Vor kurzem hat die deutsche Bet-at-Home AG die Zahlen für die ersten neun Monate des aktuellen Geschäftsjahres vorgelegt. Laut einem renommierten Wirtschaftsmagazin rauschte daraufhin die Aktie des Glücksspiel- und Sportwetten-Unternehmens erstmal in den Keller. Knapp 15 % Prozent machte diese plötzliche Talfahrt aus. Am Ende lagen die Wertpapiere des Konzerns nur noch bei rund 30,- Euro. Der Finanzbericht von Bet-at-Home fiel deutlich schwächer aus, als man erwartet hatte. Diese Tatsache sowie eine verhältnismäßig schlechte Geschäftsjahres-Prognose für 2021 haben vermutlich bei zahlreichen Anlegern bewirkt, dass sie ihre Unternehmensanteile abstießen.  

Antrag für Online Casino Lizenz noch offen

Glücksspiel StaatsvertragDas Spiel- und Wett-Volumen belief sich in den ersten drei Quartalen dieses Jahres laut Geschäftsbericht von Bet-at-Home auf insgesamt rund 2,1 Milliarden Euro. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 2,4 Milliarden Euro. Das entspricht einem Ertrag von 93 Millionen Euro in den ersten neun Monaten 2020. Der Wert vom Vorjahr lag noch bei 106,8 Millionen Euro. Parallel musste Bet-at-Home, wie alle anderen Anbieter auch, auf den Anstieg der Wett- und Glücksspielabgaben reagieren. Daher beläuft sich der Gaming- und Wett-Ertrag netto auf 73,5 Millionen Euro. 87,9 Millionen Euro betrugen diese Abgaben in 2019. Weniger von diesen Einbußen betroffen ist das Online Gaming. Dazu gehören in erster Linie die Bereiche Live Spielbanken, Virtual Sports und Poker. Sofern sich der Konzern dazu entschließt, eine der begehrten deutschen Online Casino Lizenzen zu beantragen, dann muss er bereits jetzt seine Angebote an die Vorgaben des neuen Glücksspielstaatsvertrags anpassen, der im Juli 2021 in Kraft tritt. Es ist nicht auszuschließen, dass dadurch auch in den Bereichen Live Spielbanken, Virtual Sports und Poker mit Einbußen zu rechnen ist, da die entsprechenden Anforderungen mit einer Reihe von Einschränkungen einhergehen. Ein Beispiel hierfür ist der sogenannte Panik-Button. Er muss künftig auf allen Plattformen, die Glücksspiel anbieten, integriert sein. Sofern ein Spieler diesen Button aktiviert, ist er in den kommenden 24 Stunden für weitere Glücksspiele gesperrt. Darüber hinaus muss das Klassische Spiel aus dem Portfolio verschwinden. Das heißt: in Zukunft darf es kein Black Jack, Roulette und Baccarat mehr im Programm der Online Casinos geben. Hinzu kommt das Einzahlungslimit, dass den Betrag von 1.000,- pro Monat nicht übersteigen darf. Erhöht werden kann dieses Limit nur, wenn die jeweiligen Spieler bestimmte Voraussetzungen erfüllen und die entsprechenden Nachweise hierfür liefern.

Bet-at-Home Aktien steht eine unsichere Zukunft bevor

Für den Bereich Sportwetten hat Bet-at-Home bereits am 2. November dieses Jahres eine deutsche Lizenz für Sportwetten vom Darmstädter Regierungspräsidium erhalten. Die Anteile des Konzerns am Finanzmarkt schossen daraufhin erstmal in die Höhe, und zwar auf 16,21 Prozent. Die Aktie wurde vorübergehend sogar für 38,35 Euro gehandelt. Die Ernüchterung folgte bei den Anlegern schon wenige Tage später, nachdem Bet-at-Home die Geschäftszahlen für die ersten drei Quartale des Jahres 2020 vorlegte, da der Konzern mit einem weiteren Rückgang von ungefähr 20 Millionen Euro des Brutto-Gaming- und Wettertrags im kommenden Jahr rechnet sowie von ca. 13 Millionen Euro im EBITDA für 2021 – und das trotz der gesteigerten Rechtssicherheit. Die restriktiven Vorgaben, die die neu erteilte Konzession mit sich bringen, nennt das Unternehmen als Grund für diese Prognose. Hierzu gehören das monatliche Einzahlungslimit ebenso wie das Verbot des Klassischen Spiels, von dem Black Jack, Roulette und Co betroffen sind. Im Bericht heißt es dazu wörtlich: „Im Geschäftsjahr 2021 muss daher aufgrund der Vorgaben der deutschen Sportwetten-Konzession sowie der Bedingungen in der Übergangsphase bis zur Erteilung weiterer Lizenzen bzw. Konzessionen für Casino-Produkte und darüber  hinaus durch anhaltende rechtliche Restriktionen in einzelnen weiteren Märkten mit wesentlichen Einschnitten in der Umsatz- und Ertragsentwicklung gerechnet werden.“ Prognosen von Experten zufolge wäre es durchaus möglich, dass sich die aktuell eher düsteren Aussichten für Bet-at-Home wieder verbessern, nämlich genau dann, wenn sich der Konzern erfolgreich um eine Lizenz für das Klassische Spiel und virtuelle Automatenspiele bewirbt. Allerdings muss hierfür zunächst einmal die Zustimmung der Parlamente der Länder vorliegen. Bis es soweit ist, muss daher laut den Angaben des Konzerns „...aufgrund der Vorgaben der deutschen Sportwetten-Konzession sowie der Bedingungen in der Übergangsphase bis zur Erteilung weiterer Lizenzen bzw. Konzessionen für Casino-Produkte und darüber hinaus durch anhaltende rechtliche Restriktionen in einzelnen weiteren Märkten mit wesentlichen Einschnitten in der Umsatz- und Ertragsentwicklung gerechnet werden.“

Das Online Gaming und Online Sportwetten Unternehmen Bet-at-Home mit Sitz in Düsseldorf wurde 1999 gegründet. Im Mai 2004 erfolgte dann die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und wenige Monate später die Notierung an der Frankfurter Börse. Die Unternehmensgruppe verfügt über Niederlassungen in Deutschland, Gibraltar, Malta sowie Österreich und verfügt darüber hinaus über eine Lizenz der italienischen Glücksspielbehörde sowie aus Großbritannien und Irland. Mit seinen Angeboten ist Bet-at-Home vorwiegend in der BRD (Schleswig-Holstein) und Osteuropa als Buchmacher aktiv sowie in den deutschsprachigen Ländern.