Der schwedische Glücksspielverband BOS hat sich kritisch zu der Verlängerung der verschärften Glücksspielregulierung aufgrund der Gesundheitskrise geäußert. Nach Ansicht des renommierten Verbandes wäre es dringend geboten, die Verschärfungen zurückzunehmen, um die Kanalisierung des regulierten Marktes nicht zu gefährden.

Wird temporäre Verschärfung dauerhaft?

Schweden CasinoFür Gustaf Hoffstedt, den Generalsekretär des Glücksspielverbandes BOS ist die angekündigte Verlängerung der verschärften Glücksspielregulierung ein großes Ärgernis. Ursprünglich war angekündigt worden, nur vorübergehend die Regeln zu verschärfen, um einen besseren Spielerschutz zu gewährleisten auf dem Höhepunkt der Krise. Doch mittlerweile fürchtet nicht nur der BOS, dass die verschärften Regeln dauerhaft gelten könnten. Besonders umstritten sind zwei Limits: ein Einzahlungslimit von 5.000 SEK pro Woche und ein Bonuslimit von 500 SEK. Mit diesen beiden Limits wird nach Auffassung vieler Experten der finanzstarke Teil der Glücksspiel-Fans in Schweden vom regulären Markt ausgeschlossen. Die sogenannten High Roller haben jetzt nur noch zwei Möglichkeiten: Verzicht oder Spielen in einem Online Casino ohne Lizenz. Es gehört nicht viel Fantasie dazu sich vorzustellen, dass Verzicht für viele High Roller nicht die erste Option ist. Es gibt ein interessantes Detail, das diesen Effekt auch auf dem legalisierten Markt in Schweden zeigt: Pferderennen sind ausgeschlossen von den neuen Limits und seitdem die neuen Restriktionen in Kraft sind, boomen die Pferderennen in Schweden. Die Leidtragenden der aktuellen Sonder-Regulierung sind die Online-Spielbanken und die Online-Buchmacher mit schwedischer Lizenz.

Der Glücksspielverband BOS weist darauf hin, dass schon vor der Einführung der verschärften Regulierung etwa 25 Prozent des schwedischen Glücksspiel-Fans außerhalb des regulierten Glücksspielmarktes online aktiv waren. Aktuelle Zahlen gibt es noch nicht, aber es ist davon auszugehen, dass der Anteil der Spieler, die in Online-Spielbanken ohne Lizenz unterwegs sind, nicht gesunken ist. Das ist eine fatale Entwicklung, denn die Kanalisierung des Glücksspielmarktes ist ein wichtiges Regulierungsziel. Was bedeutet Kanalisierung? Ein regulierter Glücksspielmarkt funktioniert, vor allem hinsichtlich des Spielerschutzes, nur wenn ein großer Teil des tatsächlich existierenden Marktes erfasst wird. Wenn es viele Anbieter außerhalb des regulierten Glücksspielmarktes gibt, funktioniert die Kanalisierung nicht gut. Das ist im Moment in Schweden der Fall. Die Politik gefällt sich aber darin festzustellen, dass die Umsätze in den regulierten Online-Spielbanken und bei den regulierten Online-Buchmacher nach unten gegangen sind. Dass dies aber kein positiver Effekt ist, der zudem auch noch dem widerspricht, was ursprünglich einmal die Begründung für die aktuellen Restriktionen war, wird zumindest offiziell kaum diskutiert. Doch bei den Glücksspielverbänden und auch bei der schwedischen Glücksspielbehörde mehren sich die kritischen Stimmen. Die schwedische Glücksspielregulierung, die erst 2019 eingeführt worden ist, könnte mittelfristig scheitern, wenn die Regulierung nicht an die Realität angepasst wird.

Hat schwedische Regierung Krise ausgenutzt?

Es ist keine neue Erkenntnis, dass es sehr leicht ist, neue Vorschriften zu erlassen, aber sehr schwer, alte Vorschriften loszuwerden. Deswegen haben die Glücksspielverbände in Schweden wahrscheinlich nicht ganz unberechtigte Bedenken, dass die aktuelle Regulierungsverschärfung dauerhaft werden könnte. Für die gesamte Glücksspielregulierung wäre das fatal. In diesem Jahr musste zum Beispiel LeoVegas deutliche Einbußen in Schweden verzeichnen, auch weil durch die neuen Vorschriften die Attraktivität der regulierten Online-Spielbanken beeinträchtigt worden ist. Das wäre im Grundsatz gar kein Problem, insbesondere wenn das Ziel darin besteht, den Glücksspielmarkt zu verkleinern. Aber im Moment gibt es einen anderen Effekt: Es deutet vieles darauf hin, dass der schwedische Glücksspielmarkt wächst, allerdings außerhalb der Regulierung. Nicht zuletzt hat das auch zur Folge, dass die Steuereinnahmen aus dem Glücksspielbereich nach unten gehen. Wenn die Online-Spielbanken und die Online-Buchmacher weniger Geld verdienen, profitieren auch die ganz normalen schwedischen Staatsbürger über Steuern entsprechend weniger. Die gesamte Situation ist im Moment unbefriedigend für die schwedischen Glücksspiel-Fans und die Glücksspielanbieter. Auch die schwedische Glücksspielbehörde weist seit Monaten darauf hin, dass eine bessere Lösung gefunden werden muss für den schwedischen Glücksspielmarkt.

Im Grunde genommen gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder muss die Regulierung gelockert werden, damit die Anbieter mit Lizenzen wieder attraktiver werden. Oder aber die schwedische Regierung muss massiv gegen die Anbieter vorgehen, die keine schwedische Lizenz haben und trotzdem schwedische Kunden annehmen. Schaut man sich das letzte Jahrzehnt auf dem europäischen Glücksspielmarkt an, fällt es jedoch schwer zu glauben, dass Schweden dazu in der Lage sein könnte, den Schwarzmarkt wirkungsvoll zu bekämpfen. Der gesamte europäische Glücksspielmarkt gerade deswegen schnell gewachsen, weil lange nur wenige Lizenzen und Glücksspielbehörden vorhanden waren. Eine wichtige Rolle haben dabei die EU-Lizenzen gespielt. Mittlerweile gibt es aber viele Staaten, neben Schweden unter anderem auch Deutschland, die eine nationale Glücksspielregulierung für den Online-Bereich bevorzugen. Im Grundsatz ist das auch völlig in Ordnung, aber die Glücksspielregulierung muss so gestaltet sein, dass am Ende der Spielerschutz in der Realität verbessert wird und nicht nur auf dem Papier. Deswegen ist es wichtig, dass ein starker Glücksspielverband wie der BOS sich gegen problematische Regulierungsversuche zur Wehr setzt.

Hier mehr über die Stellungnahme des BOS zur aktuellen schwedischen Glücksspielregulierung lesen (auf Englisch).