelist heraus. Diese ermöglichte es mittels einer Sondererlaubnis auch „Anbietern mit einer Lizenz aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), der Isle of Man, Gibraltar und Alderney“ in Großbritannien ihren Geschäften nachzugehen. Glücksspielunternehmen mit einem Sitz in Alderney oder auf der Isle of Man brauchen vermutlich nicht mit Änderungen rechnen. Andere Firmen, wie beispielsweise diejenigen, die ihren Hauptsitz auf Malta haben, müssen hingegen davon ausgehen, dass es erstmal notwendig ist, sich um eine offizielle britische Lizenz zu bewerben, bevor sie ihre Geschäfte im Vereinigten Königreich weiter ausüben dürfen.

William Hill und Entain PLC konzentrieren sich bereits verstärkt auf den US-Markt

Schon Anfang Dezember 2020 wies Dänemarks Glücksspiel-Aufsichtsbehörde Spillemyndigheden darauf hin, dass der Brexit auf die gesamte Branche Auswirkungen haben wird. Für unseren nördlichsten Nachbarn heißt das sogar im Klartext, dass sich ausschließlich Glücksspielfirmen aus anderen EU-Staaten um eine dänische Lizenz bewerben können. Großbritannien und auch Gibraltar sind in Zukunft von der Lizenzvergabe Dänemarks ausgeschlossen – es sei denn, die entsprechenden Unternehmen können einen Bevollmächtigten vorweisen, bei dem es sich entweder um einen dänischen Staatsbürger handelt oder um ein Unternehmen aus einem anderen EU-Staat. Wie die anderen EU Mitglieds-Staaten dies handhaben und ob sie ähnliche Beschränkungen vorgesehen haben, ist aktuell noch unklar. Unterdessen scheinen einige große Glücksspielkonzerne über den großen Teich zu schielen. Schon in den letzten zwei Jahren fiel auf, dass sich immer mehr britische Unternehmen dem US-amerikanischen Markt zugewendet haben. Zum einen liegt dies sicherlich am Brexit, zum anderen aber auch daran, dass die USA erst vor Kurzem einen legalen Weg für Online Sportwetten sowie Online Casinos und damit einhergehend einem lukrativen Geschäftsfeld geebnet haben. Entain PLC (früher GVC Holdings) und William Hill sind nur zwei britische Buchmacher, die über eine lange Tradition verfügen und die – vollkommen unabhängig voneinander - bereits über Lizenzen in verschiedenen Bundesstaaten der USA verfügen. Was das letztendlich für den britischen Glücksspielmarkt heißt und ob der Glücksspielbranche des Vereinigten Königreichs in naher Zukunft eine dramatische Entwicklung bevorsteht, kann derzeit wohl noch niemand seriös einschätzen. 

Gibraltar ringt um Autonomie

In einer besonders prekären Situation scheint sich gerade Gibraltar zu befinden. Der Brexit bedeutet für den kleinen Archipel, der südlich vor Spanien liegt, ebenfalls den EU-Ausstieg, da es als Überseegebiet noch immer zu Großbritannien gehört. Gibraltar bemühte sich monatelang um Autonomie-Verhandlungen mit der Europäischen Union, damit nicht sämtliche EU-Vorteile mit dem Brexit von dannen schwimmen, allerdings ist der Ausgang dieser Bemühungen nach wie vor ungewiss. Das einzige, das Ende des Jahres 2021 feststand, war die Tatsache, dass Gibraltar ein Teil des Schengen Raums wird. Dies dürften insbesondere die vielen Angestellten der Glücksspielunternehmen mit Erleichterung zur Kenntnis genommen haben, die nur wenige Kilometer entfernt auf dem spanischen Festland wohnen, da deren tägliche Ein- und Ausreise nun durch den EU-Austritt nicht zusätzlich erschwert wird. Problematisch könnte es allerdings für die Online Casinos werden, die durch die Gibraltar Gambling Commission lizenziert wurden. Sie haben seit dem 1. Januar 2021 keine Möglichkeit mehr, sich auf die EU-Dienstleistungsfreiheit zu berufen und könnten dadurch in vielen europäischen Ländern wieder in eine Art rechtliche Grauzone oder sogar in die Illegalität abrutschen. Wir bleiben für Sie am Ball.