Bally will die World Poker Tour (WPT) von Black Ridge kaufen. Das ist eine spannende Nachricht, denn Bally bewegt sich damit raus aus der Komfortzone. Der amerikanische Spielehersteller ist vor allem für zahlreiche Slots bekannt, die in vielen Spielbanken in Las Vegas sehr populär sind. Die World Poker Tour ist in den letzten Jahren von Besitzer zu Besitzer gewandert. Nicht immer hat sich der Kauf für das jeweilige Unternehmen gelohnt.  Dabei sollte es eigentlich keine schwierige Sache sein, aus den Rechten für die World Poker Tour ein lukratives Geschäft zu machen. Aber letztlich ist alles immer eine Frage des Preises. Als beispielsweise Black Ridge, der aktuelle Besitzer, die World Poker Tour erworben hat, musste das Unternehmen fast 214 Millionen Dollar auf den Tisch legen.

World Poker Tour will WPT wieder groß machen

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Das aktuelle Angebot von World Poker Tour liegt hingegen bei 100 Millionen Dollar. Das ist immerhin noch deutlich mehr als ein anderes Unternehmen, Element Partner LLC, bezahlen will. Element Partner LLC hat für die WPT gerade einmal 68,25 Millionen Dollar geboten. Auch wenn sich der Preis noch unter bestimmten Erfolgsfaktoren um 10 Millionen Dollar erhöhen kann im Laufe der Zeit, ist das doch kein besonders berauschendes Angebot. Ob Black Ridge dazu bereit ist, die World Poker Tour für 100 Millionen Dollar verkaufen, lässt sich aktuell schwer abschätzen. Aber sicher scheint, dass World Poker Tour die WPT nicht langfristig behalten möchte. Ansonsten gäbe es nicht innerhalb kürzester Zeit zwei konkrete Angebote von potenziellen Käufern.

Wenn Black Ridge die World Poker Tour behalten wollte, würde sich das schnell herumsprechen. Doch das Gegenteil ist wohl der Fall. Dabei wäre es vielleicht die beste Strategie, die WPT zu behalten und den Wert in den nächsten Jahren zu erhöhen. Wenn Black Ridge jetzt verkauft, ist das gleichbedeutend mit dem Eingeständnis, dass sich die Investition in dieses Projekt nicht gelohnt hat.

Es ist nicht ganz klar, was Bally mit der World Poker Tour wirklich machen möchte. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die WPT in den letzten Jahren insgesamt finanziell keinem Besitzer wirklich Glück gebracht hat. Aber es gibt durchaus Potenzial, denn nicht zuletzt durch die Gesundheitskrise ist das beliebte Kartenspiel wieder populärer geworden. Viele Menschen hatten die Gelegenheit, zu Hause über das Internet das traditionsreiche Spiel, das schon einmal einen großen Boom vor knapp zwei Jahrzehnten erlebt hat, neu zu entdecken. Ob das ausreicht, um die World Poker Tour wieder größer zu machen, bleibt abzuwarten. Aber bei Bally scheint man zumindest zu der Überzeugung gekommen zu sein, dass ein Investment von 100 Millionen Dollar gerechtfertigt sei. Es wäre gut für das Produkt WPT, wenn sich wieder einmal ein Besitzer finden würde, der eine langfristige Strategie umsetzt. Dann ist es vielleicht auch wieder möglich, weltweit viele Spieler zu überzeugen, an den Turnieren der WPT teilzunehmen. Generell erwarten viele Experten, dass Live-Turniere in den nächsten Jahren wieder interessanter werden für die typischen Kartenspiel-Fans. Beim Online-Spielen ist das Niveau mittlerweile sehr hoch. Zudem wird es immer schwieriger für die Anbieter, Manipulationen zu vermeiden. Nicht zuletzt gibt es mittlerweile schon KI-Software, die sogar die besten Profis schlägt. Auch das könnte zu einem Problem für die Online-Anbieter werden. Insofern gibt es vielleicht bald die Renaissance des Live-Spiels.

Viel Bewegung auf dem Glücksspielmarkt

Es ist vielleicht eine Überraschung, dass der amerikanische Glücksspielanbieter Bally bei der World Poker Tour zu den Bietern gehört. Aber grundsätzlich ist es durchaus nachvollziehbar, dass Bally versucht, die Geschäftsbasis zu verbreitern. Die Zeiten, in denen Glücksspielanbieter unglaublich viel Geld verdienen können mit einer einzigen Sparte, sind wahrscheinlich vorbei. Auch das Online-Geschäft dürfte für Bally in den nächsten Jahren wichtiger werden. Derzeit verdient Bally vor allem mit Spielen für Spielbanken und Spielhallen Geld. Aber die Online Casinos sind auch in den USA auf dem Vormarsch. Deswegen wäre es keine Überraschung, wenn Bally bald den einen oder anderen europäischen Spielehersteller kauft, um auch in diesem Segment den Marktanteil zu erhöhen. Strategisch wäre das wahrscheinlich mindestens eine genauso gute Idee wie der Kauf der World Poker Tour.

Die großen amerikanischen Glücksspielanbieter sind Moment damit beschäftigt, den neu wachsenden Markt im Internet zu bedienen. Bei vielen Unternehmen und Konzern funktioniert das ohne Umstrukturierungen nur mäßig, da das nötige Know-how nicht vorhanden ist. Deswegen gibt es im Moment Joint Ventures, Fusionen und Akquisitionen, die zum Teil formidable Dimensionen erreichen.  Beispielsweise hat MGM Resorts zusammen mit Entain die Marke BetMGM entwickelt. Caesars Entertainment hat den europäischen Glücksspielanbieter William Hill gleich komplett gekauft. Ob Bally auch in das Online-Glücksspiel mit riesigen Investitionen einsteigt, bleibt abzuwarten. Aber der Kauf der WPT könnte der Einstieg in eine umfassende Neustrukturierung des Konzerns sein. Für Fans des klassischen Kartenspiels dürfte es aber vor allem wichtig sein, dass die WPT wieder zu altem Glanz geführt wird. Ob das passieren wird, bleibt abzuwarten.