Der amerikanische Spielehersteller und Glücksspielanbieter Bally steigt in das Sportwetten-Geschäft ein. Doch wie gut sind die Aussichten für das Unternehmen, das in den letzten Jahrzehnten die amerikanischen Spielbanken maßgeblich mit seinen Slots geprägt hat? Viele deutsche Glücksspiel-Fans kennen die Marke Bally nicht. Aber noch heute stammt ein großer Teil der Slots in den Spielbanken von diesem Hersteller. Mit vielen unterschiedlichen Glücksspielen für Spielbanken hat sich Bally eine exzellente Marktposition in den letzten Jahrzehnten erobert. Aber das Geschäft mit den Spielbanken ist nicht mehr so einfach wie früher. Die Konkurrenz ist größer geworden und zudem stehen die Online Casinos auch in den USA in den Startlöchern. Deswegen liegt es wohl nahe, dass Bally bestrebt ist, die eigene Geschäftsbasis deutlich zu vergrößern. Das Ziel ist ambitioniert: Bally möchte zehn Prozent des amerikanischen Sportwetten-Markts erobern. Doch wie soll das funktionieren? Bally kommt späte zur Party, denn die großen Glücksspielkonzerne haben bereits umfangreiche Investitionen in den letzten Jahren getätigt. Zudem hat Bally bislang überhaupt keine Erfahrung im Sportwetten-Geschäft. Aber auch bei Bally hat man nun wohl eingesehen, dass es ohne das Online-Geschäft in Zukunft nicht mehr möglich sein wird, starke Bilanzen vorzulegen. Insofern ist es nur folgerichtig, dass nun erhebliche Investitionen getätigt werden, um auch bei den Online-Sportwetten weit vorne platziert zu sein.

Bally will mit Sportwetten durchstarten

Bally Sports

Bally hat sich dazu entschieden, einen vermeintlich einfachen Weg zu gehen, um Anteile im Sportwetten-Geschäft zu erreichen. Durch den Kauf von Bet.Works, einem amerikanischen Buchmacher mit Sitz in Las Vegas, möchte Bally schnell im Sportwetten-Segment wachsen. Warum gerade ein amerikanischer Wettanbieter? Die Begründung ist, dass der US-Buchmacher schon jetzt ein gutes Netzwerk hat und zudem auch die nötigen Voraussetzungen für eine schnelle Expansion bietet. Erstaunlich ist allerdings, dass viele Konkurrenten von Bally europäische Buchmacher gekauft haben oder aber Joint Ventures mit europäischen Buchmachern eingegangen sind. Besonders bekannt und erfolgreich ist zum Beispiel BetMGM, ein Joint Venture von MGM Resorts und Entain. Der Kauf von Bet.Works ist allerdings eine ganz andere Größenordnung als viele andere Deals, die in den letzten Monaten bekannt gegeben worden sind. Insgesamt hat Bet.Works 125 Millionen Dollar gekostet. Das ist angesichts des Milliardenmarkts, der gerade in den USA entsteht, eine überschaubare Investition. Die Aktionäre von Bally waren nicht sonderlich begeistert von der Akquisition von Bet.Works und ließen den Aktienkurs deutlich in den Keller gehen. Langfristig könnte sich der Kauf trotzdem für Bally auszahlen, aber das setzt voraus, dass Bet.Works als Teil von Bally in den nächsten Jahren deutlich wachsen wird. Angesichts des starken Wettbewerbs auf dem Sportwetten-Markt sind die Anforderungen hoch und aktuell kann noch niemand mit Sicherheit sagen, wer am Ende zu den großen Gewinnern zählen wird.

Online-Glücksspielmarkt nicht nur in den USA umkämpft

Der Einstieg von Bally in den amerikanischen Sportwetten-Markt ist bemerkenswert. Bally ist etwas passiert, das auch in Deutschland einigen Glücksspielanbietern widerfahren ist. Wenn der Online-Glücksspielmarkt wächst, profitieren zu Beginn vor allem die Unternehmen, die neu für diesen Markt gegründet werden oder aber sehr schnell auf die neuen Anforderungen dieses neuen Marktes reagieren. Es ist kein Zufall, dass in Europa der Glücksspielmarkt zu großen Teilen von Unternehmen und Konzernen dominiert wird, die es vor dem Entstehen des Online-Glücksspiels noch gar nicht gab. Es gibt einige Ausnahmen, vor allem in Großbritannien. Aber insgesamt hat sich gezeigt, dass die Glücksspielanbieter, die aus dem stationären Geschäft kommen, doch recht träge auf die neuen Möglichkeiten im Online-Glücksspiel reagiert haben. Auch in Deutschland haben einige Spielehersteller den ganz großen Schwung, den der Online-Glücksspielmarkt im letzten Jahrzehnt gebracht hat, ein Stück weit verschlafen. Deswegen sind die meisten Spielehersteller, die im Moment in den Online-Spielbanken vertreten sind, Unternehmen, die überhaupt keine Spiele für das stationäre Geschäft herstellen. Aber langsam dreht sich auch in Deutschland die Situation etwas, nicht zuletzt durch die neue Glücksspielregulierung.

Demnächst dürfte es in den Online-Spielbanken mit deutscher Lizenz auch Spiele von zahlreichen deutschen Herstellern geben. Sicher ist, dass es die berühmten Merkur-Slots in den deutschen Online-Spielbanken geben wird. Aber auch Hersteller wie Bally Wulff und Löwen Entertainment haben bereits angekündigt, den Online-Markt in Deutschland zu nutzen. Darüber hinaus dürfen sich die deutschen Glücksspiel-Fans darüber freuen, dass der österreichische Glücksspielkonzern Novomatic wieder mit den Novoline-Slots in Deutschland präsent sein wird. Besonders die Rückkehr von Book of Ra Deluxe wird von vielen Glücksspiel-Fans herbeigesehnt. Dieser Slots-Klassiker hat in den deutschen Spielhallen in den letzten Jahrzehnten für Furore gesorgt. Auch im Internet ist Book of Ra Deluxe verfügbar, aber im Moment nicht in Online-Spielbanken in Deutschland. Sobald sich das ändert, könnte es noch einmal eine ganz neue Euphorie für die Online-Spielbanken geben. Beim Online-Glücksspiel ist Europa deutlich weiter als die USA. Die schnelle Entwicklung war vor allem durch die EU-Lizenzen möglich. Doch durch die neue deutsche Glücksspielregulierung wird es erstmals möglich sein, Online-Spielbanken mit einer deutschen Lizenz zu betreiben.